Gedanken Sprüche

Nachdenkliche Sprüche und Gedanken

493 Sprüche in dieser Kategorie

Die Gedanken jedes einzelnen Menschen in sich und die aller Menschen zusammen untereinander begegnen und berühren sich nach unbekannten Gesetzen; diese Verschlingungen sind eins der wunderbarsten Geheimnisse.

Grimm, Essays, 1859. Aus: Friedrich der Große und Macaulay, 1858

O Gedanke, der mein Innerstes gleich dem Donner zermalmt!

Brawe, Der Freigeist. Ein Trauerspiel in Prosa und fünf Aufzügen, 1758. Zweiter Aufzug, fünfter Auftritt. Klerdon

Was für ein Entzücken müsste es sein große Gedanken zu empfangen wie Musik, die sich in unser Hirn schmeichelt, wie Wogen des Lichts, die unsere Finsternisse hinwegfluten.

Dohm, Schicksale einer Seele, 1899

Einige Dinge quälen uns mehr, als sie sollten, und einige, bevor sie es sollten. Einige Dinge quälen uns sogar, obwohl sie es gar nicht sollten.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 13. Brief. Übers. Internet Originaltext: Quaedam ergo nos magis torquent quam debent, quaedam ante torquent quam debent, quaedam torquent cum omnino non debeant

Gedanken sind nicht Taten; Vorsätze nur Gedanken.

Shakespeare, Maß für Maß (Measure for Measure), Erstdruck 1623. 5. Aufzug, 1. Szene, Isabella

Gedankenspuk Motto: »Könnten wir die Historie loswerden«, Friedrich Nietzsche Vernichtunglodernd, Tödlich leuchtend, Lebenversengend Glüht uns im Innern Flammender Genius. Aber es schützt uns Vor dem Verglimmen Kühlenden Unkrauts dichte Decke, Die unser Herz feucht wuchernd umspinnt: Gewohnheit und gedankenlose Lust am Leben, Und tröstende Lüge, Und süßer Selbstbetrug, Und trauliches Dämmern Von heut auf morgen ... Wir tragen im Innern Leuchtend die Charis, Die strahlende Ahnung der Kunst. Aber die Götter haben sie tückisch Mit dem Hephästos vermählt: Dem schmierigen Handwerk, Der hinkenden Plage, Der humpelnden, keuchenden Unzulänglichkeit. Wir tragen im Innern Den Träumer Hamlet, den Dänenprinzen, Den schaurig klugen, Den Künstler der Lebensverneinung, Der den Schrei der Verzweiflung noch geistreich umrankt mit funkelndem Witz. Aber bei ihm sitzt In unserer Seele enger Zelle Mit blödem Mönchsfleiß, Und emsig das Leben bejahend, Gräber schaufelnd der schmerzenden Wahrheit,[97] Gräber von Büchern, Worten, Staub, Der eignen Beschränktheit in Ehren froh, Ein lallender Kobold: der deutsche Professor ... Wir tragen im Innern den Faust, den Titanen, Und Sganarelle, die Bedientenseele, Den weinenden Werther – und Voltaire, den Zweifler, Und des Propheten gellenden Wehruf Und das Jauchzen schönheittrunkner Griechen: Die Toten dreier Jahrtausende, Ein Bacchanal von Gespenstern. Von andern ersonnen, von andern gezeugt, Fremde Parasiten, Anempfunden, Krank, vergiftet. – Sie wimmern, sie fluchen, sie jauchzen, sie streiten: Was wir reden, ist heisrer Widerhall Ihres gellenden Chors. Sie zanken wie taumelnde Zecher Uns zur Qual! Aber es eint sie die Orgie Uns zur Qual! Sie trinken aus unsrem Schädel Jauchzend den Saft unsres Lebens – Sie ranken sich erstickend, Zischende Schlangen, Um unser Bewußtsein – Sie rütteln am ächzenden Baum unsres Glücks Im Fiebersturm – Sie schlagen mit knochigen Händen An unsrer Seele bebende Saiten – Sie tanzen uns zu Tode! Ihr wirbelnder Reigen wühlt die Welle auf. Die Lebenswelle, die Todeswelle, Bis sie die Dämme brandend zersprenget Und die Gespenster verschlinget Und uns mit ihnen ... Und sich über unsre Qualen breitet Ein schweigender, kühlender Mantel: Nacht ... – – –!

Hofmannsthal, H., Gedichte. Hier: entstanden 1890

Ein abgebrochener Gedanke bringt andere zum Denken; ein Gedanke in seiner vollen Lebensgröße ausgedrückt, ermüdet uns mitten auf dem Weg.

Hippel, Über die Ehe, 1774 (mehrfach erweiterte und veränderte Auflagen bis 1793)

Das Geheimnis der Gedankenzucht ist ebenso kostbar wie schwer zu erlernen.

Kayssler, Besinnungen, 1921

Gedanken sind wie wilde Pferde, ebenso schön und stark wie verderblich, wenn man sie nicht zu halten, zu lenken und ihre Gangart zu bestimmen weiß.

Kayssler, Besinnungen, 1921

Ein richtiges Bild von unseren Gedanken erhält man, indem man aus jedem "ich", welches in ihnen vorkommt, ein "ich selbst" macht.

Cossmann, Aphorismen, 2. Auflage 1902 (EA: 1898). Moral

Nicht alle Gedanken können zu Taten werden, auch der Baum trägt mehr Blüten als Früchte.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Gute Gedanken sind Wohltaten aus der Ferne.

Seemann, Funken, 1940

Gedanken sind verarbeitete Eindrücke.

Dix, Aphorismen und Sinnsprüche, 1900

Klage nimmermehr der Schranke, Die hienieden dir gesetzt − Frei erhebt sich der Gedanke, Blieb das Herz dir unverletzt!

Dix, Aus jungem Herzen, 1898. Aus dem Gedicht: Ermunterung

Ein fruchtbarer Gedanke ist wie Morgensonne auf der Höhe. Aus Nebeln tauchen langsam empor ein Berg, ein Gipfel, eine Matte, ein Tal, in der Ferne die Stadt, die Züge, das Werk der Menschen.

Schleich, Aus dem Nachlass, 1927 (EA: 1923)

Es gibt Gedanken, deren man Herr werden muss, sonst wird man ihr Sklave.

Internet

Unsere Gedanken werden nicht fertig geboren, sie reifen, wie alles auf Erden, und die besten am langsamsten.

Keiter, Aphorismen von M. Herbert (i. e. Therese Keiter), 2. Auflage 1904 (EA: 1895)

Vor der Form war immer der Gedanke.

Marc, Die 100 Aphorismen: Das zweite Gesicht, 1915

Spiritisten haben ein leichtes Spiel. Sie sind beliebt, weil sie auch dort Gedanken lesen, wo gar keine sind.

Engel, Herr Adam und Frau Eva. Neue Folge, 1924

Ein Gedanke mag noch so oft ausgesprochen und gedruckt sein − es gibt immer noch Leute, die nichts von ihm vernommen haben.

Ernst, Frieden und Freude, 1920

Es ist mit dem Gedanken wie mit dem Hering: wo er sich zu häufig macht, wird er nicht geschätzt.

Ernst, Frieden und Freude, 1920