Gedanken Sprüche – nachdenklich

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Wirklich, es gab einmal neue Gedanken! In der Zeit, wo die Menschen viel langsamer und bedächtiger dachten, konnte es kommen, daß einer einen Gedanken fand, der ganz neu und blank war.

Kurz, Im Zeichen des Steinbocks. Aphorismen, 1905

Gedanken, die man niedergeschrieben, soll man nicht sobald wieder lesen, sondern sich erst fremd werden lassen und nach einiger Zeit wieder lesen. Man sieht dann, ob man gewonnen oder verloren; das Urteil darüber ist dann unbefangen und lässt sich korrigieren.

Zauper, Aphorismen moralischen und ästhetischen Inhalts, 1840

Eine Gedanken fliehende Kraft.

Lichtenberg, Sudelbuch B, 1768-1771. [B 318]

Zum eigenen, in uns aufsteigenden Gedanken verhält der fremde, gelesene, sich wie der Abdruck einer Pflanze der Vorwelt im Stein zur blühenden Pflanze des Frühlings.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Zweiter Band. Kapitel 22. Selbstdenken

Da der Mensch selbst nur ein Kurzschluß ist zwischen Oben und Unten, so bringt ers zu nichts besserem als zum Funken, der alle Sicherungen durchbrennt, das heißt zum Gedanken.

Werfel, Zwischen Oben und Unten. Essays, 1946 (posthum). Originaltext

Es lebe der große Gedanke, der ewige, unvergeßliche Gedanke. Jeder Mensch, wer er auch sei, muß sich davor beugen, daß der große Gedanke existiert.

Dostojewski, Sinn der Läuterung, zusammengestellt von J. Schirmer, Berlin 1938

Sich selbst zu vergessen, ist doch dem Menschen das Gesündeste, was es gibt!

Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, 3 Bde., 1930-43. Aus dem Nachlaß

Der Gedanke betrachtet sich den Weg und geht bedächtig im schönen Schrittwechsel, damit er nicht über die eigenen Füße stolpert.

Conrad, Was die Isar rauscht, 1887

Da und da hatte ich einen großen Gedanken, hab' ihn aber vergessen. Was mag es wohl sein? Ich plage mich mit Erraten.

Heine, Gedanken und Einfälle, in: Letzte Gedichte und Gedanken von Heinrich Heine, hg. von Adolf Strodtmann 1869. VI. Vermischte Einfälle

Der erste Gedanke ist oft der beste, und in Wahrheit, es gibt vorläufige Urtheile, die werth sind in Rahmen gefaßt zu werden.

Hippel, Lebensläufe nach aufsteigender Linie nebst Beylagen A, B, C, 1778-81. An den geneigten Leser und an den ungeneigten Kunstrichter. Originale Rechtschreibung

Was für ein Entzücken müsste es sein große Gedanken zu empfangen wie Musik, die sich in unser Hirn schmeichelt, wie Wogen des Lichts, die unsere Finsternisse hinwegfluten.

Dohm, Schicksale einer Seele, 1899

Gedanken sind nicht Taten; Vorsätze nur Gedanken.

Shakespeare, Maß für Maß (Measure for Measure), Erstdruck 1623. 5. Aufzug, 1. Szene, Isabella

Ein abgebrochener Gedanke bringt andere zum Denken; ein Gedanke in seiner vollen Lebensgröße ausgedrückt, ermüdet uns mitten auf dem Weg.

Hippel, Über die Ehe, 1774 (mehrfach erweiterte und veränderte Auflagen bis 1793)

Das Geheimnis der Gedankenzucht ist ebenso kostbar wie schwer zu erlernen.

Kayssler, Besinnungen, 1921

Gedanken sind wie wilde Pferde, ebenso schön und stark wie verderblich, wenn man sie nicht zu halten, zu lenken und ihre Gangart zu bestimmen weiß.

Kayssler, Besinnungen, 1921

Ein richtiges Bild von unseren Gedanken erhält man, indem man aus jedem "ich", welches in ihnen vorkommt, ein "ich selbst" macht.

Cossmann, Aphorismen, 2. Auflage 1902 (EA: 1898). Moral

Nicht alle Gedanken können zu Taten werden, auch der Baum trägt mehr Blüten als Früchte.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Gute Gedanken sind Wohltaten aus der Ferne.

Seemann, Funken, 1940

Ein fruchtbarer Gedanke ist wie Morgensonne auf der Höhe. Aus Nebeln tauchen langsam empor ein Berg, ein Gipfel, eine Matte, ein Tal, in der Ferne die Stadt, die Züge, das Werk der Menschen.

Schleich, Aus dem Nachlass, 1927 (EA: 1923)

Es gibt Gedanken, deren man Herr werden muss, sonst wird man ihr Sklave.

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Unsere Gedanken werden nicht fertig geboren, sie reifen, wie alles auf Erden, und die besten am langsamsten.

Keiter, Aphorismen von M. Herbert (i. e. Therese Keiter), 2. Auflage 1904 (EA: 1895)