Gedanken Sprüche – tiefgründig

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Der Gedanke ist die unsichtbare Natur, die Natur der sichtbare Gedanke.

Heine, Gedanken und Einfälle, in: Letzte Gedichte und Gedanken von Heinrich Heine, hg. von Adolf Strodtmann 1869. II. Religion und Philosophie

Da ist keine Gedanke, so bizarr, so weit oder eng er auch sein mag, der sich nicht eines Menschen bemächtigt hätte und in ihm fruchtbar geworden wäre.

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"Nur beim Sitzen kann man denken und schreiben" (On ne peut penser et écrire qu'assis) sagt Flaubert, wohingegen Nietzsche meint, daß "nur ergangene Gedanken wert haben". Ich schlage einfach einen – entschuldigen Sie das harte Wort – gemäßigten Stuhlgang vor, d.h. man binde oder klebe sich hinten einen Stuhl an und gehe mit Nietzscheschen Gedanken auf und ab; kommen einem Flaubertsche Gedanken, dann kann man sich sofort auf denselben Fleck, wo man eben stand, setzen.

Sacks, Kabarett des Lebens, o.J. [1925]

Wenn ein Gedanke sich uns wie eine tiefe Entdeckung darbietet und wir uns dann die Mühe nehmen, ihn zu entwickeln, merken wir oft, daß es nur ein Gemeinplatz war.

Vauvenargues, Reflexionen und Maximen (Introduction à la Connaissance de l’Esprit Humain, suivie de Réflexions et maximes), 1746, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Gedanken sollen Fernrohre sein, werden aber zumeist als Scheuklappen benutzt.

Leixner, Aus meinem Zettelkasten. Sprüche aus dem Leben für das Leben, 1896

Das Höchste und Edelste im Menschen verbirgt sich und ist ohne Nutzen für die tätige Welt (wie die höchsten Berge keine Gewächse tragen), und aus der Kette schöner Gedanken können sich nur einige Glieder als Taten ablösen.

Jean Paul, Hesperus oder 45 Hundsposttage. Eine Lebensbeschreibung, 3 Bde., 1795. Erstes Heftlein. 14. Hundposttag

Menschen, die Gedanken haben, Können schweigen – schweigen – schweigen – Und sich stumm und tief vergraben In den Schatz, der ihnen eigen.

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Kluge Gedanken gibt's, die im Herzen, und dumme, die dem Kopf entspringen.

Weiß, So seid Ihr! Zweite Folge, 1909

Gedanken sind zollfrei. Aber man hat doch Scherereien.

Kraus, Sprüche und Widersprüche, 4. Auflage 1924 (EA: 1909). IX. Sprüche und Widersprüche

Wer in Kamtschatka Gefrorenes feilhält, darf sich nicht wundern, daß sein Geschäft nicht geht. Der Satz läßt sich auch bildlich auf das Geistige anwenden. Die Leute kaufen nur Gedanken, die sie gebrauchen können.

Leixner, Aus meinem Zettelkasten. Sprüche aus dem Leben für das Leben, 1896

Wenn ich ehedem in meinem Kopfe nach Gedanken oder Einfällen fischte, so fing ich immer etwas; jetzt kommen die Fische nicht mehr so. Sie fangen an sich auf dem Grunde zu versteinern, und ich muß sie heraushauen. Zuweilen bekomme ich sie auch nur stückweise heraus, wie die Versteinerungen vom Monte Bolca, und flicke daraus etwas zusammen.

Lichtenberg, Sudelbuch K, 1793-1796. [K 33]

Der, welcher Gedanken ausspricht, die der Gegenstand seines langen und wiederholten Nachdenkens gewesen sind, bleibt, ohne es zu wollen, dunkel auch für den Gebildeten.

Manzoni, Die Verlobten (I promessi sposi), frühere Fassungen 1821 und 1823; Erstdruck 1825. Vom Autor später unterdrückte Stelle

Gedanken sind Äpfel am Baume, Für keinen Bestimmten bestimmt, Und doch gehören sie schließlich Dem einen, der sie nimmt.

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Titus: [...] Gedanken sind zollfrei. Salome: Ah, nein; es gibt Gedanken, für die man den Zoll mit der Herzensruh' bezahlt.

Nestroy, Der Talisman, 1843. 1. Akt, 14. Szene

Sobald man einen neuen Gedanken findet, reclamiren ihn gleich Dutzende, die ihn verloren haben wollen.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Gedanken sind spielerische Kräfte; sie entschleiern und verhüllen nichts. Ihr Wert ruht einzig in der Bereicherung und Vertiefung des menschlichen Geistes.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Je mehr ein Gedanke sich ausbreiten soll, umso flacher muß er werden.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Die Sprache ist untauglich, den ganzen Gedanken wiederzugeben.

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In schlichter Form ein kerniger Gedanke – er wurzelt, blüht und setzt in Frucht und Ranke sich segnend fort.

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Große Gedanken sind wie Gebirgsschluchten wild und gefährlich.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Der Gedankenlose denkt, man habe nur dann einen Gedanken, wenn man ihn hat und in Worte kleidet. Er versteht nicht, daß in Wahrheit nur der ihn hat, der das Wort hat, in das der Gedanke hineinwächst.

Kraus, Pro domo et mundo, 1912. IV. Vom Künstler