Gott Sprüche – klassisch

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Ein unpersönlicher Gott ist gar kein Gott, sondern bloß ein missbrauchtes Wort [...].

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Erster Band. Fragmente zur Geschichte der Philosophie

[…] Wahrhaftig, gäbe es einen Gott, man müßte ihn an seinem Schlafrock auf das Schafott zerren für seine endlose Grausamkeit.

Heym, in: Georg Heym Lesebuch. Gedichte, Prosa, Träume, Tagebücher, hg. von Heinz Rölleke, Verlag C. H. Beck 1984. 17.8.1910

Der alte Gott der Schlachten ist nicht mehr.

George, Der Krieg, 1917

Gott ist der ewige Geisterfrühling.

Hille, Gestalten und Aphorismen, in: Gesammelte Werke von Peter Hille, Band 2, hg. von seinen Freunden 1904 (posthum)

Über ein Porträt Gottes Heut sah ich le bon Dieu. Es war ein alter Mann, Man sah ihm ungefähr siebenzig Jahre an. Trug einen langen Bart und langes Ringelhaar, Mir schiens, dass er von Zeus ein Ururenkel war. Der Maler hatte nicht mit seiner Kunst gespart. Es war das Kolorit sehr klar, sehr fein, sehr zart, Die Wangen rosig, voll und kirschenrot der Mund, Lebhaft das blaue Aug, dem gut die Braue stund: Schön bogenhoch gewölbt und, sonderbar, nicht weiß, Als thronte Jugend dort. Jedoch: es war ein Greis. Und dies gefiel mir nicht. Ich dacht an Jupitern In Rom, der hatte nichts von einem alten Herrn. Zwar schien auch er bejahrt, doch konnte man wohl sehn: Das war der starke Freund von Ledan, Omphalen: Die Wolke und der Schwan, und auch Europens Stier, Ein Gott für Männer stand: ein Gott-Mann stand vor mir. Nun hat man ihn entthront, und nichts als Haar und Bart Hat man von ihm dem Gott von heute aufgespart, Und diese greisenweiß, dass schon das Bild bedeute: Dies ist der liebe Gott für pastorale Leute. Ich bin gewiss, er spricht durchaus wie ein Pastor, Und seine Welt kommt ihm wie jenem übel vor. Er kritisiert sich selbst, und er bereut wohl gar, Dass er einmal so stark die Welt zu schaffen war. Schüf er sie heute, oh, sie wäre ein Kristall, Glatt, mathematisch, kalt; zu keinem Sündenfall Gäb es Gelegenheit auf dieser Form aus Geiste, Die aus Berechnung müd ein Greis zusammeneiste. Gott Lob und Dank, die Welt stammt nicht von diesem her, Und stammt auch nicht von Zeus. Der große Gott ist mehr Als Greis, ist mehr als Mann. Ich sah auf Götzenbildern, Die Indien uns gesandt, die zeugende Natur, Das Eins von Mann und Weib, verworrne Urkraft schildern Und ahnte, dies ist mehr, als wilde Fratze nur. Das Volk im Osten ist der großen Wahrheit näher Als wir entgötterten und müden Europäer, Die das Urheilige beschmutzen: das Geschlecht. Europa hat am Stier sich tantenhaft gerächt.

Bierbaum, O. J., Gedichte. Gesammelte Werke in zehn Bänden, hg. von Michael Georg Conrad und Hans Brandenburg, München (Georg Müller) 1921 (posthum)

Götter sind uns nützlich, und da es nützt, wollen wir glauben, dass es sie gibt.

Ovid, Ars amatoria, auch Ars amandi (Die Liebeskunst), entstanden zwischen 1 v. Chr. und 4 n. Chr. 1, 637. Originaltext: Expedit esse deos, et, ut expedit, esse putemus

Stellt euch keine Götzen auf! Ihr überseht sonst die – Götter!

Peters, Aphorismen, 1931

Wie dumm müsste Gott sein, wenn das Wort „Vox populi, vox dei“ recht hätte.

Prorók, Ketzereien, 1906