Krieg Sprüche – zukunft

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Mein letzter Wunsch ist, den Krieg, dieses Brandmal am Körper der Menschheit, von der Erde verschwinden zu sehen.

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Am zweiten August 1914 Es stehen zwei Wetterwände Über dem Tal, Es fallen die Feuerbrände Strahl um Strahl. Sie fallen in reifender Ähren Wogendes Gold Sie sengen und verzehren Im Höllensold. Auf stehen die Völkerheere – Fiel nicht ein Schuß? 's treibt einer auf dunkler Fähre Über den roten Fluß.

Bosshart, J., Gedichte

Friede Über die Heide geht der Wind; Es flüstert im Gras, es rauscht in den Bäumen. Die dort unten erschlagen sind, Die vielen Toten, sie schweigen und träumen. Hören sie nicht den Glockenklang? Dringt nicht zu ihnen aus heiligen Räumen Halleluja und Friedenssang? Die vielen Toten, sie schweigen und träumen. Voll des Dankes ist alle Welt, Sie darf mit dem Lobe des Herrn nicht säumen; Wer im Kampfe fiel, heißt ein Held. Die vielen Toten, sie schweigen und träumen. Wenn die Herrscher versammelt sind, Bei festlichem Mahl laßt die Becher schäumen! Über die Heide geht der Wind; Die vielen Toten, sie schweigen und träumen.

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Es ist ein schöner, glücklicher Traum, der vom ewigen Frieden, aber vielleicht wird immer Krieg in der Welt sein müssen, damit wir begreifen lernen, welchen Wert und Inhalt das Leben haben soll.

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Gesicht im Walde Ich hatte mich verirrt im tiefsten Wald, Schwarz war die Nacht, unheimlich troff der Regen, Der Sturm ging in den Wipfeln wild und kalt. Da sah ich plötzlich unfern meinen Wegen Durchs feuchte Laub blutrote Funken sprühn, Und Hammerschläge dröhnten mir entgegen. Durch Dornen und durch Buschwerk drang ich kühn, Und bald gewahrt' ich, rings vom Wald umfangen, In hoher Hall' ein Schmiedesfeuer glühn. Drei Riesen waren's, die die Hämmer schwangen, Berußt, die Augen nur aufs Werk gekehrt, Dazu sie schauerliche Weisen sangen. Sie schmiedeten an einem großen Schwert, Zweischneidig war's, der Griff als Kreuz gestaltet, Die Kling' ein Strahl, der züngelnd niederfährt. Und einer sang in Tönen, fast veraltet, Doch also tief, wie wenn emporgeschwellt Der mächt'ge Hauch in dumpfer Orgel waltet: "Es rührt im Birnbaum auf dem Walserfeld Sich schon der Saft, und seinem Volk zum Heile Erscheinen wird der langersehnte Held. Drum rüstig mit dem Hammer, mit der Feile! Das Schwert, das Königsschwert muß fertig sein, Und unser Werk hat Eile, Eile, Eile!" Er schwieg, und singend fiel der zweite ein Mit einer Stimm', als wollt' er aus den Grüften Mit Erzposaunenschall die Toten schrein: "Es hat zu Nacht gedonnert in den Klüften Des alten Bergs, den man Kyffhäuser heißt, Und einen Adler sah ich in den Lüften. Wie Sturmesrauschen klingt es, wenn er kreist, In seinen Fängen trägt er Blitzeskeile, Die Rabenbrut entflieht, wo er sich weist. Drum rüstig mit dem Hammer, mit der Feile! Zur rechten Stunde sei das Werk getan; Das Kreuzesschwert hat Eile, Eile, Eile!" Und tief einfallend hub der dritte an, Das scholl, wie unterird'sche Donner grollen, Wenn sich die Lava rühret im Vulkan: "Die Zeit ist schwanger, aus den dürren Schollen Wird eisern aufgehn eine Kriegersaat, Sein rotes Banner wird der Kampf entrollen. Drum schreiten hohe Geister früh und spat Durchs deutsche Land und pochen an die Türen Und mahnen laut: der Tag des Schicksals naht! Viel eitles Blendwerk wird der Feind erküren, Mit Lächeln locken, dräun mit Blitzgeschoß, O lasse keiner dann sein Herz verführen! Denn Füße nur von Ton hat der Koloß, Und stürzen wird er über kurze Weile, Im Fall begrabend seiner Knechte Troß. Drum rüstig mit dem Hammer, mit der Feile! Ihr Bälge blast, ihr Funken sprüht empor! Das Schwert des Siegs hat Eile, Eile, Eile!" So sangen sie. Dann schwieg der dumpfe Chor, In kaltem Schauer bebten meine Glieder, Doch wagt' ich nicht mich in der Halle Tor. Zurück ins schwarze Dickicht floh ich wieder, Und sah verlöschen bald der Flamme Licht, Nur bang im Haupt noch summten mir die Lieder. Kaum weiß ich jetzt, war's Traumbild, war's Gesicht? Doch mahnt es, daß auch wir das Schwert bereiten, Das Schwert des Geistes, welches nie zerbricht. Wachet und betet! Schwer sind diese Zeiten.

Geibel, E., Gedichte. Hundertste Auflage, Jubel-Ausgabe, Stuttgart 1884

Und ziehst du aus… Und ziehst du aus zu Kampf und Tat, Das Auge froh, das Schwert gewetzt, Es liegt der Toten stumme Saat, Wo auch dein Pferd die Hufe setzt. Und wirbst du keck um Ehr' und Gut, Und liegt der Morgen frühlingsklar, Sieh, unter jeder Scholle ruht Schon einer, der hier glücklich war. Ob im Turnier ein Schwert sie traf, Ob sie die Schlange leis beschlich, Sie lächeln alle tief im Schlaf Und warten, warten nur auf dich…

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Friede regier’ in der Stadt und Reichtum, dass ich mit andern Jubele, nimmer verlangt mich nach den Plagen des Kriegs.

Theognis, Elegien. Deutsch im Versmaße der Urschriften, übersetzt von Wilhelm Binder 1859. V. 883f.

Menschlichkeit Der grausamste Krieg – der menschlichste Krieg! Zum Frieden führt er durch raschesten Sieg. Kaum hört's der Gegner, denkt er: Hallo! Natürlich wüt' ich dann ebenso! Nun treiben die beiden Wüteriche Die Grausamkeit ins Ungeheuerliche Und suchen durch das grausamste Wüten Sich gegenseitig zu überbieten – Jeder gegen den andern bewehrt Durch zehn Millionen Leute, Und wenn sie noch nicht aufgehört, Dann wüten sie noch heute.

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Wehe dem Fürsten, wehe dem Volke also, das einen unrechtmäßigen Krieg aus bloßem Ehrgeiz anfängt.

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Es geht der Krieger, der gerechte, Mit frohem Mute zum Gefechte. Indessen ist es ihm doch lieber, Wenn alles erst mal gut vorüber.

Busch, W., Briefe. Sämtliche Briefe. Band II: Briefe 1893 bis 1908, Hannover 1969

Der dreißigjährige Krieg war ein Gewitter bei Nacht, auf das kein Regenbogen folgte.

Menzel, Streckverse, 1823

Gott, der Allmächt'ge, blies, Und die Armada flog nach allen Winden.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Die unüberwindliche Flotte (Nach einem ältern Dichter), Erstdruck 1786

Wenn der Krieg anfängt, so muß der Teuffel die Höll umb hundert tausend Klaffter weiter machen.

Lehmann (Hg.), Florilegum Politicum. Politischer Blumengarten, 1630. Originaltext

Es wird die Zeit kommen, wo die Völker den Unsinn des Krieges einsehen werden.

Tolstoi, Für alle Tage. Ein Lebensbuch. Erste vollständig autorisierte Übersetzung, hg. von Dr. E. H. Schmitt und Dr. A. Skarva, 2 Bde., Dresden 1906/07

Krieg dem Kriege Sie lagen vier Jahre im Schützengraben. Zeit, große Zeit! Sie froren und waren verlaust und haben daheim eine Frau und zwei kleine Knaben, weit, weit –! Und keiner, der ihnen die Wahrheit sagt. Und keiner, der aufzubegehren wagt. Monat um Monat, Jahr um Jahr ... Und wenn mal einer auf Urlaub war, sah er zu Haus die dicken Bäuche. Und es fraßen dort um sich wie eine Seuche der Tanz, die Gier, das Schiebergeschäft. Und die Horde alldeutscher Skribenten kläfft: »Krieg! Krieg! Großer Sieg! Sieg in Albanien und Sieg in Flandern!« Und es starben die andern, die andern, die andern ... Sie sahen die Kameraden fallen. Das war das Schicksal bei fast allen: Verwundung, Qual wie ein Tier, und Tod. Ein kleiner Fleck, schmutzigrot – und man trug sie fort und scharrte sie ein. Wer wird wohl der nächste sein? Und ein Schrei von Millionen stieg auf zu den Sternen. Werden die Menschen es niemals lernen? Gibt es ein Ding, um das es sich lohnt? Wer ist das, der da oben thront, von oben bis unten bespickt mit Orden, und nur immer befiehlt: Morden! Morden! – Blut und zermalmte Knochen und Dreck ... Und dann hieß es plötzlich, das Schiff sei leck. Der Kapitän hat den Abschied genommen und ist etwas plötzlich von dannen geschwommen. Ratlos stehen die Feldgrauen da. Für wen das alles? Pro patria? Brüder! Brüder! Schließt die Reihn! Brüder! das darf nicht wieder sein! Geben sie uns den Vernichtungsfrieden, ist das gleiche Los beschieden unsern Söhnen und euern Enkeln. Sollen die wieder blutrot besprenkeln die Ackergräben, das grüne Gras? Brüder! Pfeift den Burschen was! Es darf und soll so nicht weitergehn. Wir haben alle, alle gesehn, wohin ein solcher Wahnsinn führt – Das Feuer brannte, das sie geschürt. Löscht es aus! Die Imperialisten, die da drüben bei jenen nisten, schenken uns wieder Nationalisten. Und nach abermals zwanzig Jahren kommen neue Kanonen gefahren. – Das wäre kein Friede. Das wäre Wahn. Der alte Tanz auf dem alten Vulkan. Du sollst nicht töten! hat einer gesagt. Und die Menschheit hörts, und die Menschheit klagt. Will das niemals anders werden? Krieg dem Kriege! Und Friede auf Erden.

Tucholsky, Werke 1907-1935. In: Ulk, 13.06.1919, Nr. 24 (Theobald Tiger)

«Ich weiß nicht [, welche Waffen in einem dritten Weltkrieg zur Anwendung kommen]. Aber ich kann Ihnen sagen, was sie im vierten benutzen werden: Steine.

Einstein, Aus dem Interview »Einstein at Seventy» von Alfred Werner in Liberal Judaism 16 (April-Mai 1949). Wiedergabe mit freundlicher Erlaubnis des Albert-Einstein-Archivs der Hebräischen Universität Jerusalem

Wo seid ihr nun, Städte, mühsam aufgeschichtet, Häuser, über gähnenden Gassen aufgetürmt, getürmte Kirchen, aufstarrend ins Blau, Paläste, Kuppeln, qualvoll emporgerissen? Und ihr, junge Menschen, gebäumte, aufstürmende Kinder, die leeren Hände steil emporgeworfen, emporgeworfen die heißen, vorzeitigen Gesichter, die schreienden Münder aufgewölbt, wo bist du, beraubte, entwurzelte Jugend mit der großen, rührenden Gebärde ins Leere hinein?

Waser, Wir Narren von gestern, 1922

Im Schlaf um Mitternacht Von manchem Gesicht in Seelennot, Von dem ersten Blick aus den Augen tödlich Getroffener, Diesem ersten unbeschreiblichen Blick! – Von den Toten, die mit ausgebreiteten Armen auf dem Rücken liegen, Träume ich, träume ich Im Schlaf um Mitternacht. Von Wäldern, Feldern und Bergen, Von sturmzerrissenen Wolken, Vom Mond, der märchenhell schimmerte, Wo wir die Schanzen und die Schanzkörbe aufwarfen In schweigender Arbeit, Träume ich, träume, träume ... Lange sind sie dahin, Gesichter und Schanzen und Felder, Wo ich im Schlachtgetümmel Mit gelassener Ruhe zu den Verwundeten trat, Und weg von den Toten. Vorwärts eilte ich damals – doch jetzt erscheinen sie wieder zur Nachtzeit, Wenn ich träume, träume, träume ...

Whitman, Grashalme (Leaves of Grass), 1855, endgültige Ausgabe letzter Hand 1891/92, übersetzt von Wilhelm Schölermann 1904

Was schmiedst du, Schmied? »Wir schmieden Ketten, Ketten!« Ach, in die Ketten seid ihr selbst geschlagen. Was pflügst du, Bau'r? »Das Feld soll Früchte tragen!« Ja für den Feind die Saat, für dich die Kletten. Was zielst du, Schütze? »Tod dem Hirsch, dem fetten.« Gleich Hirsch und Reh wird man euch selber jagen. Was strickst du, Fischer? »Netz dem Fisch, dem zagen.« Aus eurem Todesnetz wer kann euch retten? Was wiegest du, schlaflose Mutter? »Knaben.« Ja, daß sie wachsen und dem Vaterlande, Im Dienst des Feindes, Wunden schlagen sollen. Was schreibest Dichter du? »In Glutbuchstaben Einschreib' ich mein und meines Volkes Schande, Das seine Freiheit nicht darf denken wollen.«

Rückert, Gedichte. Lyrische Gedichte. Erstes Buch. Vaterland. Erstes Kapitel. Geharnischte Sonette

Wildgänse rauschen durch die Nacht Mit schrillem Schrei nach Norden – Unstäte Fahrt! Habt acht, habt acht! Die Welt ist voller Morden. Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt, Graureisige Geschwader! Fahlhelle zuckt, und Schlachtruf gellt, Weit wallt und wogt der Hader. Rausch' zu, fahr' zu, du graues Heer! Rauscht zu, fahrt zu nach Norden! Fahrt ihr nach Süden übers Meer – Was ist aus uns geworden! Wir sind wie ihr ein graues Heer Und fahr'n in Kaisers Namen, Und fahr'n wir ohne Wiederkehr, Rauscht uns im Herbst ein Amen!

Flex, Der Wanderer zwischen beiden Welten. Autobiographie. Ein Kriegserlebnis, 1916

Es wird die Zeit kommen, wo man pathoslos und sachlich einsehen wird, dass es klüger und ökonomischer ist, keine Kriege zu führen.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Das Felderlebnis, in: Die Weltbühne, 17.08.1922, Nr. 33 (Iganz Wrobel).