Leben Sprüche

Sprüche über das Leben und seine Bedeutung

2992 Sprüche in dieser Kategorie

Tue nicht, als wenn du Tausende von Jahren zu leben hättest. Der Tod schwebt über deinem Haupte.

Marc Aurel, Selbstbetrachtungen (Τὰ εἰς ἑαυτόν), entstanden vermutlich 170-180 n. Chr. 4,17. Übersetzt von Albert Wittstock, 1879

Nach jeder großen abgenommenen Sorge will ja das erschöpfte Herz sich wieder füllen und stärken und wie in eine große Lücke und Leere stürzt das Leben dann nur mit so ungefesselterer Gewalt.

Gutzkow, Die Ritter vom Geiste. Roman in neun Büchern, 1851

Ich leide nicht, meine Freunde, aber ich fühle eine gewisse Schwierigkeit, zu existieren.

Internet

Man überschätzt das Leben, und das macht dessen Verlust so schmerzlich.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Es gibt kühne Sportsleute, denen das Leben andrer ebenso wertlos erscheint, als das ihrige tatsächlich ist.

Weiß, So seid Ihr! Erste Folge, 1906

Dem Erlebenden dehnt sich das Leben.

Hofmannsthal, H., Gedichte. Aus: Unendliche Zeit

Das Dasein ist ein unbebautes Land, Vom Lufthauch überweht, vom Sonnenstrahl umlodert; Und diese tote Wildnis fordert Das Leben erst von unsrer Hand.

Tiedge, C. A., Gedichte. Aus: Urania. Gesang 6. Freiheit. Wiedersehn, 1800

Jeder Schatten ist im letzten doch auch Kind des Lichts, und nur wer Helles und Dunkles, Krieg und Frieden, Aufstieg und Niedergang erfahren, nur der hat wahrhaft gelebt.

Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers, entstanden im Exil 1939-41, Stockholm 1942 (posthum)

Ist dein Leben deiner Lust Oder deines Leidens Bild? Lebst du weiter, weil du will(s)t Oder weil du mußt?

de Nora, Gedichte. Hochsommer. Neue Gedichte, 1912

Die Abkunft. Rühme dich nicht des Stammes, von dessen Natur Du nicht mehr bist; was von dem glänzenden Feuer stammet, wird Asche genannt.

Herder, Blumen aus morgenländischen Dichtern gesammlet (in: Zerstreute Blätter, 4. Sammlung), 1792. Erstes Buch

Wenn alles vor mir und hinter mir versinkt – die Vergangenheit im traurigen Einerlei wie ein Reich der Versteinerung hinter mir liegt – wenn die Zukunft mir nichts bietet – wenn ich meines Daseins ganzen Kreis im schmalen Raume der Gegenwart beschlossen sehe – wer verargt es mir, daß ich dies magre Geschenk der Zeit – den Augenblick – feurig und unersättlich wie einen Freund, den ich zum letzten Male sehe, in meine Arme schließe?

Schiller, Der Geisterseher. Aus den Papieren des Grafen von O**, 1787-1789. Zweites Buch. Baron von F*** and den Grafen von O**. Vierter Brief, 12. Junius

Sinnender Spatenstich Unter der Erde murkst etwas, Unter der Erde auf Erden. Pitschert, drängelt. – Was will das Ding oder was wird aus dem Ding, Das doch in sich anfing, einmal werden?? Knolle, Puppe, Keim jeder Art Hält die Erde bewahrt, Um sie vorzubereiten Für neue Zeiten. Die Erde, die so viel Gestorbenes deckt, Gibt dem Abfall, auch Sonderlingen, Asyl und Ruhe und Schlaf. Und erweckt Sie streng pünktlich zu Zwiebeln, zu Schmetterlingen. Zu Quellen, zu Kohlen – – – Unter der Erde murkst ein Ding, Irgendwas oder ein Engerling. Zappelt es? Tickt es? Erbebt es? – Aber eines Tages lebt es. Als turmaufkletternde Ranke, Als Autoöl, als Gedanke – – – Fäule, Feuchtigkeit oder feiner Humor Bringen immer wieder Leben hervor.

Ringelnatz, J., Gedichte. 103 Gedichte, 1933

Das ganze Leben ist ein Verschlingen und Umschmelzen der Dinge in unser eignes Metall.

Ludwig (Hg.), Gedanken Otto Ludwigs. Aus seinem Nachlaß ausgewählt und hg. von Cordelia Ludwig, Leipzig 1903

Und senkt einst die Göttin die Waage, zerreißt sie, was mild sie gewebt, – ich schließe die Augen und sage: Ich habe geliebt und gelebt!

Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Aus: Ich lieb ein pulsierendes Leben

Das Leben baut nichts auf, wozu es nicht die Steine anderswo ausbricht.

Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, 3 Bde., 1930-43

Zwei kleine Worte Es gibt viel Jammer in der Welt, viel tausend gebrochene Herzen; an allen Ecken und Enden hallt der Aufschrei grosser Schmerzen. Ein Elend aber kenne ich – es kann kein größ'res geben; zwei kleine Worte schließen's ein – es heißt: Verfehltes Leben.

Internet

Aber mein Leben, jeder Augenblick dieses Lebens, was auch immer in Zukunft mit mir geschehen wird, wird nicht mehr sinnlos und vergeblich sein wie bisher; es hat einen unbezweifelbaren Sinn bekommen: er liegt in dem Guten, das ich in jeden Augenblick meines Lebens hineinzulegen vermag.

Tolstoi, Anna Karenina (Анна Каренина), 1873-78

Unglaublich, wie erträgt ein Herz, Was schon zu denken unerträglich! Hinhalten Hoffnungen den Schmerz, Ihn brechend, den sie steigern täglich. Man hofft und hofft, bis hoffnungslos Geworden das geliebte Leben, Dann gibt man auf die Hoffnung blos, Das Leben war schon aufgegeben.

Rückert, Gedichte. Kindertotenlieder, entstanden 1833-1834

Leben heißt lachen mit blutenden Wunden.

Internet

In ewig gleichem Maße fliegen Des Lebens Schalen auf und ab – Die Mutter an der Kinder Wiegen, Die Kinder an der Mutter Grab.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Ich will den Sturm! Ich will den Sturm, der mit den Riesenfäusten Vom Boden der Alltäglichkeit mich reißt Und mich hinauf in jene Höhen schleudert, Wo erst das Leben wahrhaft Leben heißt! Ich will den Sturm, der mit gewaltgem Athem Zur lichten Gluth die stillen Funken schürt Und, alle Kräfte dieser Brust entfesselnd, Zum Siege oder zur Vernichtung führt! Laß mich nicht sterben, Gott, eh meine Seele Ein einzig Mal in Siegeslust gebebt – Ich kann nicht ruhig in der Erde schlafen, Eh ich nicht einmal, einmal ganzgelebt!

Ritter, Befreiung. Neue Gedichte von Anna Ritter, 2. Auflage 1900