Leben Sprüche

Sprüche über das Leben und seine Bedeutung

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Spiel des Lebens Zwischen Hassen, zwischen Lieben Seltsam hin und her getrieben, – Heute voll von Zärtlichkeiten, Morgen schwertbereit zum Streiten, – Diesen Händedruck empfangen, Jenem aus dem Weg gegangen, – Jetzt Hans Dampf in allen Gassen, Später gott- und weltverlassen, – In der Frühe flammentrunken, Abends kraftlos hingesunken, – Und so zwischen Himmel, Hölle, Auf und ab an Rad und Welle, Ist mein Leben angeschirrt, – Wehe, wie es enden wird!

Jacobowski, Leuchtende Tage. Neue Gedichte 1896-1898, Minden 1900

Zu leben, wenn Einer wünscht, dass man tot wäre – schrecklich!

Dohm, Werde, die Du bist, 1894

Um Menschen in Stimmung zu bringen, muss man es verstehen, die rechten Saiten aufzuziehen.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Man muss das Leben nicht banalisieren, indem man das Wesen und das Schicksal auseinanderzerrt und sein Unglück abseits stellt von seinem Glück. Man darf nicht alles sondern. Es ist alles überall.

Hofmannsthal, Reden und Aufsätze, 1891-1913. Sebastian Melmoth, 1905. (Über Oscar Wilde, Anm. d. Redaktion)

Der Mensch, welcher nicht zur Masse gehören will, braucht nur aufzuhören, gegen sich bequem zu sein; er folge seinem Gewissen, welches ihm zuruft: »Sei du selbst! Das bist du alles nicht, was du jetzt tust, meinst, begehrst.«

Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen, 1873-76. Schopenhauer als Erzieher, 1874

Selbstquälerei Ich hasse mich! es ist ein ekles Ding Des Menschen Herz, so kindischschwach, so stolz, So freundlich, wie Tobias Hündlein ist, Und doch so hämisch wieder! weg! ich hasse mich! So schwärmerisch, wenn es des Dichters Flamme wärmt, Und ha! wenn sich ein freundeloser Junge An unsre Seite schmiegt, so stolz, so kalt! So fromm, wenn uns des Lebens Sturm Den Nacken beugt, ...

Hölderlin, F., Gedichte. Fragment. Entstand wahrscheinlich 1789, Erstdruck 1894

Umsonst O Fluch der menschlichen Natur! Das Unerreichte lockt und winkt, Und das Errungene versinkt Im Meer des Alltags ohne Spur. Bald hemmt den kurzen Siegeslauf Ein Berg, der unersteigbar deucht, Und hast du schwer das Ziel erkeucht, So ragt ein höh’rer vor dir auf. Nur kurze Rast ist dir erlaubt; Du achtest nicht Gefahr und Weh, Bis kühl bedeckt ein ew’ger Schnee Den Gipfel und dein eignes Haupt. Dich quält der Frost; die Nacht beginnt; Verschwendet hast du all dein Leid, Da nun die Blumen abgrundweit, Die Sterne dir nicht näher sind.

Fulda, L., Gedichte

Wie nutzlos, durch dieses Leben zu wandern, Wär's nicht die Brücke zu einem andern!

Bodenstedt, Aus Morgenland und Abendland, 1882

Mission der Kunst Heißtdasdem Leben seine Schuld bezahlen, Weil wir ein höchstes Ziel doch nie erreichen, Die Müh' zu scheuen, zu ihm aufzusteigen Auf steilem Pfad umringt von Warnungsmalen? Die Sonne winkt mit ihren goldnen Strahlen Zur Höhe wo die Alltagsnebel weichen – Dort wird die Welt im andern Licht sich zeigen Heißt Deine Losung:treu dem Idealen.Ist sie Dir fest und treu ins Herz geschrieben, So laß nicht ab vom mut'gen Aufwärtsstreben, Bist Du auch noch so fern vom Ziel geblieben! Die Selbstvollendung schuldest Du dem Leben! Versuche denn, von Menschenlieb getrieben,Das Ideal der Menschheit zu verweben!

Otto-Peters, Mein Lebensgang. Gedichte aus 5 Jahrzehnten, 1893

Das Leben ist unvertilgbar, es besteht außerhalb Zeit und Raum, darum kann der Tod nur seine Form, die sich in dieser Welt offenbart, ändern.

Tolstoi, Für alle Tage. Ein Lebensbuch. Erste vollständig autorisierte Übersetzung, hg. von Dr. E. H. Schmitt und Dr. A. Skarva, 2 Bde., Dresden 1906/07

Wie doch der Mensch am Leben hängt; mit welch zweideutiger Angst, es zu verlieren, es zu behalten!

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Erster Teil. Diapsalmata. Übersetzt von Christoph Schrempf und Wolfgang Pfleiderer, 1922

Guten Stunde Hier lieg ich, mich dünkt es der Gipfel der Welt, Hier hab ich kein Haus, und hier hab ich kein Zelt! Die Wege der Menschen sind um mich her, Hinauf zu den Bergen und nieder zum Meer: Sie tragen die Ware, die ihnen gefällt, Unwissend, daß jede mein Leben enthält. Sie bringen in Schwingen aus Binsen und Gras Die Früchte, von denen ich lange nicht aß: Die Feige erkenn ich, nun spür ich den Ort, Doch lebte der lange vergessene fort! Und war mir das Leben, das schöne, entwandt, Es hielt sich im Meer, und es hielt sich im Land!

Hofmannsthal, H., Gedichte. Entstanden 1896

[Es] wird den Menschen Bahn gemacht zu leben; Die Hülfe giebt das Leben nie, nur Mittel Dazu, denn leben muß ein Jeder selbst.

Schefer, Hausreden, 1855. Aus: Denen Deine Liebe – Allen hülfe. Originaltext

Kein Leben ist so hart, dass man es nicht leichter machen könnte durch die Art, wie man es nimmt.

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Für ewig aus dunkler Tiefe Sprudelt der Lebensquell.

Busch, W., Gedichte. Schein und Sein, 1909. Aus: Immerhin

Die Bewegung des Lebens geschieht nicht immer durch diametrale, große Gegensätze, sondern durch eine Zersetzung hindurch. Das Leben selber bleibt stets sichtbar.

Burckhardt, Historische Fragmente aus dem Nachlass, gesammelt von Emil Dürr, 1929. Zur Beurteilung des spätem Mittelalters

Das Leben wird sein, was ich daraus mache.

Rolland, Der Triumph der Vernunft (Le triomphe de la raison). Drama in drei Akten, uraufgeführt in Paris 1899. 3. Akt, Hugot

Das Leben ist mir ein bitterer Trank geworden, und dennoch muß ich ihn einnehmen wie verordnete Tropfen, langsam, zählend.

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Erster Teil. Diapsalmata. Übersetzt von Alexander Michelsen und Otto Gleiß, 1885

Der Priem Alle Rechte vorbehalten Unter vielem Spucken zu singen Es haben die Matrosen wohl auf dem blauen Meer nicht nur die weiten Hosen – sie haben noch viel mehr. Denn gibt es nichts zu rauchen, weißt du, was sie da brauchen bei Nacht und auch bei Tag? Den Kautabak – den Kautabak – ein kleines Stückchen Kautabak von der Firma Eckenbrecht aus Kiel. Es heulen die Sirenen. Die Braut in Tränen schwimmt. Es schwimmt die Braut in Tränen, wenn der Seemann Abschied nimmt. Sie drücken sich die Hände; dann gibt sie ihm am Ende verschämt ein kleines Pack mit Kautabak – mit Kautabak – mit nem halben Pfündchen Kautabak von der Firma Eckenbrecht aus Kiel. Da hinten liegt sein Kutter, da hinten liegt sein Kahn. Sie sagt, sie fühlt sich Mutter, er sieht sie blöde an. Er läßt sich von ihr kosen, die Hände in den Hosen, dann nimmt er einen Schlag vom Kautabak – vom Kautabak – ein kleines Stückchen Kautabak von der Firma Eckenbrecht aus Kiel. Das Schiff fährt in den Hafen wohl in Batavia. Mit den Mädchen muß man schlafen, wozu sind sie sonst da! Die er geliebkost hatte, liegt nackt auf einer Matte; er holt aus seinem Pack den Kautabak – den Kautabak – ein kleines Stückchen Kautabak von der Firma Eckenbrecht aus Kiel. Das Schiff tät nicht versaufen, in Hamburg legt es an. Marie mußt sich verkaufen nachts auf der Reeperbahn. Nun spürt der arme Junge grad unter seiner Zunge den bitteren Geschmack vom Kautabak – vom Kautabak – vom kleinen Stückchen Kautabak von der Firma Eckenbrecht aus Kiel. Wie dem Seemann mit den Frauen, uns gehts genau wie ihm. Das Leben muß man kauen, das Dasein ist ein Priem. Es schmeckt dem Knecht und Ritter mal süß und auch mal bitter . . . Spuck ihn aus, wer ihn nicht mag! Den Kautabak – den Kautabak – das kleine Stückchen Kautabak von der Firma Eckenbrecht aus Kiel!

Tucholsky, Werke 1907-1935. In: Die Weltbühne, 08.09.1931, Nr. 36 (Theobald Tiger)

Das Hohe erkennt man an den Übergängen. Alles Leben ist ein Übergang.

Hofmannsthal, Andreas oder die Vereinigten, Fragment entstanden ab 1907, Erstdruck 1932 (posthum). Gespräche mit Sacramozo

Keines verbleibt in derselben Gestalt, und Veränderung liebend Schafft die Natur stets neu aus anderen andere Formen, Und in die Weite der Welt geht nichts – das glaubt mir – verloren; Wechsel und Tausch ist nur in der Form. Entstehen und Werden Heißt nur anders als sonst anfangen zu sein, und Vergehen Nichts mehr sein wie zuvor. Sei hierhin jenes versetzet, Dieses vielleicht dorthin: im Ganzen ist alles beständig.

Ovid, Metamorphosen, entstanden um 1 oder 3 bis 8 n. Chr. Fünfzehntes Buch, Pythagoras. Aus dem Lateinischen von Johann Heinrich Voß. Originaltext der Übersetzung