Leben Sprüche

Sprüche über das Leben und seine Bedeutung

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Lebensstimmung O wer so recht die süße Kunst begriffe, Allein der schönen Gegenwart zu leben, Bei sanftem Windeshauch auf hohem Schiffe Ein südlich Meer mit Wonne zu durchschweben, Im Traubengarten überm Felsenriffe Beglückter Tage hold Gespinst zu weben, Als hätte nie das Herz in andern Stunden Des Lebens Schmerz und Bitterkeit empfunden! Wer das vermöchte! Wer bei jedem Gruße, Bei jedem Blick der Liebe könnte säumen! Wer es verstünde, stets in sel'ger Muße Sein Lied zu singen unter Blütenbäumen! Ihm würde gern mit leichtem Götterfuße Die Muse nahn in goldnen Dichterträumen, Und eh' er noch um solchen Preis gerungen, Wär' ihm die Stirn vom Lorbeer schon umschlungen. Ich hab' es oft versucht, und oft erglänzte Die Stunde mir, doch war's ein eitles Prangen; Denn wenn ich kaum das Haupt mit Blumen kränzte, Erwachten alte Schuld und altes Bangen; Am Becher, den der Freundschaft Hand kredenzte, Schien eine heiße Träne mir zu hangen, Und wenn ich froh die Saiten angeschlagen, Verhallten sie in sehnsuchtsvollen Klagen. Mir ist die Lust ein Schifflein, das zersplittert, Sobald's aus stiller Bucht hinausgeschwunden, Ein tönern Bild, das über Nacht verwittert, Wie schön es auch mit Rosen war umwunden, Ein Flötenhall, der in der Luft verzittert, Wenn er getönt zwei selige Sekunden, Im Lebenskelch der flücht'ge Kranz des Schaumes, Ein Duft, ein Hauch, der Schatten eines Traumes. Drum richtet nicht zu strenge die Gedichte, Wenn sie euch oftmals nahn im schwarzen Kleide; Nicht alle sind genährt vom frohen Lichte, Nein, viele tränkt' ein Herz mit seinem Leide; Und das bedenkt, dem Menschenangesichte Ist auch die Trän' ein köstliches Geschmeide, Und manchen Schatz, den ihr in Freudenstunden Vergeblich suchtet, hat der Schmerz gefunden.

Geibel, E., Gedichte. Jugendgedichte, zwischen 1834 und 1843 entstanden

Hoffnung und Furcht ist die Lebenskraft, die unser Herz in Bewegung erhält und in jedem Moment der Leidenschaft sollten wir schon auf diese Abwechslung rechnen.

Tieck, Geschichte des Herrn William Lovell. An Rosa, 1795/96 (anonym), hier in der Fassung von 1828. Mortimer an Eduard Burton

Das Leben will nicht Belehrung sein, nicht Zwecke haben, nicht Gabe werden, nicht bestimmt sein von tausend Blicken hier hin und dort hin.

Hauptmann, Einhart, der Lächler, 1907. Ausklang

Das Leben ist das einzge Gut des Schlechten.

Schiller, Maria Stuart, 1800. 4. Akt, 4. Auftritt, Mortimer

O Leben! Ich zog dir so jubelnd entgegen, In sonniger Morgenfrüh Und griff nach den Blüten, Die du mir gegeben, Am Herzen sie traulich zu heben, Und führt' sie zum Munde Und küsste sie. Wie Nesseln nur stachen sie. O Leben! Nun brennen die Lippen Mir wund und zerrissen, So kehr' ich ein müder Pilger heim. – Heim? Wohin? O, sag, Leben, Wo denn bin ich daheim? O Leben!

Skorra, Wovon mein Herz sich freigesungen, 1905

Es ist das Leben, das die unwahrscheinlichsten Zustände anstrebt.

de Saint-Exupéry, Carnets (Tagebücher). Übers. Internet

Was aber ist so beschränkt und kurz wie noch das längste Menschenleben?

Plinius der Jüngere, Briefe (Epistulae). Buch III, Brief 7: C. Plinius Caninio [Rufo] Suo S. Übers. Internet Originaltext: Quid enim tam circumcisum, tam breve quam hominis vita longisima

Wer seinen Gelüsten ergeben gleichsam in den Tag hinein lebt, beendet täglich den Sinn seines Lebens; wer aber an die Nachwelt denkt und die Erinnerung an sich durch seine Werke verlängern will, dem ist jede Todesstunde zu plötzlich, weil sie stets irgendetwas noch nicht Vollbrachtes abbricht.

Plinius der Jüngere, Briefe (Epistulae). Buch V, Brief 5: C. Plinius [Novio] Maximo Suo S. Übers. Internet

Sorgen wir solange wir leben dafür, dass der Tod möglichst wenig bei uns findet, was er zerstören kann.

Plinius der Jüngere, Briefe (Epistulae). Buch V, Brief 5: C. Plinius [Novio] Maximo Suo S. Übers. Internet Originaltext: Proinde, dum suppetit vita, enitamur, ut mors quam paucissima, quae abolere possit, inveniat

Die besten Richter sind Achtung, Befangenheit und Furcht.

Plinius der Jüngere, Briefe (Epistulae). Buch VII, Brief 17: C. Plinius Celeri Suo S. Übers. Internet Originaltext: Optime autem reverentia, pudor, metus iudicant

Man könnte das Leben ordentlich wieder liebhaben, wie sein Kind, wenn man sich's selbst gegeben.

Büchner, Dantons Tod, 1835. Dritter Akt. Laflotte

Das Leben ist ein Irrtum! Ich denke ihn weg!

Busch, Eduards Traum, 1891

Das Leben ist eine Schuld! Ich sitze sie ab!

Busch, Eduards Traum, 1891

In der Dämmerung So schling', mein Geliebter, den Arm um mich, Erzähle, erzähl' mir vom Leben! Von seiner schimmernden Sternenpracht, Von wildfrohen Stürmen der Wetternacht, Wie mit ihm du, mein Starker, gerungen, Und wie du's bezwungen. Im Winkel ja hockte in Träumen ich, So fern, ach so ferne dem Leben. Und glitten vorüber der Jahre viel – Es brachte mir keines ein wunschheisses Ziel. Die Blitze, die draussen entflammet sind, Begrüssten durchs Fenster ein weltfremdes Kind. Erzähle, erzähl' mir vom Leben!

Skorra, Wovon mein Herz sich freigesungen, 1905

Dies ist es, was ich das Erahnen der verborgenen Exzentrizitäten des Lebens nannte: Das heißt zu wissen, dass das Herz eines Menschen links ist und nicht in der Mitte. Das heißt, nicht nur zu wissen, dass die Erde rund ist, sondern auch genau zu wissen, wo sie flach ist.

Chesterton, Orthodoxy, 1908. Die Paradoxa des Christentums (The Paradoxes of Christianity). Übers. Internet

Nichts aber ist liebenswerter und bereichernder als die Ähnlichkeit einer guten Lebensart.

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Nihil autem est amabilius nec copulatius, quam morum similitudo bonorum

Welche Rolle wir aber selbst spielen wollen, ist abhängig von unserem Willen.

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Ipsi autem gerere quam personam velimus, a nostra voluntate proficiscitur

Denn wenn wir einen günstigen Wind nutzen, gelangen wir zum besten Erfolg, und wenn er uns entgegenweht, werden wir zurückgeworfen.

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Nam et cum prospero flatu eius utimur, ad exitus pervehimur optatos et cum reflavit affligimur

Leben und Tod, Reichtum und Armut bewegen alle Menschen auf das Tiefste.

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Vita, mors, divitiae, paupertas omnes homines vehementissime permovent

Die Lage dessen, der durch Not beschwert ist, ist eine andere als die dessen, der bessere Lebensumstände erstrebt, ohne dass die seinigen unglücklich wären.

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Alia causa est eius, qui calamitate premitur, et eius, qui res meliores quaerit nullis suis rebus adversis

Wer aber würde in seinen Bemühungen nicht den Dank eines begüterten und mächtigen Menschen dem Anliegen eines guten, aber mittellosen Menschen vorziehen?

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Sed quis est tandem, qui inopis et optimi viri causae non anteponat in opera danda gratiam fortunati et potentis