Leben Sprüche – mut

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Der Mensch muß sich durchs Leben drängen, wie die sich entwickelnde Blume durch den Kot.

Hebbel, Tagebücher. Nach der historisch-kritischen Ausgabe von R. M. Werner, 4 Bde., 1903-04. 1840

Ein Kampfplatz ist die Welt; das Kränzlein und die Kron Trägt keiner, der nicht kämpft, mit Ruhm und Ehrn davon.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.

Altes Testament. Das Buch Josua (#Jos 1,9)

Wer nie in der Jugend Gewitterdrang über jedes trennende Gitter sprang, wer nie in sünd'gem Verlangen gebebt hat und immer nur nach Erlaubtem gestrebt hat, dem schmücke das Wams mit Orden und Tressen, doch sag ihm, er habe zu leben vergessen.

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Ich bin nicht schlecht, ich bin nicht gut, Nicht dumm und nicht gescheute, Und wenn ich gestern vorwärts ging, So geh ich rückwärts heute.

Heine, H., Gedichte. Nachlese. Zeitgedichte. Der neue Alexander. Aus: Mein Lehrer, mein Aristoteles

Nicht der Platz ist wichtig, den wir einnehmen, sondern die Richtung, in welcher wir uns vorwärtsbewegen.

Tolstoi, Für alle Tage. Ein Lebensbuch. Erste vollständig autorisierte Übersetzung, hg. von Dr. E. H. Schmitt und Dr. A. Skarva, 2 Bde., Dresden 1906/07

Wir steuern durch dieses bunte Weltgewühl Geleitet vom Gedanken und Gefühl. Wohl dem, in dem sich beide so verbinden, Daß sie zum Ziel die rechten Bahnen finden!

Blumenthal (Hg.), Neue Monatshefte für Dichtkunst und Kritik, 1875-77. 1875

Der Wegweiser Was vermeid' ich denn die Wege, wo die andern Wandrer gehn, suche mir versteckte Stege durch verschneite Felsenhöhn? Habe ja doch nichts begangen, daß ich Menschen sollte scheun – welch ein törichtes Verlangen treibt mich in die Wüstenein? Weiser stehen auf den Straßen, weisen auf die Städte zu, und ich wandre sonder Maßen, ohne Ruh' und suche Ruh'. Einen Weiser seh' ich stehen unverrückt vor meinem Blick; eine Straße muß ich gehen, die noch keiner ging zurück.

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Die zwei Gesellen Es zogen zwei rüstge Gesellen zum erstenmal von Haus, so jubelnd recht in die hellen, klingenden, singenden Wellen des vollen Frühlings hinaus. Die strebten nach hohen Dingen, die wollten, trotz Lust und Schmerz, was Rechts in der Welt vollbringen, und wem sie vorüber gingen, dem lachten Sinnen und Herz. Der erste, der fand ein Liebchen, die Schwieger kauft' Hof und Haus; der wiegte gar bald ein Bübchen, und sah aus heimlichem Stübchen ; behaglich ins Feld hinaus. Dem zweiten sangen und logen die tausend Stimmen im Grund, verlockend' Sirenen, und zogen ihn in der buhlenden Wogen farbig klingenden Schlund. Und wie er auftaucht' vom Schlunde, da war er müde und alt, sein Schifflein das lag im Grunde, so still wars rings in die Runde, und über die Wasser wehts kalt. Es singen und klingen die Wellen des Frühlings wohl über mir; und seh ich so kecke Gesellen, die Tränen im Auge mir schwellen ach Gott, führ uns liebreich zu Dir!

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Was sich alles entpuppen kann: ein Schurke und ein Schmetterling!

Kraus, Nachts. Aphorismen, 1924. VI. Nachts

Denn wir müssen per gradus emporsteigen, auf einer Treppe zu andern Stufen; keiner wird auf einen Hieb der Erste.

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Vom schöpferischen Gemüt aus das Leben erneuern; nicht von unten noch von oben, nicht von rechts noch von links, sondern parteilos von innen heraus umgestalten, wo die Kernzelle glüht, wo der Gral aufleuchtet, wo das Rosenkreuz aufblüht: ja, das ist es, worauf es ankommt.

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Den preis' ich selig, der von innerm Zuge Geführt sich einen Lebensgang erkoren, Und für ihn seine Kräfte fühlt geboren. Wie sich der Aar geboren fühlt zum Fluge.

Aurora. Mit Beiträgen von Freih. von Rachwitz, Franz Bonn, Fr. von Münchberg, Theodoret Volker, Dr. H. Holland, J. B. Vogl, Friedrich Klar, J. Schrott. Hg. von Reding von Biberegg, 1854. Aus: Neue Sonette (III.)

Was einzig die Geschicke unterscheidet, ist, ob die Seele heldenmütig ist oder nicht.

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Der rechte Weg Viele Wege geh'n durch den Wald, Wer nicht Bescheid weiß, verirrt sich bald. Viel Wege auch durchs Leben geh'n – Mußt immer den dir auserseh'n, Ob mancher auch sonst dich locken möchte, Von dem das Herz sagt: der ist der rechte.

Trojan, J., Gedichte. Von drinnen und draußen, 1888

Niemand kann dir die Brücke bauen, auf der gerade du über den Fluss des Lebens schreiten musst, niemand außer dir allein.

Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen, 1873-76. Schopenhauer als Erzieher, 1874

Nicht wie wir wollen – wie wir können, leben wir!

Menander, Fragmente. 7

Jeder ist mir verächtlich, der nicht bis zum letzten Atemzug um sein geistiges und körperliches Leben kämpft.

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Menschen, die ein enges Leben haben, sind ja immer neugierig auf alles Neue vor ihren Türen.

Zweig, Brief einer Unbekannten, 1922

Das Leben ist ein harter Kamerad, Es will die Hand, es will die Tat. Den Tapferen lohnt's, den Klugen irrt's, Je mehr du dich besinnst, je schwerer wird's. Was redest du, was grübelst du? Hier weht ein Schicksal her – pack zu!

Stammler, Kampf, Arbeit, Feier. Losungen und Werksprüche fürs junge Deutschland, 1939

Wer leben will, muß das Fieber riskieren.

Hebbel, Tagebücher. Nach der historisch-kritischen Ausgabe von R. M. Werner, 4 Bde., 1903-04. 1860