Leben Sprüche – trauerkarte

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Daß sie in Tränen dauernder dufte, preßt man die Rose; Daß sie Tränen rührender siege, leidet die Unschuld. Selig, wenn nicht irren die Rätsel des dämmernden Lebens.

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Rosen auf den Weg gestreut, Und des Harms vergeßen! Eine kleine Spanne Zeit Ward uns zugemeßen.

Hölty, L., Gedichte. Aus: Lebenspflichten, entstanden 1776, Erstdruck in: Musenalmanach für 1778, hg. von Johann Heinrich Voss. Originaltext

Letztes Gedicht Wenn quälend mich die Angst beschleicht, Mein Teuerstes auf Erden, Mein Liebstes könnte mir vielleicht Einst noch entrissen werden; Dann tröstet der Gedanke mich: »Weshalb davor erbeben? Dies große Leid vermöchte ich Ja nicht zu überleben.« Die Hoffnung, die sich in dir regt, Bevor du ihrer dich entschlagen, Daß keinem werde auferlegt So viel als er kann tragen. Wie groß das Leid, wie tief die Not, Du wirst dich d'rein ergeben, Und was dir bitt'rer als der Tod, Du wirst es überleben.

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Ich weinte, als ich geboren wurde, und jeder Tag zeigt mir: warum; denn: Kein Tag vergeht ohne irgendein Leid.

Düringsfeld (Hg.), Das Sprichwort als Kosmopolit, 3 Bde. (= Das Sprichwort als Philosoph, Das Sprichwort als Praktikus, Das Sprichwort als Humorist), 1863. Das Sprichwort als Philosoph

Ich fürchte, das warme Leben in mir zu erkälten an der eiskalten Geschichte des Tags und diese Furcht kommt daher, weil ich alles, was von Jugend auf zerstörendes mich traf, empfindlicher als andre aufnahm [...].

Hölderlin, F., Briefe. An Christian Ludwig Neuffer, 12. November 1798

Ich trage allein Ich klage still, Weil ich nicht will Daß man mich höre klagen; Ich trag' allein, Die Last ist mein, Kein andrer soll sie tragen.

Rückert, Gedichte. Pantheon, Erstdruck 1843. Fünftes Bruchstück. Zahme Xenien

Antwort Du fragst mich, liebe Kleine, Warum ich sing' und weine, Du fragest, was mich schmerzt? Ich habe den Lenz versäumet, Ich habe die Jugend verträumet, Ich habe die Liebe verscherzt. Mir schwoll der Becher am Munde, Ich hatte nicht Durst zur Stunde, Ich ließ vorüber ihn gehn; Mir winkt' im grünen Laube Granate, Feig' und Traube, Doch hab' ich sie lassen stehn. Und als nun kam der Abend, Die Sonn' im Glanz begrabend, Da war mein Durst erwacht; Aber der Becher der Wonnen, Die Früchte waren zerronnen, Und dunkelte rings die Nacht. Die Welt hat mich verlassen; Nun sing' ich auf den Gassen Mein Lied, wie tief es schmerzt: Ich habe den Lenz versäumet, Ich habe die Jugend verträumet, Ich habe die Liebe verscherzt.

Geibel, E., Gedichte. Jugendgedichte. Zweites Buch. Berlin

Nie erfahren wir unser Leben stärker als in großer Liebe und in tiefer Trauer.

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Ach! an der Erde Brust Sind wir zum Leide da.

Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, 1808. Nacht, Chor der Jünger

Das Kind und das Tier und die Blume Sie wurden in meinem Sein Zum letzten Heiligtume, Allanders ist schwere Pein.

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Wer einen schweren Weg gegangen, ging ihn für sich und für uns.

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Das Alter an sich ist kein Gegenstand der Trauer, vielmehr des Dankes, wenn wir unser Werk vollbracht haben. Gott behandelt uns darin nach seiner Gnade, nicht nach seiner Strenge. Mit den Getreuen unter uns wird es also geschehen. Sicherlich kann es einen ernsten Menschen nicht mit Trauer erfüllen, daß er diesen Kampfplatz verlassen darf, und daß er jenseits stille Gefilde vor sich sieht, wo es kein Schlachtgetümmel mehr gibt.

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Dein tiefstes Lebensgefühl – wann hast du das gehabt? Mit einem Freund? Immer allein.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Aus: Dein Lebensgefühl, in: Die Weltbühne, 28.10.1930, Nr. 44 (Kaspar Hauser), wieder in: Lerne lachen ohne zu weinen, 1931

Im Concert Die traurige Kindheit, Des Vaters Tod. Der Jugend Blindheit, Die herbe Noth, Die Wintertage, Das dünne Kleid, Die Sorg' und Plage, Das Seelenleid … Die Gleichgiltigkeit, Die schwer wie Erz, Die schmerzlose Zeit – Die mehr als Schmerz … Das alles wogte, Wieder vorbei, Mit leisem Schluchzen Und dumpfem Schrei, Als deine Hand Durch die Saiten glitt – — — — O, wie ich litt! –

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Ach Gott, ich muß es dir klagen, Daß ich mein Kreuz nicht will tragen.

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Unser Leben ist der aufzuckende Schmerz einer Wunde.

Hebbel, Genoveva, 1843

In mir leben alle Toten der Erde weiter, ohne aus den Gräbern zu steigen.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Stiller Augenblick Fliehendes Jahr, in duftigen Schleiern Streifend an abendrötlichen Weihern, Wallest du deine Bahn; Siehst mich am kühlen Waldsee stehen, Wo an herbstlichen Uferhöhen Zieht entlang ein stummer Schwan. Still und einsam schwingt er die Flügel, Tauchet in den Wasserspiegel, Hebt den Hals empor und lauscht; Taucht zum andern Male nieder, Richtet sich auf und lauschet wieder, Wie's im flüsternden Schilfe rauscht. Und in seinem Tun und Lassen Will's mich wie ein Traum erfassen, Als ob's meine Seele wär, Die verwundert über das Leben, Über das Hin- und Widerschweben, Lugt' und lauschte hin und her. Atme nur in vollen Zügen Dieses friedliche Genügen Einsam auf der stillen Flur! Und hast du dich klar empfunden, Mögen enden deine Stunden, Wie zerfließt die Schwanenspur!

Keller, G., Gedichte. Buch der Natur

Leise rauschend durch Ruinen Zieht der Abendwind, Flüstert alte, düst're Märchen, Die vergessen sind. Von den Bäumen herbstestraurig, Sinkt nun Blatt auf Blatt, Sucht in der Ruine Schweigen Eine Grabesstatt. Fallen wird auch sie, Die trotzig manch' Jahrhundert stand, Ziehen werden, wo sie ragte, Nebel übers Land. »Märchenhaft ist dieses Leben!« Seufzt der Abendwind: In der heißen Brust erglommen Mir zwei Wünschlein sind: Meinem Leben eine Seele, Die sich meiner eint, Meinem Grabe eine Thräne, Die die Liebe weint!

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Jeder Herzschlag klopft dem Grabe zu. Weiter und weiter – unaufhaltsam. In mir wächst der Tod.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Der Fliegengott, in: Vossische Zeitung, 06.06.1929, Nr. 262 (Peter Panter), wieder in: Lerne lachen ohne zu weinen, 1931

An – als ihm die – starb Der Säemann säet den Samen, Die Erd empfängt ihn, und über ein kleines Keimet die Blume herauf – Du liebtest sie. Was auch dies Leben Sonst für Gewinn hat, war klein Dir geachtet, Und sie entschlummerte Dir! Was weinest Du neben dem Grabe Und hebst die Hände zur Wolke des Todes Und der Verwesung empor? Wie Gras auf dem Felde sind Menschen Dahin, wie Blätter! Nur wenige Tage Gehn wir verkleidet einher! Der Adler besuchet die Erde, Doch säumt nicht, schüttelt vom Flügel den Staub, und Kehret zur Sonne zurück!

Claudius, Asmus omnia sua secum portans, oder Sämtliche Werke des Wandsbecker Bothen, 1774-1812. Erster und zweiter Teil