Leben Sprüche – zeit

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Das Leben ist nichts als eine Reihe köstlicher Augenblicke, verdichtet zu einer „mauvaise quart d‘heure“.

Wilde, Eine Frau ohne Bedeutung (A Woman of No Importance), 1893. Übersetzt von Paul Wertheimer

Überhaupt aber ergeht es uns im Leben wie dem Wanderer, vor welchem, indem er vorwärts schreitet, die Gegenstände andere Gestalten annehmen, als die sie von ferne zeigten, und sich gleichsam verwandeln, indem er sich nähert. Besonders geht es mit unseren Wünschen so.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen

Die Dauer meines Lebens liegt an mir, nicht am Himmel.

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Wer auf der Erde ohne Bestimmung lebt, gleicht einem Schiff auf dem trockenen Land. Und wer nicht in das große Rad der Menschheit mit eingreift, der gleicht den zinnernen Taschenuhren der Kinder, die wohl Zeiger und Zifferblätter, aber im Inneren hohl sind.

Müller (Hg.), Beyträge zur Beförderung des guten Geschmacks, zur Bildung des Verstandes und Veredlung des Herzens. Versuch einer neuen prosaischen Anthologie von Johann Georg Christoph Müller, Verlag der Zeh'schen Buchhandlung, Nürnberg, o.J. [1815]

Wir leben in einer Zeit, wo Verborgenheit mehr schützt als das Gesetz und sicherer macht als Unschuld.

Rivarol, Maximen und Gedanken, in: Die französischen Moralisten. Verdeutscht und hg. von Fritz Schalk, Leipzig 1938. Politik

Auch des Lebens Strom fließt schneller, wenn er abwärts geht.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Selige Sehnsucht Sagt es niemand, nur den Weisen, Weil die Menge gleich verhöhnet, Das Lebend'ge will ich preisen, Das nach Flammentod sich sehnet. In der Liebesnächte Kühlung, Die dich zeugte, wo du zeugtest, Überfällt dich fremde Fühlung, Wenn die stille Kerze leuchtet. Nicht mehr bleibest du umfangen In der Finsternis Beschattung, Und dich reißet neu Verlangen Auf zu höherer Begattung. Keine Ferne macht dich schwierig, Kommst geflogen und gebannt, Und zuletzt, des Lichts begierig, Bist du, Schmetterling, verbrannt. Und solang du das nicht hast, Dieses: Stirb und werde! Bist du nur ein trüber Gast Auf der dunklen Erde.

Goethe, J. W., Gedichte. West-östlicher Divan, 1814-1819. Buch des Sängers

Am Abend und am Morgen ist der Himmel rot. Am Abend und am Morgen ist die Luft kühler als am Tag, singen die Vögel heller, ist der Wald frischer. So auch in den Morgenstunden und in der Abendzeit des einen flüchtigen Tages, der das Menschenleben heißt. Abend und Morgen sind einander näher verwandt als dem Tage. Ihr Gemeinsames ist, daß der Mensch an seinem Morgen in sein Leben hineinwächst, das ihm noch fremd ist, und am Abend langsam einem anderen Leben sich naht, das er nicht kennt.

Keller, P., Gedichte und Gedanken, 1933

Ach, menschliches Leben Geht schneller dahin Als Räder am Wagen! Wer weiß es, ob morgen Noch lebend ich bin?

Schmidt/Lautsch (Hg.), Klamer Eberhard Karl Schmidt's Leben und auserlesene Werke hg. von dessen Sohne Wilhelm Werner Johann Schmidt und Schwiegersohne Friedrich Lautsch, 3 Bde., 1826-1828

Ach, unser Dasein rühmst du vergebens: Wir leben nicht, wir harren des Lebens.

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Einige leben vor ihrem Tode, andere nach ihrem Tode. Die meisten Menschen leben aber weder vor noch nach demselben; sie lassen sich gemächlich in die Welt herein und aus der Welt heraus vegetieren.

Seume, Apokryphen, 1806/07; erster vollständiger Druck in: Prosaische und poetische Werke, Berlin 1869

Leben heißt hinunterschweben (Wehe, wer verwegen rennt!) Trocknen Fußes auf dem Strom, Der im fernen Weltmeer mündet.

Ibsen, Peer Gynt, 1867

Du lebst dahin, die Tage weben Zu Jahren sich, du merkst es kaum; Doch was du lebst, ist’s auch ein Leben? Ist’s nur des Alltags Wellenschaum?

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Der Weise wünscht, er wäre nie geboren, Ihn hätte nie im Erdenfrost gefroren Und niemals ihn die Glut der Welt versengt; Unheil nur wird durch die Geburt verhängt; Nur Wechsel herrscht und Trübsal hier auf Erden: Drum ist es besser, nicht gezeugt zu werden.

Schack (Hg.), Epische Dichtungen aus dem Persischen des Firdusi, 2 Bde., hg. von Adolph Friedrich von Schack 1853

Das Leben ist schnell, die Kunst ist langsam, die Gelegenheit spröde, die Ausführung unzuverlässig und das Urteil parteiisch.

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Und auf einmal steht es neben dir Und auf einmal merkst du äußerlich: Wieviel Kummer zu dir kam, Wieviel Freundschaft leise von dir wich, Alles Lachen von dir nahm. Fragst verwundert in die Tage. Doch die Tage hallen leer. Dann verkümmert deine Klage ... Du fragst niemanden mehr. Lernst es endlich, dich zu fügen, Von den Sorgen gezähmt. Willst dich selber nicht belügen Und erstickst es, was dich grämt. Sinnlos, arm erscheint das Leben dir, Längst zu lang ausgedehnt. - - Und auf einmal - -: Steht es neben dir, An dich angelehnt - - Was? Das, was du so lang ersehnt.

Ringelnatz, J., Gedichte. Gedichte dreier Jahre, 1932

Jede Stunde deines Lebens ist kostbar. Ein Gewicht der Ewigkeit hängt daran. Ein ewiger, unwiederbringlicher Verlust oder Gewinn.

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Unser Leben ist ein Strom, der sich ins Meer ergießt.

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Unser Leben gleicht einem Tanze; es ist so lang lustig, als der Spielmann aufgeigt; jählings springt eine Saite, und alles ist still.

Sutor, Latinum Chaos de, ex et pro omni, 1716

Nicht vor dem Tode, nur vor dem Leben sollte man sich fürchten, denn nur dieses kann die Seele töten.

Leixner, Aus meinem Zettelkasten. Sprüche aus dem Leben für das Leben, 1896

Alles lebt nur auf 8 Tage.

Fontane, T., Briefe. An Mathilde von Rohr