Leben Sprüche – zeit

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Ich fürchte, das warme Leben in mir zu erkälten an der eiskalten Geschichte des Tags und diese Furcht kommt daher, weil ich alles, was von Jugend auf zerstörendes mich traf, empfindlicher als andre aufnahm [...].

Hölderlin, F., Briefe. An Christian Ludwig Neuffer, 12. November 1798

So ist des Menschen Treiben: heute sprießen Der Hoffnung zarte Knospen, morgen blüh'n sie Und kleiden ihn in dichten Blumenschmuck, Und übermorgen, tötlich, kommt der Frost, Und wenn er wähnt, der gute sichre Mann, Die Größe reife, – nagt ihm der die Wurzel Und fällt ihn.

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Vertraue nicht auf die Länge der Jahre, das Leben gleicht einer Stunde.

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Nur nicht lange leben und nicht lange sterben, das übrige ist gleich! Das Leben ist ein Verbrennungsprozeß: ein trübes Dasein ist wie ein Scheiterhaufen, der angezündet wird, während es regnet!

Hebbel, Tagebücher. Nach der historisch-kritischen Ausgabe von R. M. Werner, 4 Bde., 1903-04. 1845

Nichts, das lang währt, ist sehr angenehm, nicht einmal das Leben, und trotzdem liebt man es.

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Weder im Leben des Einzelnen, noch im Leben der Völker gibt es einen Stillstand; sie schreiten unaufhaltsam rückwärts, wenn sie nicht vorwärts dringen.

Bölte, Ein Thron und kein Geld. Roman, 2 Bde., 1869

Allerdings hat man, wenn man alt ist, nur noch den Tod vor sich; aber wenn man jung ist, hat man das Leben vor sich; und es fragt sich, welches von beiden bedenklicher sei.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 6: Vom Unterschiede der Lebensalter

Leben, Traum und Tod Leben, Traum und Tod ... Wie die Fackel loht! Wie die Erzquadrigen Über Brücken fliegen, Wie es drunten saust, An die Bäume braust, Die an steilen Ufern hängen, Schwarze Riesenwipfel aufwärts drängen ... Leben, Traum und Tod ... Leise treibt das Boot ... Grüne Uferbänke Feucht im Abendrot, Stiller Pferde Tränke, Herrenloser Pferde ... Leise treibt das Boot ... Treibt am Park vorbei, Rote Blumen, Mai ... In der Laube wer? Sag, wer schläft im Gras? Gelb Haar, Lippen rot? Leben, Traum und Tod.

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Ein Haus mit tausend Zimmer Ein Haus mit tausend Zimmer Ist dieses Erdenhaus, Kaum hat man's halb besehen, So muß man schon hinaus; Der Kastellan, er tut sich verneigen: Er müsse die Räume noch anderen zeigen.

Kohlhauer, Gott! Gedichte, 1922

Das Leben ist nur eine Schlacht! Es sausen rechts und links In leichtem Tanz vorüber die Geschosse Wie Bälle, die ein spielend Schicksal schlägt. Wer erst die Kugel tief im Herzen trägt, dem gilt es gleich, Von welchem Feind sie kommt.

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Ist es möglich, daß alle diese Menschen eine Vergangenheit, die nie gewesen ist, genau kennen? Ist es möglich, daß alle Wirklichkeiten nichts sind für sie; daß ihr Leben abläuft, mit nichts verknüpft, wie eine Uhr in einem leeren Zimmer - ?

Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, 1910

Das Leben duldet keinen Aufschub.

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Ich liebe die, welche nicht zu leben wissen, es sei denn als Untergehende, denn es sind die Hinübergehenden.

Nietzsche, Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen, 1883-1885 (1. vollständige Ausgabe aller Teile 1892). Erster Teil. Zarathustras Vorrede

Die Seiltänzer Sie gehen über den gespannten Seilen Und schwanken manchmal fast, als wenn sie fallen. Und ihre Hände schweben über allen, Die flatternd in dem leeren Raum verweilen. Das Haus ist überall von tausend Köpfen, Die wachsen aus den Gurgeln steil, und starren Wo oben hoch die dünnen Seile knarren. Und Stille hört man langsam tröpfeln. Die Tänzer aber gleiten hin geschwinde Wie weiße Vögel, die die Wandrer narren Und oben hoch im leeren Bäume springen. Wesenlos, seltsam, wie sie sich verrenken Und ihre großen Drachenschirme schwingen, Und dünner Beifall klappert auf den Bänken.

Heym, Dichtungen und Schriften. Gesamtausgabe hg. von Karl Ludwig Schneider, Band 1, Lyrik, Verlag Heinrich Ellermann 1964. Oktober 1911

So spricht das Leben: Die Welt ist mein, Mich preisen die Blumen und Vögelein, ich bin der Tag und der Sonnenschein. So spricht das Leben: Die Welt ist mein. So spricht der Tod: Die Welt ist mein. Dein Leuchten ist nur eitel Pracht, Senkt Stern und Mond in ewige Nacht. So spricht der Tod: Die Welt ist mein. So spricht das Leben: Die Welt ist mein, und machst du Särge aus Marmelstein, Kannst doch nicht sargen die Liebe ein. So spricht das Leben: Die Welt ist mein. So spricht der Tod: Die Welt ist mein. Ich habe ein großes Grab gemacht, ich habe die Pest und den Krieg erdacht. So spricht der Tod: Die Welt ist mein. So spricht das Leben: Die Welt ist mein, Ein jedes Grab muß ein Acker sein, Mein ewiger Samen fällt hinein. So spricht das Leben: Die Welt ist mein.

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Antwort Du fragst mich, liebe Kleine, Warum ich sing' und weine, Du fragest, was mich schmerzt? Ich habe den Lenz versäumet, Ich habe die Jugend verträumet, Ich habe die Liebe verscherzt. Mir schwoll der Becher am Munde, Ich hatte nicht Durst zur Stunde, Ich ließ vorüber ihn gehn; Mir winkt' im grünen Laube Granate, Feig' und Traube, Doch hab' ich sie lassen stehn. Und als nun kam der Abend, Die Sonn' im Glanz begrabend, Da war mein Durst erwacht; Aber der Becher der Wonnen, Die Früchte waren zerronnen, Und dunkelte rings die Nacht. Die Welt hat mich verlassen; Nun sing' ich auf den Gassen Mein Lied, wie tief es schmerzt: Ich habe den Lenz versäumet, Ich habe die Jugend verträumet, Ich habe die Liebe verscherzt.

Geibel, E., Gedichte. Jugendgedichte. Zweites Buch. Berlin

Alles, was geschieht, ist Symbol.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Ernst Schubarth, 2. April 1818

Ich stehe wieder auf meiner Zinne über dem rauschenden Brückenbogen; die tüchtigen Holzflöße, Stamm an Stamm, in zwei Gelenken, fahren mit Besonnenheit durch und glücklich hinab; ein Mann versieht das Amt hinreichend, der zweite ist nur wie zur Gesellschaft. Die Scheite Brennholz dilettantisieren hinterdrein; einige kommen auch hinab, wo Gott will, andere werden in Wirbeln umgetrieben, andere interimistisch auf Kies und Sandbank geschoben. Morgen wächst vielleicht das Wasser, hebt sie alle und führt sie meilenweit zu ihrer Bestimmung, zum Feuerherd. Du siehst, daß ich nicht nötig habe, mich mit den Tagesblättern abzugeben, da die vollkommensten Symbole vor meinen eigenen Augen sich eräugnen.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Friedrich Zelter, 19. März 1818

Das ist im Leben häßlich eingerichtet, Daß bei den Rosen gleich die Dornen stehn, Und was das arme Herz auch sehnt und dichtet, Zum Schlusse kommt das Voneinandergehn. In deinen Augen hab' ich einst gelesen, Es blitzte drin von Lieb' und Glück ein Schein: Behüt' dich Gott! es wär' zu schön gewesen, Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein! – Leid, Neid und Haß, auch ich hab' sie empfunden, Ein sturmgeprüfter müder Wandersmann. Ich träumt' von Frieden dann und stillen Stunden, Da führte mich der Weg zu dir hinan. In deinen Armen wollt' ich ganz genesen, Zum Danke dir mein junges Leben weihn: Behüt' dich Gott! es wär' zu schön gewesen, Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein! – Die Wolken fliehn, der Wind saust durch die Blätter, Ein Regenschauer zieht durch Wald und Feld, Zum Abschiednehmen just das rechte Wetter, Grau wie der Himmel steht vor mir die Welt. Doch wend' es sich zum Guten oder Bösen, Du schlanke Maid, in Treuen denk' ich dein! Behüt' dich Gott! es wär' zu schön gewesen, Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein! –

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

Ja, geschminkte Asche das Leben und stäubende Asche der Tod, und ein Wirbelwind hinterdrein, der die Asche in jeglicher Gestalt durchs Leere treibt.

Hebbel, Tagebücher. Nach der historisch-kritischen Ausgabe von R. M. Werner, 4 Bde., 1903-04. 1840

Aus deinem Auge wisch die Trän Sei stolz und laß die Klage; Wie dir wird's manchem noch ergehn Bis an das End' der Tage. Noch manch ein Rätsel ungelöst Ragt in die Welt von heute, Doch ist dein sterblich Teil verwest, So kommen andre Leute. Die Falten um die Stirne dein Laß sie nur heiter ranken; Das sind die Narben, die darein Geschlagen die Gedanken. Und wird dir auch kein Lorbeerreis Als Schmuck darum geflochten: Auch der sei stolz, der sonder Preis Des Denkens Kampf gefochten.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854