Leben Sprüche – zeit
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Das Leben ist so kurz und jeder Augenblick darin viel wert, und ganze Tage werden verschlafen, ganze Jahre verträumt.
Verweilst du in der Welt, sie flieht als Traum, Du reisest, ein Geschick bestimmt den Raum; Nicht Hitze, Kälte nicht vermagst du festzuhalten, Und was dir blüht, sogleich wird es veralten.
Das Leben schüttelt den Baum eines jeden. Früher oder später, ohne Sturm geht es für niemand ab.
An dem Ende seiner Tage Steht der Kater Hiddigeigei, Und er denkt mit leiser Klage, Wie sein Dasein bald vorbei sei. Möchte gerne aus dem Schatze Reicher Weisheit Lehren geben, Dran in Zukunft manche Katze Haltpunkt fänd' im schwanken Leben. Ach, der Lebenspfad ist holpernd, – Liegen dort so manche Steine, Dran wir Alte, schmählich stolpernd, Oftmals uns verrenkt die Beine. Ach, das Leben birgt viel Hader Und schlägt viel unnütze Wunden, Mancher tapfre schwarze Kater Hat umsonst den Tod gefunden. Doch wozu der alte Kummer, Und ich hör' die Jungen lachen, Und sie treiben's noch viel dummer, Schaden erst wird klug sie machen. Fruchtlos stets ist die Geschichte; Mögen sehn sie, wie sie's treiben! – Hiddigeigeis Lehrgedichte Werden ungesungen bleiben.
Nur das Leben ist wahr, das sich jeden Augenblick verändert.
Das Leben ist eine fortlaufende Kette von Treulosigkeiten.
Leben und Tod Macht dir das Erdendasein Pein, Bedenke in Not: Wirst nicht so lange lebend sein, Wie später tot.
Wir vergessen immer, dass ein jeder Tag uns dem Ende um einen Schritt näher bringt.
Denn wirklich, wie ja in des Menschen Leben nie etwas Neues kommt, sondern nur neue Formen auftauchen, soviel sich auch ereignen mag, so schweifte das Sinnen des Sintlingers in jenen langen Monaten in Gegenden, durch die ihn sein Rausch getrieben hatte.
Was wird, vergeht.
Das Alter an sich ist kein Gegenstand der Trauer, vielmehr des Dankes, wenn wir unser Werk vollbracht haben. Gott behandelt uns darin nach seiner Gnade, nicht nach seiner Strenge. Mit den Getreuen unter uns wird es also geschehen. Sicherlich kann es einen ernsten Menschen nicht mit Trauer erfüllen, daß er diesen Kampfplatz verlassen darf, und daß er jenseits stille Gefilde vor sich sieht, wo es kein Schlachtgetümmel mehr gibt.
Manches Leben ward zum Stoppelfeld, ohne daß es Ähren trug.
Der Menschen Geschlechter erscheinen und schwinden, wie Blumen der Wiese, wie Blätter des Hains.
Lied des Dichters Sonnenschein und Blumenbeete, Alle Blüten sind ja dein! Denk' nicht dran, wie oft verwehte, Was so schön im Frühlingsschein! Weiß und rote Apfelblüten Breiten über dich ihr Zelt; Kümmert's dich, daß Stürme wüten Und die Pracht zu Boden fällt? Willst du gar nach Früchten fragen In des Baumes Blütezeit? Warum seufzen, warum klagen? Kommt ja ohnehin das Leid! Mögen bied're Vogelscheuchen Klappern doch auf ihrer Stang', Schöner als ein ängstlich Keuchen Klingt ein lust'ger Vogelsang. Warum nur den Sperling jagen Von dem reichen Apfelbaum? Mag als Sanglohn ihm behagen, Daß dein Hoffen blieb ein Traum? Glaube, du gewinnst beim Tausche, Hast du statt der Frucht Gesang; Denke, daß die Zeit verrausche! – Auch die Jugend währt nicht lang. Ich will leben, ich will singen, Bis die letzte Hecke kahl. Mag, wer will den Acker düngen Mit den Blättern, gelb und fahl! Auf den Zaun denn! draußen schimmert's, Jedes Tierlein sucht sein Fest; Mir die Blumen; wen bekümmert's, Wer da nimmt den toten Rest!
Unter den Wesen, die sich in den Gegensätzen des Lebens ergehen, müssen die Menschen dahinscheiden, jeder einzelne für sich; siehe diese Welt als die Fremde an, dann wirst du nicht der Verblendung hienieden verfallen.
Den Ernst des Lebens verspüren die meisten erst dann, wenn ihnen die heiteren, frohen Stunden für immer entrückt sind.
Das Leben verwandelt uns wunderbar, und wenn wir die Tage nur machen lassen, und uns nicht selbst gegen ihre Macht verstocken, – es werden Dinge möglich, die wir vor Jahr und Tag nicht zu denken vermocht haben, und manches beglückt uns einst, was wir erst mit Abscheu von uns gewiesen haben.
Und während ich lebe, lebe ich zugleich hier und wie hinter fernen Büschen ...
Wie der liebe Gott größere und kleinere Lichter gemacht hat am Himmel, welche Tag und Nacht regieren und die Jahre zumessen den Menschenkindern, so hat er auch diesen Menschenkindern ein Gefühl in die Seele gelegt, welches die schwindenden Tage mit Bangen zählt, und mit Zagen jedes neu zugemessene Jahr betritt, denn am Ende der Tage ist der Tod. Es ist überhaupt jedes Jahr, welches kommt mit seinen dreihundertundfünfundsechzig Tagen, eine dunkle Wolke, schwanger mit Tod und Not, mit Freude und Lust.
Nichts möchten sich die Menschen lieber erhalten und nichts schonen sie trotzdem weniger als ihr Leben.
Zukunft Wie auf ausgespannten Sturmesschwingen Eilt der Augenblick! – Den Flug der Zeit Hemmt kein Wunsch; des Herzens bange Stunden Schwinden hin, wie seine Seligkeit! Weh den Armen, dessen trüben Sinnen Der Sekunde Glück vergebens blüht, Dem beim leisen Frühlingswehn der Freude Nicht entzückt die blasse Wange glüht! Denn ach! bald verrauscht wie Morgenträume Unser Leben, und der Vorhang sinkt. Wir erwachen; – neue fremde Szenen Warten unser, wo kein Leitstern winkt. Welche dunkle, unbekannte Gegend Jenes fremden Landes, wo noch nie, Nie ein Pilger wiederkehrte, müssen Wir durchwandeln? Wer beschreibt uns sie? Ewigkeit! Vernichtung! – zwischen beiden Bleibt der Sterbliche betroffen stehn, Harrt, daß ihm an der Erfahrung Grenze Soll ein höh'rer Strahl entgegenwehn.