Leben Sprüche – zeit

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Bedenke auch, daß alle Zeit, in der wir nicht waren, mag ihre Dauer auch von Ewigkeit sein, für uns wie nicht gewesen ist.

Lukrez, Über die Natur der Dinge (De rerum natura)

Jedermann würde die schlechten Umstände auf die erste Lebenszeit und die guten auf die letzte verschieben, damit er sie im Prospekt hätte.

Erdmann (Hg.), Reflexionen Kants zur Anthropologie. Aus Kants handschriftlichen Aufzeichnungen (= Reflexionen Kants zur kritischen Philosophie, Band 1), hg. von Benno Erdmann, 1882

Das Leben gleicht einem Strome, dessen Ursprung wir nie ergründen und dessen mündenden Wassern wir nicht in die unbekannten Regionen, wo sie dem Meere des ewigen Seins zufließen, folgen können.

Vogel, Im zeitlosen Strome. Randbemerkungen des Lebens, 1913

Und ich darf noch Hie und da, dann und wann Ein Wehweh. Doch im ganzen: Ich, der ich nicht tanzen kann, Sehe gern andere tanzen. Noch immer in Arbeit gestellt Und die Arbeit genießend, Finde ich dich, ausstudierte Welt, Immer neu fließend. Gehe durch die Straßen einer Stadt Um Dinge herum, die stinken. Was Beine oder keine Beine hat, Kann blinken oder winken. Ich kann einen Pflasterstein, Der am Rinnstein liegt, aufheben. O schönes Auferdensein! Und ich darf noch leben.

Ringelnatz, J., Gedichte. 103 Gedichte, 1933

Wie manchen Blick du frei und freier Ins Walten der Natur getan, Aufs neue hinter jedem Schleier Sieht doch die alte Sphinx dich an. Du kannst ihr nimmer Antwort geben, Wenn sie die letzte Frag' entbot; Ein ewig Rätsel ist das Leben, Und ein Geheimnis bleibt der Tod.

Geibel, E., Gedichte. Gedichte und Gedenkblätter. Lieder aus alter und neuer Zeit, 28.

Man klagt über die Kürze des Lebens, und doch tut man alles, damit es rasch vergehe.

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Große Ereignisse kann man nicht erschaffen, sie geschehen einfach.

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Laßt, was auch das Leben sei, Ungenutzt auf alle Fälle, Ungenossen nicht vorbei.

Behrisch, Lieder. Aus: Lebensfassung

Ich mag mich drehen und wenden, wie ich will, überall zeigt mir das Leben seine Verluste, da es entweder das Malerische dem Nützlichen oder das Nützliche dem Malerischen aufgeopfert hat.

Kraus, Sprüche und Widersprüche, 4. Auflage 1924 (EA: 1909). IX. Sprüche und Widersprüche

Nicht genug! Lebenswogen, Kaum verzogen, Was ich ringend je ertrug: Neue wollen Mich umrollen, 's ist noch lange nicht genug. Schicksalsschmiede, Drin zum Liede Stark der Hammer auf mich schlug: Frische Hitze, Funkenblitze! 's ist noch lange nicht genug.

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Im Lauf der Welt ist das Gemeine des Erhabnen Schatten.

Heyse, Das Feenkind, 1868

Was ist Leben? Ein Schatten, der vorüberstreicht.

Shakespeare, Macbeth, Erstdruck 1623, hier übersetzt von Friedrich Schiller 1800. 5. Aufzug, 6. Auftritt, Macbeth

Ist mir oft der Wunsch gekommen Abzuschütteln diese Glieder, Dieses Herz voll Sturm und Wunden – Seid mir theuer, bittre Stunden, Aber kehret niemals wieder! Kannst du zwischen Zeilen lesen, Steht es flammend dir geschrieben: Nur der Wahnsinn flucht dem Leben, Nur den Thoren macht es beben – Wers begriffen, wird es lieben.

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Wäre nicht Erinnerung, Schiene Traum, was Leben war! Aber wen die Götter lieben, Stirbt er auch in grauem Haar, Dennoch stirbt er ewigjung.

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Alles ist nichtig.

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Leben Schaumgekrönter Überschwang, Roter Blütenrausch – Melancholischer Gesang, Welkes Blattgerausch. Silberheller Jubelchor, Jauchzen Berg zu Tal – Stilles Schluchzen, schwarzer Flor, Schütternder Choral. Mir ein süßer Herzenswahn, Dir ein bittrer Hohn – Heute winkt ein Kanaan, Morgen ist's entflohn ...

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Keinem wird des Lebens Bittrer Zoll geschenkt.

Geibel, E., Gedichte. Gedichte und Gedenkblätter. Vermischte Gedichte. Zweites Buch. Aus: Lied

Schiebe alles übrige beiseite, halte nur an jenem wenigen fest. Bedenke unter anderem, daß wir nur die gegenwärtige Zeit leben, die ein unmerklicher Augenblick ist; die übrige Zeit ist entweder schon verlebt oder ungewiß. Unser Leben ist also etwas Unbedeutendes, unbedeutend auch der Erdenwinkel, wo wir leben, unbedeutend endlich der Nachruhm, selbst der dauerndste, er pflanzt sich fort durch eine Reihe schnell dahinsterbender Menschenkinder, die nicht einmal sich selbst kennen, geschweige denn jemanden, der längst vor ihnen gestorben ist, kennen sollten.

Marc Aurel, Selbstbetrachtungen (Τὰ εἰς ἑαυτόν), entstanden vermutlich 170-180 n. Chr. 3,10. Übersetzt von Albert Wittstock, 1879

Volksweise Was ist es mit dem Leben Doch für 'ne arge Not, Muß leiden und muß sterben Zuletzt den bittern Tod. Kam ich doch auf die Erden Ganz ohne Wunsch und Will', Ich weiß es nicht von wannen Und kenn' nicht Zweck und Ziel. Es tritt die bunten Auen Nur einmal unser Fuß, Für kurze Zeit nur tauschen Wir Händedruck und Gruß. Und was uns auch von Freuden Und Leiden zugewandt, Das mehret und das mindert Sich unter Menschenhand. Drum lasset uns in Freundschaft Einander recht verstehn Die kurze Strecke Weges Die wir zusammen gehn!

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Vieles im menschlichen Leben ist dem Vergessen geweiht. Weniges nur ist unvergeßlich, aber nach diesem Wenigen bestimmt sich zuletzt der Wert des Daseins überhaupt.

Wesendonck, M., Briefe. An Richard Wagner

An einen Biographen Der Zeit vorzugreifen ist jetzt Mode; Sonst seziert man die Leute erst nach dem Tode.

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