Leben Sprüche – zeit
886 Sprüche gefunden
Was blieb mir noch an des Verlorenen statt? Ein Stück Erinnerung, ein verwelktes Blatt, Das ist des Lebens ganzer Erntesegen.
Ich weiß, ich werde nicht sehr lange leben. Aber ist das denn traurig? Ist ein Fest schöner, weil es länger ist?
Der Strom des Lebens Fließe, des Lebens Strom! Du gehst in Wellen vorüber, Wo mit wechselnder Höh eine die andre begräbt. Mühe folget der Mühe; doch kenn' ich süßere Freuden Als besiegte Gefahr oder vollendete Müh? Leben ist Lebens Lohn, Gefühl sein ewiger Kampfpreis. Fließe, wogiger Strom! nirgend ein stehender Sumpf.
Der Mensch Die Liebe hält im Mutterarm Den zarten Säuglin sanft und warm, Sie weidet sich, ihn anzuschau'n In hoffnungsvollem Gottvertrau'n. Er wächst empor in Lust und Kraft, Er träumt von früher Meisterschaft; Er reißt sich los vom Vaterhaus Und wagt sich in die Welt hinaus. O, Zuversicht und Jugendblut, Wie schön vollendet ihn der Mut! Er reift zum Mann, er kehrt zurück, Er baut sein Haus und sucht sein Glück. Zum höchsten Ziel strebt er hinan, Setzt rüstig Leib und Leben dran; Allein erschöpft sich seine Kraft, Bevor er noch sein Werk geschafft. Er schaut zurück auf seine Bahn, sie fing so vielversprechend an; Was ist das Ziel? Was ist der Preis? Ach, karge Freude, saurer Schweiß! Sein Leben war ein kurzer Schritt, Das Ganze flutend riß ihn mit, Es lockte hier, es trieb ihn dort, Zog ihn heran und stieß ihn fort. Die Millionen zählen nur, Der einzelne läßt keine Spur, Er stirbt; die Lücke füllt sich aus, Noch ehe man ihn trägt vom Haus. Still ist sein bleiches Angesicht, Als wüßt' er und empfänd' er nicht, Was unerfüllte Wünsche sind, Und überm Grabe saust der Wind. Doch Klage ziemt deshalb uns nicht: Was Gott gewollt, ist unsre Pflicht, Und was wir sind in That und Wort, Das pflanzt sich lebend weiter fort. In unsers Daseins Sorg' und Qual Ist uns gewährt ein Hoffnungsstrahl, Wie sehn empor in Seelenruh' Und streben der Vollendung zu. Wir schau'n aus dieser kleinen Welt Hinaus in Gottes Sternenzelt, Und leben auf dem Erdenball Das Leben nur im großen All.
Das Leben Beklage nicht, daß deinem Leben Der Herr nur kurze Frist gegeben, Dem Traume gleich dein Dasein ist. Zu bösen Thaten, wie zu guten, Brauchst du nur wenige Minuten; - Wie lang' ist deines Lebens Frist! Wie bei dem Vater aller Seelen Jahrtausende nur Tage zählen, Zählt jeder Tag Jahrtausend' dir: In einem Tage soviel Gutes Kannst du vollbringen frohen Mutes, Als wärst du ein Jahrtausend hier!
Wenn diese ganze Existenz nur provisorisch ist, wozu braucht man die Beständigkeit suchen?
Es sprach der Geist… Es sprach der Geist: Sieh auf! - Die Luft umblaute ein unermeßlich Mahl, so weit ich schaute; da sprangen reich die Brunnen auf des Lebens, da streckte keine Schale sich vergebens, da lag das ganze Volk auf vollen Garben, kein Platz war leer, und keiner durfte darben.
Heute, wie zu allen Zeiten? Oben schwammen auf die Zweiten.
Nur ein Leben Ein Tropfen fällt: es klingt Das Meer nur leise. Die Stelle wird umringt Von Kreis' an Kreise. Und weiter, immer mehr. Nun ruht es wieder. Wo kam der Tropfen her? Wo fiel er nieder? Es war ein Leben nur Und nur ein Sterben, Und kam, auch eine Spur Sich zu erwerben.
Nachtgalle Weil meine beiden Beine Erfolglos müde sind Und weil ich gerade einsam bin, Wie ein hausierendes Streichholzkind, Setz ich mich in die Anlagen hin Und weine. Nun hab ich lange geweint. Es wird schon Nacht; und mir scheint, Der liebe Gott sei beschäftigt. Und das Leben ist - - alles, was es nur gibt: Wahn, Krautsalat, Kampf oder Seife. Ich erhebe mich leidlich gekräftigt. Ich weiß eine Zeitungsfrau, die mich liebt. Und ich pfeife. Ein querendes Auto tutet. – Nicht Gold noch Stein waren echt An dem Ring, den ich gestern gefunden. – Die nächtliche Straße blutet Aus tausend Wunden. Und das ist so recht.
Rosen auf den Weg gestreut, Und des Harms vergeßen! Eine kleine Spanne Zeit Ward uns zugemeßen.
Welche Verspätung, mit dem Leben anzufangen, wenn man aufhören muss!
Das Leben ist ein Gewebe. Nimm etwas hinweg, und es ist kein Halt mehr. Es ribbelt sich auf bis zu Ende.
Du weißt, es ist gemein: was lebt, muß sterben Und Ew'ges nach der Zeitlichkeit erwerben.
Das Leben ist wie die Gelegenheit: einmal verloren, können wir sie niemals wieder finden.
Alles Träumen Tauget nichts, Wert ist's kaum Des Stückchen Lichts Alles schwindet Um uns her, Groß ist nur der Vergangenheit Meer. – Tief gelegen Hinter mir, Ist der Traum, Der goldne mir. Alles Träumen Tauget nichts, Wert ist's kaum Des Stückchen Lichts.
Es ist vielen möglich, die Bahn ihrer Jahre nach persönlichem Willen in Größe oder in Kleinheit zu durchschreiten. Indessen, wer nur Behagen will, verdient es nicht, da zu sein.
Definition der mittleren Jahre: Die stille, friedliche, schöne Zeit, wenn die Kinder aus dem Haus sind und bevor man bei den ersten Enkelkindern helfen muß. Die mittleren Jahre dauern in der Regel drei bis fünf Monate.
Menschen: Wilde, wilde Meereswogen, Von dem Monde angezogen, Von dem Sturme fortgetrieben, Von der Erde eingesogen.
Wie wenn das Leben wär nichts andres Wie wenn das Leben wär nichts andres Als das Verbrennen eines Lichts! Verloren geht kein einzig Teilchen, Jedoch wir selber gehn ins Nichts! Denn was wir Leib und Seele nennen, So fest in eins gestaltet kaum, Es löst sich auf in Tausendteilchen Und wimmelt durch den öden Raum. Es waltet stets dasselbe Leben, Natur geht ihren ew'gen Lauf; In tausend neuerschaffnen Wesen Stehn diese tausend Teilchen auf. Das Wesen aber ist verloren, Das nur durch ihren Bund bestand, Wenn nicht der Zufall die verstäubten Aufs neu zu einem Sein verband.
Das Leben ist eine Schuld, welche man bezahlen muß, ein Depositum, welches man zu jeder Stunde, wenn es gefordert wird, zurückgeben muß.