Liebe Sprüche

Sprüche über Liebe, Romantik und Beziehungen

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Mottes Lied Wenn rot und weiß die Mädchen blühn, Hat Sünde nie ein Zeichen; Sonst macht ein Fehltritt sie erglühn, Die Furcht wie Schnee erbleichen, Was Schuld sei oder Schrecken nur, Wer möcht es unterscheiden, Wenn ihre Wange von Natur Die Farbe trägt der beiden?

Shakespeare, Verlorene Liebesmüh, dt. auch: Liebes Leid und Lust (Love’s Labour’s Lost), Erstdruck 1598

Es drängt die Not, es läuten die Glocken, Und ach! ich hab den Kopf verloren! Der Frühling und zwei schöne Augen, Sie haben sich wider mein Herz verschworen. Der Frühling und zwei schöne Augen Verlocken mein Herz in neue Betörung! Ich glaube, die Rosen und Nachtigallen Sind tief verwickelt in dieser Verschwörung.

Heine, H., Gedichte. Neue Gedichte. Neuer Frühling, 11.

CXXXVIII Schwört mir die Liebste, daß sie treu: erkannt ich die Lüge, will ihr aber glauben; damit sie glaubt, ich wäre noch ein Fant, dem schlechte Welt die Unschuld nicht konnt’ rauben. So glaubend, daß sie noch für jung mich hält, obwohl sie weiß, daß ich bereits in Jahren, hab ich mich vor der Lügnerin verstellt, daß beiderseits die Wahrheit wir bewahren. Doch warum sagt sie mir nicht, daß sie lüge? Warum bekenn ich ihr nicht mein Gebrechen? Ach, Liebe liebt dergleichen Winkelzüge und liebt es nicht, vom Ältersein zu sprechen. Ich laß von ihr, sie sich von mir betrügen, umlügend unsre Fehler zum Vergnügen.

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Übersetzt von Karl Kraus, 1933

Hinunter die Pfade des Lebens gedreht Pausiert nicht, ich bitt euch so lang es noch geht Drückt fester die Mädchen ans klopfende Herz Ihr wißt ja wie flüchtig ist Jugend und Scherz. Laßt fern von uns Zanken und Eifersucht sein Und nimmer die Stunden mit Grillen entweihn Dem Schutzgeist der Liebe nur gläubig vertraut Es findet noch jeder gewiß eine Braut.

Novalis, Gedichte. Walzer

LXXXVIII Wenn Leid mir zuzufügen dich erfreute und mein Verdienst mit deinem Spott zu schmähn, so kämpf ich gegen mich auf deiner Seite, bereit, trotz falschem Eid dich treu zu sehn. Die eignen Schwächen kann ich mir nicht hehlen und will sie zeigen dir mit offnem Sinn, und kennst du all mein Fehlen und Verfehlen, so wird dir mein Verlust gar zum Gewinn. Und schließlich mach ich’s mir auch zum Geschenke: da ich an dich zu denken nur vermag, so bringt die Schmach, mit der ich selbst mich kränke, als dein Ertrag mir doppelten Ertrag. So lieb ich dich, und darf mich nicht beklagen: was Liebe einträgt, hat sie zu ertragen.

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Übersetzt von Karl Kraus, 1933

Unser Glaube, daß ein Wesen an einem unbekannten Leben teilhat, in das unsere Liebe uns mit hineintragen würde, ist unter allem, was die Liebe zu ihrer Entstehung braucht, das Bedeutungsvollste, demgegenüber alles andere nur noch wenig ins Gewicht fallen kann.

Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (À la recherche du temps perdu), 7 Bde., Erstdruck 1913-27. Band 2: Im Schatten der jungen Mädchen (À l'ombre des jeunes filles en fleurs), 1919. Übersetzt von Walter Benjamin und Franz Hessel, Berlin 1927

XXI Mein Liebeslied klingt nicht wie jener Schall, der angeschminkter Schönheit mag ertönen; der aller Bilder Schmuck holt aus dem All und jedes Schöne borgt dem Schein vom Schönen. Es ist nicht Schwall, nicht Fülle von Vergleichen mit Sonn und Mond und was es immer nur in Flut und Festland gibt, mit Himmelszeichen und allen Wunderwerken der Natur. Echt ist mein Lieben, wahr sei auch mein Lied: drum glaub, daß keine Erdenflamme brennt mit schönrer Glut, obgleich noch schöner glüht der goldne Strahlenglanz am Firmament. Mag, wer zu prahlen liebt, mit Liebe prahlen; ich will nicht preisen, was nicht zu bezahlen.

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Übersetzt von Karl Kraus, 1933

LXIV Seh ich mit grausem Griff die Zeit zerwühlen erhabnen Prunk der hingesunknen Welten; stell ich mir vor, wie stolze Türme fielen, und Trümmer nur für erzne Male gelten; seh ich des Meers begehrendes Gebiß an königlichem Strande wölfisch nagen, und wie das Festland wieder sich entriß, Gewinn Verlust, Verlust Gewinn muß tragen; und seh ich diesen Wandel, dies Verkümmern, und alles, was da war, zum Schluß ein Schemen – da steigt mir der Gedanke aus den Trümmern: die Zeit wird mir auch meine Liebe nehmen. Gedanke, der in Todestrauer führt: zu denken, daß man hat, was man verliert!

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Übersetzt von Karl Kraus, 1933

Was sich küßt und paart, ist ewig in Trug verstrickt.

Wildgans, Liebe. Eine Tragödie, 1916. 5. Akt. Martin

Wehe der Liebe, die an den Blicken der Menschen stirbt.

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L Wie langsam schlepp ich mich von Platz zu Platz, da ich vom Ziel, es scheuend, nichts gelernt auf Rast und Reise als nur diesen Satz: „Wie weit bist du von deinem Freund entfernt!“ Mein Tier trabt träge seines Weges hin, als trüg’ es die Beschwer von meinem Gram und spürte meinen Schmerz, von dir zu ziehn, und meinen Wunsch, daß ich nicht weiter kam. Vergebens, wenn ich manchmal doch es sporne, der blut’ge Sporn befeuert nicht den Schritt; wie’s stöhnend leidet unter meinem Zorne, weit schwerer leid ich seine Schmerzen mit. Für sie bekam die Mahnung ich zurück: der Gram liegt vor mir, hinter mir das Glück.

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Übersetzt von Karl Kraus, 1933

Mariechen Mariechen saß am Rocken, Im Grase schlummert' ihr Kind; Durch ihre schwarzen Locken Weht' kühl der Abendwind. Sie saß so sinnend, so traurig, So ernst und geisterbleich; Dunkle Wolken zogen schaurig, Und Wellen schlug der Teich. Der Reiher kreist' über dem Rohre, Die Möwe streift' wild umher, Der Staub fegt' wirbelnd am Wege, Schon fielen die Tropfen schwer. Und schwer von Mariechen's Wangen Die heiße Thräne rinnt, Und weinend in ihre Arme Schließt sie ihr schlummernd Kind. Wie schläfst Du so ruhig und träumest, Du armer, verlaß'ner Wurm! Es donnert, die Tropfen fallen, Die Bäume schüttelt der Sturm! Dein Vater hat Dich vergessen, Dich und die Mutter Dein; Du bist, du armer Waise, Auf der weiten Erde allein! Dein Vater lebt lustig in Freuden; Gott laß' es ihm wohl ergeh'n; Er weiß nichts von uns Beyden, Will Dich und mich nicht seh'n! Und stürzt' ich, während Du schlummerst, Mit Dir in den tiefen See, Dann sind wir Beyde geborgen, Vorüber ist Gram und Weh! – Da öffnet das Kind die Augen, Blickt freundlich auf und lacht; Die Mutter schluchzt und preßt es An ihre Brust mit Macht! Nein, nein, wir wollen leben, Wir Beyde, Du und ich! Deinem Vater sey vergeben, Wie selig macht' er mich! –

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Lied der Desdemona Das Mägdlein saß singend am Feigenbaum früh, Sing Weide, grüne Weide! Die Hand auf dem Busen, das Haupt auf dem Knie, Sing Weide, Weide, Weide! Das Bächlein, es murmelt und stimmet mit ein; Sing Weide, grüne Weide! Heiß rollt ihr die Trän und erweicht das Gestein; Sing Weide, Weide, Weide! Von Weiden all flecht ich mir nun den Kranz – Sing Weide, grüne Weide! O scheltet ihn nicht, sein Zorn ist mir recht – Sing Weide, Weide, Weide! Ich nannt ihn du Falscher! Was sagt er dazu? Sing Weide, grüne Weide! Seh ich nach den Mädeln, nach den Buben sieh du! Sing Weide, Weide, Weide!

Shakespeare, Othello, Erstdruck 1622

Lied des Narren Als ich ein kleiner Junge war, ich weiß, daß ich es war, mit he und ho und mit Regen und Wind, war jeder Irrsinn wunderbar, denn es regnet Regen jeden Tag. Doch als ich dann erwachsen war, mit he und ho und mit Regen und Wind, verschloß man vor Dieben das Herz sogar, denn es regnet Regen jeden Tag. Als ich bei einer Frau mal lag, ich liebte sie so sehr, mit he und ho und mit Regen und Wind, half mir mein großes Maul nichts mehr, denn es regnet Regen jeden Tag. Doch als ich dann in die Betten fiel, mit he und ho und mit Regen und Wind, hatt ich ganz ausgeträumt mein Spiel, denn es regnet Regen jeden Tag. Die Welt, die steht schon lange Zeit, mit he und ho und mit Regen und Wind, also Schluß mit dem Stück und der Seligkeit, ich hoffe, es hat Euch gefreut.

Shakespeare, Was ihr wollt (Twelfth Night, or What You Will), Erstdruck 1623

Balthasars Lied Klagt, Mädchen, klagt nicht Ach und Weh, Kein Mann bewahrt die Treue; Am Ufer halb, halb schon zur See Reizt, lockt sie nur das Neue! Weint keine Trän und laßt sie gehn, Seid froh und guter Dinge, Daß statt der Klag und dem Gestöhn Juchheissassa erklinge. Singt nicht Balladen trüb und bleich, In Trauermelodien: Der Männer Trug war immer gleich, Seitdem die Schwalben ziehen! Weint keine Trän und laßt sie gehn, Seid froh und guter Dinge, Daß statt der Klag und dem Gestöhn Juchheissassa erklinge.

Shakespeare, Viel Lärmen um nichts (Much Ado about Nothing), Erstdruck 1600

Raum ist in der kleinsten Hütte Für ein einzig liebend Paar. Nur für Karoline Schütte Und für mich ist das nicht wahr.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche. Aus: Eins, zwei, drei im Sauseschritt

Die Liebe muß ihrer Natur nach vergänglich sein.

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Die Liebe knüpft die Rosenschnur, die Freundschaft nimmt sie in Verwahrung.

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Gewalt unterwirft; nur Liebe gewinnt den Menschen.

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Wo es keine Liebe gibt, dort gibt es auch keinen Verstand.

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Ilse Ich war ein Kind von fünfzehn Jahren, Ein reines unschuldsvolles Kind, Als ich zum erstenmal erfahren, Wie süß der Liebe Freuden sind. Er nahm mich um den Leib und lachte Und flüsterte: O welch ein Glück! Und dabei bog er sachte, sachte Den Kopf mir auf das Pfühl zurück. Seit jenem Tag lieb' ich sie alle, Des Lebens schönster Lenz ist mein; Und wenn ich keinem mehr gefalle, Dann will ich gern begraben sein.

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