Liebe Sprüche – poetisch
89 Sprüche gefunden
Traum durch die Dämmerung Weite Wiesen im Dämmergrau; Die Sonne verglomm, die Sterne ziehn; Nun geh ich zu der schönsten Frau, Weit über Wiesen im Dämmergrau, Tief in den Busch von Jasmin. Durch Dämmergrau in der Liebe Land; Ich gehe nicht schnell, ich eile nicht; Mich zieht ein weiches, samtenes Band Durch Dämmergrau in der Liebe Land, In ein blaues, mildes Licht.
Zwei Augen wie Sterne Die sähen so gerne Das wonnige Licht, Und dürfen es nicht; Die hellen Karfunkeln Die könnten verdunklen Das sonnige Licht, Und dürfen es nicht. O Liebesverlangen! In Kerker gefangen, Sind die Augen so minniglich, Die Lippen so wonniglich, Die Worte die milden, Die Locken so gülden, Es bricht mir das Herz Vor Leidmuth und Schmerz. Ich sehe bis an den Tod Die Lippen rosinroth Und sollt ich nimmer genesen, Dächt ich doch an ihr minniglich Wesen, An ihr Blicken so mild, An das schönste Frauenbild, Und sollt ich Schmach und Tod erwerben Das Mägdlein minnt ich und sollt ich sterben.
Zuvor Wellenschäume, Wolkensäume, Wünsche, Träume, Im Entfalten, Im Zerfließen festgehalten; Manch Erlebtes Längst Entschwebtes, Mit Gestalten Leicht Verwebtes, Wie sie kommen, wie sie fliehn – Launekinder, Phantasien, Bilder im Vorüberziehn, Liebespoesien!
Entrückt und Nah Entrückt und nah, belebend und doch Schein, So seh ich, Liebste, dich vor mir errichtet. Ein Umriß, der vor meinen Blicken flüchtet Und dem es doch bestimmt ist, Bild zu sein. Die Hände haben längst darauf verzichtet Zu fassen nach Gestalt von Fleisch und Bein. Genug zu wissen, daß du Brot und Wein Und zartes Feuer bist, das mich belichtet. Die Augen werden einst in Moder fallen. Was war ich ohne dich? Ein irres Lallen, Ein Dunkel und ein Rausch der Bitternisse. Laß wehen durch mein Wort die lichten Küsse. Laß sinken in mein dämmerndes Gedicht Vom Brunnenrande her dein Angesicht.
Liebende sprechen meist nur von sich selbst; es ist die Poesie des Egoismus.
Die Gefahr ist die poetische Ballfrisur der Liebe, und die hat sie auch höchst nötig, denn in der Schlafhauben der Alltäglichkeit nimmt sich diese Himmelstochter miserabel aus.
Auf die poetische Wirkung allein hat sich die Natur bei der Liebe nicht verlassen, umso mehr auf die Brutalität.
Meine Straße mir entgegen Ist heut eine Frau gegangen, Deren Tragen und Bewegen All mein Sinnen hält gefangen. Was ich liebend je gepriesen, Wenn ich kurzes Glück genossen, Alle Pracht schien mir in diesen Schlanken Körper eingegossen. Sichrer Schritt auf graden Beinen, Hohe Schultern, schmaler Rücken. In den Augen trocknes Weinen Und verhaltenes Entzücken. Eh' sie meinem Blick entschwände, Folgt ich lange ihren Spuren, Und dann formten meine Hände Ihre herrlichen Konturen Aus der Luft, bis ich verloren Heimging, voll von allem Süßen, Ihren Duft in meinen Poren, Ihren Gang in meinen Füßen. Daß sie doch noch einmal käme! Dann will ich sie knieend fragen, Ob sie mich zum Gatten nähme, – Und sie wird »Sie Esel!« sagen. (Erna)
Dämmerung Hell weckt Dunkel Dunkel wehrt Schein Der Raum zersprengt die Räume Fetzen ertrinken in Einsamkeit! Die Seele tanzt Und Schwingt und schwingt Und Bebt im Raum Du! Meine Glieder suchen sich Meine Glieder kosen sich Meine Glieder Schwingen sinken sinken ertrinken In Unermeßlichkeit Du! Hell wehrt Dunkel Dunkel frißt Schein! Der Raum ertrinkt in Einsamkeit Die Seele Strudelt Sträubet Halt! Meine Glieder Wirbeln In Unermeßlichkeit Du! Hell ist Schein! Einsamkeit schlürft! Unermeßlichkeit strömt Zerreißt Mich In Du! Du!
Liebe denkt in süßen Tönen, Denn Gedanken stehn zu fern. Nur in Tönen mag sie gern Alles, was sie will, verschönen.
Heute wär' ich fast erschrocken Dir zu Füßen hingestürzt, Als du plötzlich deiner Locken Wilden Reichtum losgeschürzt. Glänzend um die schlanken Glieder Wallt' ihr fesselloser Schwall Auf des Teppichs Purpur nieder Wie ein schwarzer Wasserfall. Ach, und als du nun die braunen Rätselaugen aufwärts schlugst Und in reizendem Erstaunen, Was mich so verwirre, frugst, Als du dann zum Spiegel hüpftest Und die Schnur von Perlen dir Tändelnd um die Stirne knüpftest – O wie schön erschienst du mir! Lauschend, keines Wortes mächtig Stand ich, atemlos gebannt, Wie verzaubert in ein prächtig Märchen aus dem Morgenland.
Man betrachte nur die Liebe. Nirgends wird wohl die Notwendigkeit der Poesie zum Bestand der Menschheit so klar, als in ihr. Die Liebe ist stumm, nur die Poesie kann für sie sprechen.
Laß tief in dir mich lesen, Verhehl auch dies mir nicht, Was für ein Zauberwesen Aus deiner Stimme spricht? So viele Worte dringen Ans Ohr uns ohne Plan, Und während sie verklingen, Ist alles abgetan. Doch drängt auch nur von ferne Dein Ton zu mir sich her, Behorch ich ihn so gerne, Vergeß ich ihn so schwer! Ich bebe dann, entglimme Von allzurascher Glut: Mein Herz und deine Stimme Verstehn sich gar zu gut!
Liebe nennen sie diesen schmeichelnden Wahnsinn. Hüte dich, an dieses Blendwerk zu glauben, das uns die Dichter so lieblich malen.
Der bloße gesunde Mensch hört, sieht, fühlt, spricht; dem Gebildeten aber wird das Gehör zur Musik, das Gesicht zur Malerei, das Gefühl zur Gestalt und die Sprache zur schönen gebildeten Sprache, alle seine Bildung und seine Liebe zu verkündigen.
Erfüllung Verhaltenes Geigengeriesel Zittert in mein Gemach – Ich horche auf ... und denke Den stillen Tönen nach ... Sie betasten meine Seele Liebkosend, scheu und mild – Es kommt in werbender Schöne Zu mir dein liebes Bild ... Das ist eine alte Geschichte – Man sieht's auf den ersten Blick: Ein lyrischer Dichter wird immer Das Opfer diskreter Musik ... Sie flockt so krauses Getändel, Sie plaudert entzückendes Zeug – Sie stöbert aus Seelengründen Vergeßner Gefühle Gesträuch! Auch mich hat sie ergriffen ... Tiefinnerstes aufgewühlt – Wie sehr ich dich doch liebe: Das habe ich da erst gefühlt! Nun schweigen die stillen Töne, Und alles hat sich erfüllt – Und in unendlicher Schöne Schau' ich dein liebes Bild ...
Die Loreley Ich weiß nicht was soll es bedeuten Daß ich so traurig bin; Ein Märchen aus alten Zeiten, Das kommt mir nicht aus dem Sinn. Die Luft ist kühl und es dunkelt, Und ruhig fließt der Rhein; Der Gipfel des Berges funkelt Im Abendsonnenschein. Die schönste Jungfrau sitzet Dort oben wunderbar, Ihr gold'nes Geschmeide blitzet, Sie kämmt ihr goldenes Haar. Sie kämmt es mit goldenem Kamme Und singt ein Lied dabey; Das hat eine wundersame, Gewaltige Melodei. Den Schiffer, im kleinen Schiffe, Ergreift es mit wildem Weh; Er schaut nicht die Felsenriffe, Er schaut nur hinauf in die Höh'! Ich glaube, die Wellen verschlingen Am Ende Schiffer und Kahn; Und das hat mit ihrem Singen Die Loreley gethan.
Möchte rollend das Blut aller Verliebten sein Ich möchte mir Freuden wie aus roten Steinbrüchen brechen, Möchte Brücken schlagen tief in die Wolken hinein; Möchte mit Bergen sprechen wie Glocken in hohen Türmen, Wie Laubbäume ragen und mit den Frühlingen stürmen Und wie ein dunkler Strom der Ufer Schattenwelt tragen. Fiel gern als Abenddunkel in alle Gassen hinein, Drinnen Burschen die Mädchen suchen und fassen. Möchte rollend das Blut aller Verliebten sein Und von Liebe und Sehnsucht niemals verlassen.
Erst mit der Liebe kommt Klang in die Menschensprache.
Liebe Du hast deinen brünstigen Leib mir geschenkt, Mit rasender Wollust das Hirn mir durchtränkt – Ich aber ich dürste nach Liebe. Der Wollust berauschender Opiumwein, Er lullt ja die brennende Sehnsucht nur ein, Die brennende Sehnsucht nach Liebe. Im Wahnwitzgejauchz' dionysicher Gier Aufzittert noch immer, noch immer in mir – Die schreiende Sehnsucht nach Liebe.
Die Liebe ist die höchste Poesie, sie ist die weinende, jauchzende, spielende Musik.