Liebe Sprüche – poetisch
89 Sprüche gefunden
Laß dich mit gelinden Schlägen Rühren, meine zarte Laute! Da die Nacht hernieder thaute, Müßen wir Gelispel pflegen. Wie sich deine Töne regen, Wie sie atmen, klagen, stöhnen, Wallt das Herz zu meiner Schönen, Bringt ihr aus der Seele Tiefen Alle Schmerzen, welche schliefen; Liebe denkt in süßen Tönen.
Nicht alle Liebenden sind Dichter, bei weitem nicht. Gott sei Dank! Aber es gibt etwas, das alle Liebenden mit Dichteraugen sehen: das geliebte Objekt.
Liebe O Liebe, du Morgentraum, Geboren kaum, Und weise wie die Ewigkeit, Im Greisenhaar Noch mild und klar, Noch fühlend und spielend Wie Kindlein in der Weihnachtszeit. O Liebe, du Zauberwort, Klingst fort und fort Wie Wellenschlag der Ewigkeit. Du Melodie Und Harmonie Von Wonnen, zerronnen In Tönen fließet Raum und Zeit. O Liebe, von dir empfing Der Schmetterling Des Blütenlebens zarten Keim. O Wonnepreis! Im Blumenkreis Zu nippen mit Lippen Die Küsse gleich dem Honigseim. O Liebe, du Lebensquell, Du Bächlein hell, Verbreitest Kühlung um mich her, O labe mich, Ich sink' in dich So selig, so wählig Wie Fischlein in dem Muttermeer.
Mit Leib und Seel' Manchmal im Traume meiner Nacht Umschling' ich sie mit tiefer Glut In ihrer ganzen nackten Pracht Und tu, was heiße Liebe tut … Doch wenn sie dann am Tage mir Begegnet, keusch und rein wie je, Schäm' ich so bitter mich vor ihr, Daß ich ihr kaum ins Auge seh'. Sie aber lächelt still und fein, Als wüßte sie, was ich verhehl' Und spräche: Kann es anders sein Wenn du mich liebst mit Leib und Seel'? Und hast du nie daran gedacht, So keusch ich dir am Tage schien, Ob nicht die Träume meiner Nacht Dieselben irren Wege ziehn?
Oh, wie mir schweren Dranges Das Herz im Leibe bebt, Wenn sie so leichten Ganges An mir vorüberschwebt! Herab vom Rücken weht Ein blendend weißer Schauer; Durch ihre Augen geht Ein wunderbares Feuer; Die schwarzen Locken wühlen Um ihres Nackens Fülle; Der Leib, der Busen fühlen Sich eng in ihrer Hülle. Allüberall Bewegung, Allüberall Entzücken, Daß sich in toller Regung Die Sinne mir berücken, Daß wunderbaren Dranges Das Herz im Leibe bebt, Wenn sie so leichten Ganges An mir vorüberschwebt! Narzissen blühn und Rosen Um himmelblauen Kleide, Darunter flammen Hosen Von feuerroter Seide – Die kleinen, zarten Füße, Die weichen, feinen Hände, Der Mundrubin, der süße, Der Zauber ohne Ende! Oh, wie mir schweren Dranges Das Herz im Leibe bebt, Wenn sie so leichten Ganges An mir vorüberschwebt!
Pygmalion An diesen Lippen, diesen Augen Die Welt vergessend, hinzuhangen Und aus den rosenroten Wangen Des Lebens Überfluß zu saugen An dieses Busens reiner Fülle Die Schmerzen meiner Brust zu wiegen Und auf des Schoßes Fried und Stille Mit tränenmüdem Haupt zu liegen Das war mein Wunsch – das ist mein Grämen – Und soll mir doch kein Schicksal nehmen.
Lobgesang Wie das Meer ist die Liebe – unaufhörlich, unergründlich, unermeßlich: Woge um Woge drängend getrieben, Woge um Woge wühlend verschlungen, sturm-und-wettergeworfen nun, sonnelachend nun, bebend nun dem Mond die rastlos wechselnde Fläche, – doch in der Tiefe leises Fluten ewiger Ruhe, unerschüttert, undurchdringlich dem suchenden Blick, matt verdämmernd in nächtiges Dunkel, – und in der Weite sanftes Wallen ewiger Ruhe, unbewegt, unerfaßlich dem suchenden Blick, still verschwimmend in Himmelslüfte, – Ahnung der Unendlichkeit — ist das Meer, ist die Liebe.
Flüstern, scheues Atmen, Wanken, Nachtigallenschlag, Silberhelles, müdes Schwanken, Eines Bachs am Hag, Licht und Schatten, nachtumschlungen, Schatten und sonst nichts, Blendende Veränderungen Eines Angesichts, Rosenglut in Rauchfontänen, Bernstein – glanzumloht, Und die Küsse und die Tränen Und das Morgenrot!...
1. Welcher Lebendige, Sinnbegabte, Liebt nicht vor allen Wundererscheinungen Des verbreiteten Raums um ihn Das allerfreuliche Licht – Mit seinen Stralen u[nd] Wogen Seinen Farben, Seiner milden Allgegenwart Im Tage. Wie des Lebens Innerste Seele Atmet es die Riesenwelt Der rastlosen Gestirne Die in seinem blauen Meere schwimmen, Atmet es der funkelnde Stein, Die ruhige Pflanze Und der Tiere Vielgestaltete, Immerbewegte Kraft –
Die schönen Frauen Sie sind so schön, die schönen Frauen, Wenn die Augen zitternd schauen Und der Sehnsucht gleitende Schlösser bauen. Doch nie sind sie schöner, die schönen Frauen, Als wenn die Augen sich schließen müssen, Und die dunklen Wangen zeigen: Seht, mich hielt der Geliebte in Küssen, Und sein Blut ist mein eigen.
Ich sah sie zum erstenmal … sie gefiel mir nicht: Es ist an ihr nichts schönes Als ihre schwarzen schwarzen haare. Mein mund berührte sie flüchtig eines tags Und sehr gefielen mir ihre haare Und auch ihre hand… Es ist an ihr nichts schönes Als ihre haare – ja – und ihre feine hand. Ich drückte sie etwas wärmer eines tags Und sehr gefiel mir ihre hand Und auch ihr mund. Heute ist nichts mehr an ihr Was mir nicht sehr gefiele Was ich nicht glühend anbetete.
Wundernacht In den Strahlen des Monds, die zur Erde staunen, Ist mein Gärtchen ein herrlicher Garten geworden, Voll Blumen der seltensten Arten geworden, Die Märchen duften und Düfte raunen. Und mein blühender, glühender Goldregenstrauch Läßt zu des Pfades silbernen Kieseln, Wie ein Springbrunn, die Goldtropfen niederrieseln, Und die Tropfen verstäuben berauschenden Hauch. Und mir ist und ich kann mich nimmer besinnen; Will den Goldregen sacht auseinanderbiegen, Ob nicht eine Danae da mag liegen, Den mondweißen Leib an mich zu schmiegen; Und daß ich heut Nacht sie mir könnte gewinnen…
Ich liebte sie, Verschlossen war sie, stille; Und ihrer Schönheit Fülle Versiegte nie. Der Blume gleich, Glaubt ich die Welt verstecket, Wo nie ein Ton erwecket, Ihr Herz wie reich. Du liebe Zeit, Da fängt sie an zu sprechen, Will mir das Herze brechen, Ach, wie sie schreit; Ich fühl mich arm, Nun sie sich reicher fühlet, Wie ist mein Herz erkühlet, Was einst so warm.
Wie seltne Sprachgewandtheit nicht Besitzt mein Lieb, das junge, Das mit den Augen fert'ger spricht Als andre mit der Zunge. O welch ein reicher Wörterschatz In diesem offnen Briefe! Da ist ein Blick ein ganzer Satz Von unerforschter Tiefe. Sie haben Liebe blind gemalt, Man sollte stumm sie malen; Die Sprache, die dem Aug' entstrahlt, Ersetzt des Schweigens Qualen. Das ist die Sprach', in der allein Die Seligen in Eden, Die Sprach', in der im Frühlingshain Sich Blumen unterreden. Das ist die Sprache, deren Schrift Im lichten Zug der Sterne, Geschrieben von der Liebe Stift, Durchblinkt die ew'ge Ferne. Die Sprache, vom Verstande nicht, Nur vom Gefühl verstanden, Darum in dieser sich bespricht Die Lieb' in allen Landen.
Amor, ein Sprachlehrer Amor ist ein Sprachverderber, Wortverdreher, Lautverwirrer, Der beim großen Thurm zu Babel Schon die Händ' im Spiele hatte. Wenn ich weine, raunt er leise Mir in's Ohr etwas von Wonne; Wenn ich schmachte, läßt er dennoch Reden mich von Seligkeiten. In dem lauten Schwarm der Feste Muß ich, diesem Lehrer folgend, Sagen, daß ich einsam stehe, Und im einsam stillen Haine Darf ich mich allein nicht nennen. Bittersüß und lieblichherbe, Grausam mild und labend schmerzlich, Solche Reden hat er viele Stehn in seinem Wörterbuche, Das die größten Sprachgelehrten Mir nicht auszudeuten wagen, Und mit dem ich alle Tage Mehr mein bißchen Deutsch verlerne.
Schönheit Schönheit stirbt in der Masse; sie wird im Maße geboren; Aber das Schönste doch ist das Unermeßliche mir.
Der Tanz Und so bist du mein: im Tanze, Still das Haupt, in läss'ger Ruh. Deine Augen, feucht, im Glanze, Winken, blinken, sinken zu. Und im Ruhen und im Schweben Hüllt dich meine Sehnsucht ein; So dem Tanze hingegeben, Wirst du's bald der Liebe sein.
Ach, mich tötet ihr Gesinge Von erlognen Liebesschmerzen.
Demokratische Wut gegen das Besingen der Liebe – warum die Rose besingen, Aristokrat! besing die demokratische Kartoffel, die das Volk nährt!
Blüte Diamanten wandern übers Wasser! Ausgereckte Arme Spannt der falbe Staub zur Sonne! Blüten wiegen im Haar! Geperlt Verästelt Spinnen Schleier! Duften Weiße matte bleiche Schleier! Rosa, scheu gedämpft, verschimmert Zittern Flecken Lippen, Lippen Durstig, krause, heiße Lippen! Blüten! Blüten! Küsse! Wein! Roter Goldner Rauscher Wein! Du und Ich! Ich und Du! Du?!
Dämmerung Wie lieb' ich jene Zeit, wenn schwach und schwächer Der Tag verhallt mit seinen lauten Stimmen, Und wenn im Grau der Dämmerung verschwimmen Bastei und Aquaedukt und flache Dächer! – Denn, wenn die Nacht ausspannt den dunkeln Fächer, Darin der Sterne Diamanten glimmen, Wenn Nachtigallen zum Gesange stimmen, Dann, scheuen Schritts, verläßt du die Gemächer. Ich aber harre dein, wo unter düstern Weinranken, die die laue Nachluft würzen, Mich Marmorsphynxen anseh'n weiß und lüstern, Bis du dich nah'st, in meinen Arm zu stürzen, Und fester nur mit deinem süßen Flüstern Des eig'nen Lebens Räthsel mir zu schürzen.