Liebe Sprüche – romantisch

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Seele der Liebenden Einmal schon liebte ich dich Und das Meer, das Meer. Doch lichter waren damals Die Seelen, ungetrübt Von dunklen Taten. Es sangen unsere Liebe Strahlend die Sterne, Und das Meer, das Meer. Wieviel hundert Jahre Sind seitdem vergangen, Wieviel Leiden und Tode Und Sterne. Wo blieben Die Seelen so lange? Wir halten uns schweigend Die schauernden Hände. Wir blicken uns tief In die fragenden Augen. Noch singen die Sterne Und das Meer, das Meer. Aber unfaßbar ewig Ist die Vergangenheit Der menschlichen Seele.

Stoecklin, Lyrik und Prosa, hg. von Beatrice Mall-Grob, Verlag Paul Haupt, Bern 1994

Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden.

Sellmair (Hg.), Weisheit unterwegs. Worte der Meister, 1941 (3. Auflage 1948). Wird auch Clemens Brentano zugeschrieben

Späte Einsicht Die Lieb' ist wie die Sonne, Verwegner Uebermuth, Der schaudernd in der Wonne Der heißen Lebensgluth, Den Lichtquell zu ergründen, In seine Tiefe blickt, Muß da zuletzt erblinden Wo sich sein Herz entzückt. Doch wer nur still bescheiden Das sanfte Licht genießt, Woraus ein Meer von Freuden Für alle Wesen fließt, Wer nie die letzte Quelle, Nur ihre Wirkung sucht, Den labt die Sonnenhelle, Der keine Thräne flucht. So denk' ich oft und meine, Daß ich wohl gut gedacht. Doch wenn ich trostlos weine Hinaus in all' die Nacht, Wenn sich mein Auge wendet Zu Morgensternes Glanz, Da fühl' ich's nicht geblendet, Wohl aber blind es ganz.

Waiblinger, W., Gedichte. Lieder des Römischen Carnevals. Vermischte Gedichte. Erstdruck 1829. Originaltext

Die Liebe verrät sich durch untrügliche Zeichen.

Voltaire, Zadig oder das Schicksal (Zadig ou la destinée), 1747. Zitat der Figur Cador

Werbung Ja, Liebesgrüßen, Liebesleid, Die hast Du mir gelehret Du süße, stolze, schöne Maid, Nach der mein Herz begehret; Und ist mein Werben ungelenk, Und mag Dir's nicht behagen: Herzliebe, Traute, dann bedenk', Ich lernt' es erst vor Tagen! Ich bin ein Weih, der einsam zog In Wolken seine Kreise, Ein wilder Falk, der sich verflog; Nun bin ich müd der Reise; Nun dauert mich mein wirrer Flug, Gern möcht' ich Heimstatt grüßen: Der kleinste Platz wär mir genug, Geliebte, Dir zu Füßen!

David, J. J., Gedichte. Gesammelte Werke 1. Gedichte / Das Höferecht, R. Piper & Co., München und Leipzig 1908

Der wahrhaft Liebende ist erst dann befriedigt, wenn er alles, was er ist und wert ist, alles, was er besitzt und empfängt, dem Geliebten zubringt.

Cruz, Lebendige Liebesflamme (Llama de amor vita), 1618, dt. von Georg Philipp Harsdörffer, Nürnberg 1644

Nur was Dein ist, kann ich lieben. – Bleibe Dein! So bist du mein! ... Wär' ich immer mein geblieben, wär' ich wohl auch ewig Dein.

Mühsam, E., Gedichte. Gesamtausgabe, Band 1, Gedichte, hg. von Günther Emig, Verlag Europäische Ideen, Berlin 1983

Dämmerung Wie lieb' ich jene Zeit, wenn schwach und schwächer Der Tag verhallt mit seinen lauten Stimmen, Und wenn im Grau der Dämmerung verschwimmen Bastei und Aquaedukt und flache Dächer! – Denn, wenn die Nacht ausspannt den dunkeln Fächer, Darin der Sterne Diamanten glimmen, Wenn Nachtigallen zum Gesange stimmen, Dann, scheuen Schritts, verläßt du die Gemächer. Ich aber harre dein, wo unter düstern Weinranken, die die laue Nachluft würzen, Mich Marmorsphynxen anseh'n weiß und lüstern, Bis du dich nah'st, in meinen Arm zu stürzen, Und fester nur mit deinem süßen Flüstern Des eig'nen Lebens Räthsel mir zu schürzen.

Leuthold, H., Gedichte

Ohn lieb nichts dan leid Eh ich war liebend und geliebet, war mein herz niemal on verdruß, mein leben war allzeit betrübet, mein aug und herz voll finsternus: nichts mich damal mit trost erlabet, noch einiges wollusts begabet. Nun ist es mit mir anders worden, dan sidher ich lieb hab und bin und mich befind in der lieb orden, so ist all mein verdruß dahin: die lieb mich stets mit trost erlabet und ihres liechts und lusts begabet. Die schönheit, deren alles weichet, die mir und deren ich herzlieb, durch ihre lieb mich so bereichet, daß mir der himmel niemal trüb: mit ihrer kraft sie mich erlabet und alles guts und muts begabet. Der früling bring wind oder regen, der sommer sei voll hitz und staub, wie tief der winterschnee gelegen und in dem herbst fall frucht und laub: so bleib doch reichlich ich begabet und allzeit durch die lieb erlabet. Das erdreich mag zerspringend beben, der luft schieß dunder, stral und blitz, das meer mag seine flut erheben und netzen gar der sternen sitz: so bleib ich reichlich doch begabet und von der lieb mit lieb erlabet. Das volk mag schwören, spilen, saufen, die fürsten schänden gleich das land, die ganze welt fall gleich zu haufen voll krieg, untreu, blut, greuel, schand: so bleib doch reichlich ich begabet, von meiner süßen lieb erlabet.

Weckherlin, Gedichte. Frühe Gedichte entstanden und gesammelt 1618/19; spätere Gedichte in: Gaistliche und Weltliche Gedichte, Amsterdam 1641, erweitert 1648

Bergsee Wie ist der See zur Mittagstund Glasklar und wasserrein. Komm, wirf den kleinsten Kieselstein Ihm in das grüne Herz hinein, Du siehst ihn bis zum Grund. So ist mein Herz für dich bereit Glasklar und wasserrein. Komm, schau getrost und tief hinein, Und was du siehst ist dein, ist dein, In alle Ewigkeit.

Gulbransson, Gedichte, Berlin 1914

Blind Wo du säst Liebe aus, In Traum verloren, Wird dir in tiefer Nacht Zartes geboren. Blind wirfst du Liebe hin, Blinder drängt dichte Dir sich die Ernte hin –: Weinst du Gedichte.

Sorge, R. J., Gedichte. Nachgelassene Gedichte, Vier Quellen Verlag, Leipzig 1925

O Meer der Liebe, von dem nur der Ertrinkende, nicht der Darüberfahrende weiß!

Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, 3 Bde., 1930-43

Was für eine dunkle, sonderbare Vorstellung, daß die Liebe zur Erhaltung der menschlichen Gattung da sei, wie die Befriedigung des Hungers zur Erhaltung des Leibes. Die Erregung des Blutes ist wegen der Fortpflanzung da, aber nicht die Liebe, nicht die Liebe.

Dohm, Werde, die Du bist, 1894. Originaltext

Willst du? Willst du mit mir auf die Berge steigen, heimlich und still, daß uns niemand sieht, des Nachts, wenn alle Herzensquellen schweigen und die große Sehnsucht erwacht und glüht? Willst du? Dann zeigʼ ich dir unten die goldenen Lande, wo meine lebendigen Brunnen springen, wo purpurne Lilienglocken klingen am buntumspülten kristallnen Strande. Willst du mit mir auf der Höhe knieen, wenn Mitternacht Schlummer über uns gießt, wenn die Sterne in ruhigem Wandel ziehen und Seele in Seele überfließt? Willst du? Dann lös' ich mit trunken bebender Hand deines Haares wallende Herrlichkeit, dann lös' ich dein staub'ges Erdengewand und hülle dich in mein Königskleid! Willst du, wenn uns Atem des Lebens umquillt, wenn Talesglocken und Seufzer verwehten, wenn die Seele dem Dunkel entgegenschwillt, willst du mit mir zur Mitternacht beten? Willst du? Dann küß' ich deinen rotglühenden Mund aus tiefster Seele aufquellender Macht, dann grüß' ich dein leise zitterndes Haar und nenne dich Sehnsucht und Mitternacht

Mauthner (Hg.), Nachgelassene Schriften von Walter Calé, hg. von Fritz Mauthner, Berlin 1910

Wer für seine Liebe Dank erwartet, liebt nicht.

Seidel, Aus dem Tagebuch der Gedanken und Träume, 1946

Manbraucht nichts,wo sich Herz zu Herz gefunden; Man lebt schon halb, wenn man sich täglich sieht.

Ibsen, Komödie der Liebe (Kjærlighedens Komedie), 1862. 1. Akt, Frl. Elster

Wie Liebe tiefe Kunde gibt! – Da wird an Dinge, dumpf geahnt, In ihren Küssen tief gemahnt ...

Hofmannsthal, H., Gedichte. Aus: Weltgeheimnis, Ausgabe 1924. Hier Erstdruck 1896

Wie oft wir selbst auch zu lieben heucheln mögen, wir glauben stets aufrichtig geliebt zu werden.

Rée, Psychologische Beobachtungen, 1875

Ist die Macht der Liebeunwiderstehlich, oder kann der Reiz einer Person so stark auf uns wirken, daß wir dadurchunvermeidlichin einen elenden Zustand geraten müssen, aus welchem uns nichts als der ausschließende Besitz dieser Person zu ziehen im Stande ist?

Lichtenberg/Kries (Hg.), Georg Christoph Lichtenberg's vermischte Schriften, nach dessen Tode gesammelt und hg. von Ludwig Christian Lichtenberg und Friedrich Kries, 9 Bde., 1800-1806 (neue Ausgabe in 5 Bänden 1817). Über die Macht der Liebe, 1777

Welche Torheit von dem zu sprechen, was man liebt! Was gewinnt man dabei? das Vergnügen, selbst einen Augenblick bewegt zu werden durch den Widerschein der Seelenbewegung in Andern. Aber ein Dummkopf, den es ärgert, daß du allein sprichst, wirft etwa ein Witzwort hin, das dir deine Erinnerungen beschmutzen wird. Daher kommt vielleicht die Keuschheit der wahren Leidenschaft, die die gemeinen Seelen nachzuahmen vergessen, wenn sie die Leidenschaft spielen wollen.

Stendhal, Aphorismen aus Stendhal. Ueber Schönheit, Kunst und Kultur. Ausgezogen und in deutscher Uebersetzung zusammengestellt von Benno Rüttenauer, Straßburg 1901

An Apollon Es ist am Abend im April. Der Käfer kriecht ins dichte Moos. Er hatsoAngst – die Weltsogroß! Die Wirbelwinde hadern mit dem Leben, Ich halte meine Hände still ergeben Auf meinem frommbezwungenen Schoß. Ein Engel spielte sanft auf blauen Tasten, Langher verklungene Phantasie. Und alle Bürde meiner Lasten, Verklärte und entschwerte sie. Jäh tut mein sehr verwaistes Herz mir weh – Blutige Fäden spalten seine Stille. Zwei Augen blicken wund durch ihre Marmorhülle In meines pochenden Granates See. Er legte Brand an meines Herzens Lande – Nicht mal sein Götterlächeln Ließ er mir zum Pfande.

Lasker-Schüler, E., Gedichte. Mein blaues Klavier, 1943