Liebe Sprüche – trauerkarte

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Seele der Liebenden Einmal schon liebte ich dich Und das Meer, das Meer. Doch lichter waren damals Die Seelen, ungetrübt Von dunklen Taten. Es sangen unsere Liebe Strahlend die Sterne, Und das Meer, das Meer. Wieviel hundert Jahre Sind seitdem vergangen, Wieviel Leiden und Tode Und Sterne. Wo blieben Die Seelen so lange? Wir halten uns schweigend Die schauernden Hände. Wir blicken uns tief In die fragenden Augen. Noch singen die Sterne Und das Meer, das Meer. Aber unfaßbar ewig Ist die Vergangenheit Der menschlichen Seele.

Stoecklin, Lyrik und Prosa, hg. von Beatrice Mall-Grob, Verlag Paul Haupt, Bern 1994

Bergsee Wie ist der See zur Mittagstund Glasklar und wasserrein. Komm, wirf den kleinsten Kieselstein Ihm in das grüne Herz hinein, Du siehst ihn bis zum Grund. So ist mein Herz für dich bereit Glasklar und wasserrein. Komm, schau getrost und tief hinein, Und was du siehst ist dein, ist dein, In alle Ewigkeit.

Gulbransson, Gedichte, Berlin 1914

Blind Wo du säst Liebe aus, In Traum verloren, Wird dir in tiefer Nacht Zartes geboren. Blind wirfst du Liebe hin, Blinder drängt dichte Dir sich die Ernte hin –: Weinst du Gedichte.

Sorge, R. J., Gedichte. Nachgelassene Gedichte, Vier Quellen Verlag, Leipzig 1925

An Apollon Es ist am Abend im April. Der Käfer kriecht ins dichte Moos. Er hatsoAngst – die Weltsogroß! Die Wirbelwinde hadern mit dem Leben, Ich halte meine Hände still ergeben Auf meinem frommbezwungenen Schoß. Ein Engel spielte sanft auf blauen Tasten, Langher verklungene Phantasie. Und alle Bürde meiner Lasten, Verklärte und entschwerte sie. Jäh tut mein sehr verwaistes Herz mir weh – Blutige Fäden spalten seine Stille. Zwei Augen blicken wund durch ihre Marmorhülle In meines pochenden Granates See. Er legte Brand an meines Herzens Lande – Nicht mal sein Götterlächeln Ließ er mir zum Pfande.

Lasker-Schüler, E., Gedichte. Mein blaues Klavier, 1943

VI. Nun geht ein leiser Wind In den Gezweigen, Die weiß von Blüten sind. Der junge Tag ersteht. Die Wälder schweigen Vor Gott, der sinnend geht. Tauschwere Lanzen tief Die Halme neigen. Mir ist, ein Vogel rief –? O spiel, du Silberbirkenbaum, Auf deinen alten Geigen Ihr in den letzten Morgentraum: Sich neigen Und schweigen Kann meine Liebe kaum, Sich neigen Und schweigen –.

Marti, Der Kelch. Gedichte, Basel 1925. Birkenlieder

Ich gleite hin Ich hab mein Weh, Ich hab mein Leid, Ich fahre in Die Ewigkeit. Ich gleite hin In süßen Schatten, Ich ahne viel Die lichten Matten. Schon hör ich Spiel Wie Flötentöne; Es herzt mich schon Die ewige Schöne.

Sorge, R. J., Gedichte. Nachgelassene Gedichte, Vier Quellen Verlag, Leipzig 1925

Und wenn ich sterben dürfte an einem Kusse von dir.

Motte Fouqué, Undine, 1811

Wohl schwinden die Tage in einsamer Trauer, Das Leben versinket in stürmische Nacht; -- Der Augenblick einzig hat ewige Dauer, Wo freundlich dem Herzen die Liebe gelacht.

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Wer Liebe liebt, will nicht ihr Leiden missen.

Zweig, Der Amokläufer, 1922

Die Seele ermattet über dem ewigen Einerley. Man stirbt zehn Jahre früher, als man nöthig gehabt hätte, und bildet sich ein: die menschliche Liebe gekannt zu haben, wenn man eine einzige ihrer tausendfältigen Nuancen kaum halb ergründet hat.

Fischer, Vierzehn Tage in Paris, 1801 (anonym). Siebenter Tag. Originale Rechtschreibung

Verinnerlicht (Meinem Doktor Benn) Ich denke immer ans Sterben Mich hat niemand lieb. Ich wollt ich wär still Heiligenbild Und alles in mir ausgelöscht. Träumerisch färbte Abendrot Meine Augen wund verweint. Weiß nicht wo ich hin soll Wie überall zu dir. Bist meine heimliche Heimat Und will nichts Leiseres mehr. Wie blühte ich gern süß empor An deinem Herzen himmelblau – Lauter weiche Wege Legte ich um dein pochend Haus.

Lasker-Schüler, Gesammelte Gedichte, 1917

Hielt Liebe, trotz Leben, die Seele dir weich: So bist du ein Ganzer, den Würdigsten gleich.

Skorra, Wovon mein Herz sich freigesungen, 1905. Aus: Idealistin

In der Liebe übertroffen zu werden ist überaus beschämend.

Plinius der Jüngere, Briefe (Epistulae). Buch IV, Brief 1: C. Plinius Fabato Prosocero Suo S. Übers. Internet Originaltext: Nam vinci in amore turpissimum est

Es ist nämlich von Natur aus so, dass nichts in gleicher Weise die Liebe entflammt wie die Furcht vor Verlust.

Plinius der Jüngere, Briefe (Epistulae). Buch V, Brief 19: C. Plinius [Valerio] Paulino Suo S. Übers. Internet Originaltext: Est enim ita natura comparatum, ut nihil aeque amorem incitet et accendat quam carendi metus

Es gibt keine wirkliche Einsamkeit für das Herz, wenn es sich einmal verschenkt hat. Ein Loch entsteht, die Liebe füllt es auf. Sie richtet die Ruinen gleich wieder auf, sie füllt vorweg die Lücken.

Ramuz, Die Herrschaft des Bösen (Le règne de l'esprit malin), 1917. Übers. Internet

Mehr als mich wirst du die Erinnerung lieben, wenn das lebendige Bild hinter den Schleier entweicht, wenn nur der schwebende Hauch verwehender Worte geblieben, wenn dich der letzte Sinn versunkener Blicke erreicht. Dann werd ich ganz dein alterndes Leben umschließen, Einsamster unter den Menschen, daß nie deine Seele verdirbt. All meine inneren Quellen, die heut noch verborgen dir fließen, münden gestillt in dein Herz, und alles Leiden stirbt.

Liebenthal, Gedichte, 1921

Gedanke, der in Todestrauer führt: zu denken, daß man hat, was man verliert!

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Aus: Sonett LXIV. Übersetzt von Karl Kraus, 1933

Minne, du lehrst auch betrübte Menschen, mit strahlenden Augen zu lachen.

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Wer Tränen ernten will, muß Liebe säen.

Waldersee, Späne aus stiller Werkstatt. Aphorismen, 1908

Gleichbleibende Güte gegen jemanden, den wir bemitleiden, fordert nicht allzuviel Liebe; aber gleichbleibende Güte gegen den, der uns überwächst und in den Schatten stellt, die bedingt wahre Liebe.

Waldersee, Späne aus stiller Werkstatt. Aphorismen, 1908

Denen, die uns am bittersten kränkten, uns unheilbar verwundeten, Liebe zu erweisen, ist der Weg des Friedens für das eigne Herz.

Waldersee, Späne aus stiller Werkstatt. Aphorismen, 1908