Religion Sprüche – sinn

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Religionen sind wie Särge und Wiegen: man legt uns hinein, fragt keiner, wie wir liegen.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929

In jeder Epoche und in jeder menschlichen Gesellschaft gibt es einen religiösen Sinn dessen, was gut und dessen, was schlecht ist [...] und dieser religiöse Sinn entscheidet über den Wert der durch die Kunst ausgedrückten Gefühle.

Tolstoi, Gegen die moderne Kunst, 1898

Mir ist es klar, daß wir die Pflichten der Religion nur insoferne üben, als deren Dienst unseren Leidenschaften schmeichelt.

Montaigne, Essais, Erstdruck 1579, erste Gesamtausgabe 1595 (posthum)

Wer vorgibt, um der Religion willen Krieg zu führen, hat keine Religion.

Much, Akbar. Der Schatten Gottes auf Erden, 1924

Religionen sind die Friedhöfe des Geistes. Man kann nicht den Lebendigen bei den Toten suchen.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Religion ist die Art, wie man auf sein persönliches Schicksal antwortet.

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Den Menschen so zu machen, wie ihn die Religion haben will, gleicht dem Unternehmen der Stoiker; es ist nur eine andere Stufe des Unmöglichen.

Lichtenberg, Sudelbuch G, 1779-1788. [G 65]

Der Glaube, womit die Religion glaubt, nicht das, was dieser Glaube glaubt, ist die Bedeutung der Religion.

Vischer, Ästhetik oder Wissenschaft des Schönen. Zum Gebrauche für Vorlesungen, 1846

Ich gebe nicht viel auf die Religion eines Mannes, für dessen Hund oder Katze sie nichts Gutes bedeutet.

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Die Mißachtung der Religion führt zur Mißachtung der menschlichen Pflichten.

Rousseau, Emil oder über die Erziehung (Émile ou de l'éducation), 1762

Religion zu haben ist Pflicht des Menschen gegen sich selbst.

Kant, Die Metaphysik der Sitten, 1797. Zweiter Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre

Gottes Sache auf Erden verteidigen, natürlich zugunsten der andern, nicht gegen die andern!

Merian (Hg.), Trotzdem. 366 deutsche Gedanken und Gedichte, Gerhard Merian, Stuttgart-Degerloch, um 1926

Das Wesen jeder Religion besteht nur in der Antwort auf die Frage: wozu lebe ich und welches ist mein Verhältnis zu der mich umgebenden unendlichen Welt.

Tolstoi, Für alle Tage. Ein Lebensbuch. Erste vollständig autorisierte Übersetzung, hg. von Dr. E. H. Schmitt und Dr. A. Skarva, 2 Bde., Dresden 1906/07

Die Religion lehrt uns jedes beliebige Unglück, das unsere menschliche Berechnung durchkreuzen möchte, von vornherein berechnen. Die Religion hat den größten und einzigen Feind des Menschen, sie hat den Zufall in Ketten geworfen.

Wedekind, Die Zensur. Theodizee in einem Akt, 1907/08. Zweite Szene, Buridan

Wenn die Leistungen der Religion in bezug auf die Beglückung der Menschen, ihre Kultureignung und ihre sittliche Beschränkung keine besseren sind, dann erhebt sich doch die Frage, ob wir ihre Notwendigkeit für die Menschheit nicht überschätzen und ob wir weise daran tun, unsere Kulturforderungen auf sie zu gründen.

Freud, Die Zukunft einer Illusion, 1927. VII. Revision der Beziehung zwischen Kultur und Religion

Was soll der Blumenkranz am Halse, da ich doch keinen Hals habe? Was soll der Wohlgeruch des Räucherwerks, da ich doch keine Nase habe? Was soll Gesang und Tanz dem Ohre, da ich doch keine Ohren habe? Was soll die tiefe Verbeugung zu Füßen, da ich doch keine Füße habe?

Böhtlingk (Hg.), Indische Sprüche. Sanskrit und Deutsch, 3 Bde., 1863-65. Anmerkung: Der Götzendienst wird hier verspottet

Die Religion – und hier kommt vernünftige Überlegung der Geschichte zur Hilfe – ist also nur dazu da, uns in der anderen Welt das Heil zu sichern; da sie eine Angelegenheit des Glaubens ist, taugt sie nicht dazu, die Geister zu erleuchten.

Grimm, Paris zündet die Lichter an. Literarische Korrespondenz (Correspondance littéraire, philosophique et critique), hg. von Kurt Schnelle, übersetzt von Herbert Kühn, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung 1977. 1.1.1755. Originaltext der Übersetzung

Denn was soll mir Religion, wenn sie stocken bleibt?

Arnim, Die Günderode, 1840

Mönche sind diesseits des Paradieses weder im Frieden noch im Kriege von Nutzen oder eine Zierde.

Grimm, Paris zündet die Lichter an. Literarische Korrespondenz (Correspondance littéraire, philosophique et critique), hg. von Kurt Schnelle, übersetzt von Herbert Kühn, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung 1977. 1.7.1755. Grimm zitiert Cantillon (Originalquelle unbekannt)

Seltsam, dass die Menschen so gern für ihre Religion fechten und so ungern nach ihren Vorschriften leben.

Lichtenberg, Sudelbuch L, 1796-1799. 705

Genau dort, wo die Biologie aufhört, beginnt jede Religion.

Chesterton, Orthodoxy, 1908. Die Autorität und der Abenteurer (Authority and the Adventurer). Übers. Internet