Seele Sprüche

Sprüche über Seele

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Ziehe dich in dich selbst zurück. Die in uns herrschende Vernunft ist ja von der Natur, daß sie im Rechttun Heiterkeit und Selbstzufriedenheit findet.

Marc Aurel, Selbstbetrachtungen (Τὰ εἰς ἑαυτόν), entstanden vermutlich 170-180 n. Chr. 7,28. Übersetzt von Albert Wittstock, 1879

Psyche Die arme Waise, Sie seufzt und bebt; Aus dem Gehäuse Ihr Fittig strebt. Nach jedem Sterne Streckt sie die Hand; Dort glänzt – ach Ferne! Ihr Vaterland. Umsonst nach Klarheit Sehnt sich ihr Blick, Nach Lieb' und Wahrheit Ihr Geist zurück. Mit bunten Schranken Hemmt Sinnentrug Ihr der Gedanken Äther'schen Flug. Sie schlägt die Flügel Am Käfig wund; Ihr macht kein Spiegel Ihr Wesen kund. Die arme Waise Sie ringt und strebt Aus dem Gehäuse Und seufzt und bebt.

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Ich hoffe, daß sich einst erfülle Was uns das Leben auch verhehle, Und daß sich nach entseelter Hülle Uns zeige die enthüllte Seele.

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Eine zu schnelle Kur kündigt auch bei Seelen den Rückfall an.

Jean Paul, Hesperus oder 45 Hundsposttage. Eine Lebensbeschreibung, 3 Bde., 1795. Zweites Heftlein. 20. Hundposttag

Doch Schönres find' ich nichts, wie lang ich wähle, Als in der schönen Form – die schöne Seele.

Schiller, Die Huldigung der Künste. Ein lyrisches Spiel, Erstaufführung in Weimar am 12. November 1804. Poesie

Halte es für einen zuverlässigen Grundsatz: Wenn der Mensch wider das mystische Leben redet, so kennt er es nicht und hat keinen Begriff von der inneren Regeneration.

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Der Grund, warum dem einen das Erfreuliche und Erhebende, dem andern das Elend und die Täuschungen das Überwiegende scheinen, liegt nicht an den Dingen selbst, sondern in den Subjekten und ihrer verschiedenen Gemütsanlage.

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Seelen gibt es, die an Sterne mahnen, unbemerkt auf sonn'gen Alltagsbahnen; Dämmerung und Finsternis erst sagen euch, wieviel des Lichts sie in sich tragen.

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Die Welt, die ein jeder in sich trägt, ist das Wichtigste, und es liegt zum Teil in unserer eigenen Macht, sie groß und rein und schön zu gestalten, weder Ort noch Zeit, noch äußere Umstände können ihr was anhaben.

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Aus der Grundstimmung der Seele erwachsen die Taten.

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Kein anderer hat die Macht, eine rechte Seele, einen starken, kräftigen Willen umzuschaffen. Wo ein solches Hineingreifen in die heiligsten Menschenrechte vorkommt, da räumt die eigene Schwäche dem andern das Feld ein; denn was wir sind, das sind wir aus uns, durch uns selber, und niemand kann uns zu dem Werkzeuge seines Wollens machen, ohne unsere Zustimmung.

Verena, Ein Sohn des Südens. Roman, 1859

Die Seele selbst ist ihr eigener Richter und Hort. Kränke nicht deine erkenntnisfähige Seele – deinen höchsten inneren Richter.

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Tritt also der Tod den Menschen an: so stirbt, wie es scheint, das Sterbliche an ihm, das Unsterbliche aber und Unvergängliche zieht wohlbehalten ab, dem Tode aus dem Wege.

Platon, Phaidon, entstanden um 380 v. Chr. 106e. Übersetzt von Friedrich Schleiermacher, 1809

Dieselbe Sorgfalt wie auf den Körper muß man auch auf die Seele verwenden. Meist denkt man nicht daran und verletzt sie.

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Es ist doch ewig gewiß und zeigt sich überall: je unschuldiger, schöner eine Seele, desto vertrauter mit den andern glücklichen Leben, die man seelenlos nennt.

Hölderlin, Hyperion oder der Eremit in Griechenland, 2 Bde., 1797-99. Erster Band. Zweites Buch. Hyperion an Bellarmin

Es gibt Stunden, wo der Mensch sich seines Willens beraubt fühlt, wo er maschinenmäßig tut, was er nicht zu tun wünscht. Es ist, als ob die Seele sich aus dem Körper entfernt hätte und nun, über ihm schwebend, verwundert zusieht, was er alles beginnt. Der körperliche Mensch ist dann wie ein wildfremdes Wesen, und es ist der Seele wie ein Traum, daß sie dieses automatenhafte Wesen einmal beherrscht hat.

Boy-Ed, Nicht im Geleise. Roman, 2 Bände in einem Band, 1890

Das Schlimmste ist das verdorbene Beste.

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Unsere Toten leben fort in den süßen Flüssen der Erde, kehren wieder mit des Frühlings leisem Schritt, und es ist ihre Seele im Wind, der die Oberfläche der Teiche kräuselt.

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Wenn der Körper die Seele wegen der erlittenen Mißhandlungen verklagen wollte, so würde sie nicht loskommen.

Plutarch, Moralia (Moralische Schriften und Abhandlungen). Gesundheitsvorschriften, Kapitel 23, übersetzt von Joh. Christian Felix Bähr, 1829

Die scheidende Seele geht am letzten Herbsttag immer zu ihrem Frühling zurück.

Keller, P., Gedichte und Gedanken, 1933

Ist dir nie im lauten Gewühl des Tages ein Klang, ein Wort oder irgend ein anderer oft nur flüchtiger Eindruck vor die Seele getreten, den du trotz der Mannigfaltigkeit der dich umgebenden Verhältnisse, trotz des drängenden Ernstes deiner Geschäfte, trotz deines Glücks oder deines Kummers nicht wieder vergessen konntest? – Nicht das Große, sondern das Kleine beherrscht unsere Stimmungen, und solche unscheinbare Momente lassen uns oft auf Tage lang nicht aus ihren Banden.

Eckstein, Am Grabmal des Cestius, 1874