Seele Sprüche

Sprüche über Seele

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Nur Quacksalber streichen auf jegliche Wunde gleich einen heilenden Balsam oder gar ein Heftpflaster; es gibt Wunden, die ausbluten, auseitern müssen, wenn sie gut heilen sollen. So ist's auch mit den Seelenwunden und Eiterbeulen.

Gotthelf, Leiden und Freuden eines Schulmeisters, 1838-39. Zweiter Teil, 2. Kapitel: Ach Gott! wenn die Liebe nicht wär, wie vernünftig man wär!

Seelenwanderung Wohl tausendmal schon ist er hier Gestorben und wieder geboren, Sowohl als Mensch wie auch als Tier, Mit kurzen und langen Ohren. Jetzt ist er ein armer blinder Mann, Es zittern ihm alle Glieder, Und dennoch, wenn er nur irgend kann, Kommt er noch tausendmal wieder.

Busch, W., Gedichte. Zu guter Letzt, 1904

Es ist mit des Menschen Gemüt wie mit dem Meere. Hat der Sturm auch ausgetobt, so wogt und brandet es noch lange stärker als sonst und untereinmal schäumt wieder ein nachzügelnder Wellensturz gewaltig auf und jagt die Möwen vom Fels.

Scheffel, Ekkehard. Eine Geschichte aus dem zehnten Jahrhundert, 1855. 21. Kapitel: Verstoßung und Flucht

In der Tat ist es für unsere Gemütsruhe außerordentlich wichtig, daß man vor allem auf sich selbst das Auge richtet und auf das uns Angemessene, andernfalls aber mehr auf die blickt, die schlimmer daran sind als wir, und nicht, wie es meistens der Fall ist, auf die über uns Stehenden.

Plutarch, Moralia (Moralische Schriften und Abhandlungen). Von der Gemütsruhe. Übersetzt von Otto Apelt, 1926

Es gibt zweierlei Art von glücklicher Gemütsverfassung: 1) Die Gemütsruhe oder Zufriedenheit (gutes Gewissen); 2) das stets fröhliche Herz. Das erste wird unter der Bedingung, dass man sich keiner Schuld bewusst sei durch eine klare Vorstellung von der Nichtigkeit der Glücksgüter; das zweite ist ein Geschenk der Natur.

Erdmann (Hg.), Reflexionen Kants zur Anthropologie. Aus Kants handschriftlichen Aufzeichnungen (= Reflexionen Kants zur kritischen Philosophie, Band 1), hg. von Benno Erdmann, 1882

In jedem großen Leben wird ein Augenblick eintreten, wo die Seele empfindet, daß sie nicht in der gegenwärtigen Welt aufgeht, und sich von derselbigen zurückzieht.

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Jede Seele aber, die zu tief fühlt, ist ein Ballon, der in den Himmel steigen möchte, und der die Grenzen der Atmosphäre nicht überschreiten kann.

Tillier, Mein Onkel Benjamin (Mon oncle Benjamin), 1843

Große Seelen sind nicht leicht zu erkennen, sie halten sich zurück; gewöhnlich bemerkt man nur eine gewisse Eigenheit. Es gibt mehr große Seelen als man glaubt.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

Möwenlied So fliege, Du Möwe Der Seele, hinaus Und wiege Dich höher Und tiefer im Braus! Es lebt sich Das Leben Noch einmal so schön, Wenns hebt sich Und senkt sich In Wonnen und Wehn. Laß spritzen Die Wogen, Laß schäumen den Gischt, Kommts blitzend Geflogen, Hei wie das erfrischt! Und wills dich Verstimmen, Wenn Sumpfvögel schrein, So wirf dich Zum Schwimmen In offene Meere hinein! So fliege, Du Möwe Der Seele, hinaus, Und wiege Dich höher Und wage dich tiefer im wogenden Braus!

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Man kann keinem Menschen ins Herz schaun; viel weniger in die Seel', denn die steckt noch hinter dem Herzen.

Friedell (Hg.), Das ist klassisch! Nestroy-Worte, hg. von Egon Friedell 1922

Die wahre Vermählung aufrichtiger Seelen besteht zwischen zwei Menschen, die einen genau gleich gestimmten Sinn für Humor oder Ironie haben, so daß ihre gemeinsamen Blicke auf irgendein beliebiges Thema sich bündeln, wie die aufeinandertreffenden Strahlen von Suchscheinwerfern.

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Es war das große Traurige, daß eine Seele stets allein ist.

Jacobsen, Niels Lyhne, 1880. 14. Kapitel

Die Schönheit des Körpers zieht an, die der Seele bindet.

Vogel, Im zeitlosen Strome. Randbemerkungen des Lebens, 1913

Vornehme Seelen sind also die, welche auf das Hauptziel der gewöhnlichen Seelen, den egoistischen Genuß des Lebens, prinzipiell verzichten, um sich der Hebung des gesamten Geschlechtes um so wirksamer widmen zu können.

Hilty, Glück, 3 Bde., 1890-99. Zweiter Band

Wie wenig vermögen wir selbst die Vorgänge in unserem Seelenleben zu begreifen – und fassen sie verkehrt und ungeschickt auf, wie es einem fremden, unparteiischen Blicke gar nicht einmal möglich sein würde, und erst wenn hereinbrechende Katastrophen vorüber sind, erkennen wir, daß wir ihr Eintreten vorher gefühlt und gewußt haben.

Marlitt, Das Geheimnis der alten Mamsell, 1868

Es ist dem Sterblichen selten gegeben, einen Kampf recht auszukämpfen, wie hoch er seine Seele auch heben mag in göttlichen Stunden, hinunter auf die Erde muß sie wieder.

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Es gibt schmutzige Seelen, geknetet in Schmutz und Tod, von Gewinnsucht und Eigennutz ganz besessen, nur einer einzigen Begierde fähig, nämlich zu erwerben und nichts zu verlieren; derartige Leute sind weder Eltern noch Freunde, noch Bürger noch Christen, ja vielleicht nicht einmal Menschen: sie haben Geld.

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Eine schöne Seele nennt man es, wenn sich das sittliche Gefühl aller Empfindungen des Menschen endlich bis zu dem Grad versichert hat, daß es dem Affekt die Leitung des Willens ohne Scheu überlassen darf und nie Gefahr läuft, mit den Entscheidungen desselben im Widerspruch zu stehen.

Schiller, F., Theoretische Schriften. Über Anmut und Würde, 1793

Dass wir ein Inneres besitzen, von dem wir die Welt ausschließen können, in das auch kein König einbrechen kann, das ist doch ein herrliches Gefühl!

Pauly, Aphorismen, 1905

Da sollte man mit seiner Seele verfahren wie jemand, der in seinem Hause einen Raum sucht, wo er am ungestörtesten ist. Denn alles könne die Seele ertragen, nur keinen Lärm. Sie ist still und geheimnisvoll wie das Lautlose, aus dem der Getreidehalm wächst und der Klee blüht. Die mit Gedonner laufen wie ein Pferd, kämen nie, niemals zu ihr.

Stehr, Der Heiligenhof, 2 Bde., 1918. Drittes Buch, 3. Kapitel

Bei dem Gestalten seiner inneren Welt helfen dem einen die großen Baumeister aller Zeiten, dem andern die Schulmeister, dem dritten die Narren.

Pauly, Aphorismen, 1905