Seele Sprüche – philosophisch

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Während gelehrte Fakultäten über stets veränderte Tiefe hüpfen wie Irrlichter, steht Psyche in hellen Flammen, sobald man Bodenschätze des Unterbewußten entdeckt.

Bleibtreu, Der Aufgang des Abendlandes, 1925 (unter dem Pseudonym John Macready veröffentlicht)

Wissen wir, was die Seele tut, während wir schlafen?

Sylva, Geflüsterte Worte. Essays und Lyrik, 5 Bde., 1903-1912. Aus: Über die Seele

Wir wissen vielleicht gar nicht, wie wahr wir sind, wenn wir von Seelentiefen sprechen, denn wir haben oft Überraschungen von Eigenschaften, die uns verhüllt blieben, bis zu einem gewissen Augenblick.

Sylva, Geflüsterte Worte. Essays und Lyrik, 5 Bde., 1903-1912. Aus: Über die Seele

Die Seele ist nicht räumlich im Körper. Körper ist vielmehr in der Seele. Einheit und Wahrheit sind das gleiche.

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Wir heißen Seele, was beseelt; mehr wissen wir nicht.

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Jeder Mensch betäubt seine psychische Leere auf die eine oder andere Art.

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Schau, Bruder, selbst wenn unser Gemüt dann und wann von dem Problem erfüllt ist, "Gibt es einen Gott, oder gibt es ihn nicht?", so ist das kein Grund für uns, absichtlich etwas Gottloses zu tun.

van Gogh, Briefe. An seinen Bruder

Worin kann das Leben der Seele bestehen, wenn sie [...] nicht bei sich verweilt, sondern in Auseinandersetzung mit der Welt sich nach außen betätigt; in der »Stimme des Gewissens«, die sie zum rechten Tun anleitet und vor dem unrechten zurückhält, die über ihre Taten, wenn sie vollbracht sind, das Urteil spricht und über die Verfassung, in der sie die Seele zurücklassen. Das Gewissen offenbart, wie die Taten in der Tiefe der Seele verwurzelt sind, und es bindet das Ich – trotz seiner freien Beweglichkeit – in die Tiefe zurück: die Stimme aus der Tiefe ruft es immer wieder dahin, wo es hingehört, um Rede und Antwort zu stehen über sein Tun und sich zu überzeugen, was es damit bewirkt hat – denn die Taten lassen ihre Spuren in der Seele zurück, sie ist nachher in einer anderen Verfassung, als sie vorher war.

Stein, Endliches und ewiges Sein. Versuch eines Aufstiegs zum Sinn des Seins, 1951. VII. Das Abbild der Dreifaltigkeit in der Schöpfung

Jeder Teil der Seele muß persönlich eingesehen haben, was er [der Heilige] eigentlich will, was er soll, worin seine Vollendung besteht, unerfahrene Wahrheiten erkennt er nicht an, und, um genug zu erleben, muß er sich vielem aussetzen.

Keyserling, Das Reisetagebuch eines Philosophen, 1911-1912, Erstdruck 1919

Das Leben der Seele reicht weiter als in Siriusfernen. Daher die vielen Widersprüche ihrer Ethik mit den Gesetzen der Natur auf der Erde, diesem kleinen Winkel des Alls.

Stehr, H., Tagebücher. 1907

Das Spiel der Welt 1. Dialog: Die Seele sprach zur Welt: Du machst dich viel zu wichtig. Dein Spiel ist ohne mich im Grunde null und nichtig. Zur Seele sprach die Welt: Das ist im Grunde richtig. Das Spiel machst du, nicht ich; drum ist es gründlich nichtig. 2. Moral: Die Seele macht sich gern mit ihrer Welt zu wichtig; Weltseele muß man sein, dann macht man Alles richtig. 3. Kritik: Das ist ein schlechter Spaß; du hältst die Welt zum Narren und rätst ihr obendrein zu deinem eignen Sparren. 4. Antikritik: Das ist kein schlechter Spaß, ich hab gar gut erfahren: wo Weisheit ratlos steht, ist Narrheit flugs im Klaren. 5. Supermoral: Die Seele mahnt sich stets: sei endlich ganz und tüchtig! so bleibt sie ewig halb weltsüchtig, halb weltflüchtig.

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Warum muß ich so unaufhörlich unter mir und anderen leiden! Meine Seele ist fortwährend das Spiel über sie hinziehender Schatten.

Morgenstern, Stufen. Eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen, 1918 (posthum). 1906

Sich selbst und ihren Frieden kann die Seele nur in einem Reiche finden, dessen Herr sie nicht um seinetwillen, sondern um ihretwillen sucht.

Stein, Die ontische Struktur der Person und ihre erkenntnistheoretische Problematik, 1932

Was unsere Seele durch Kunst und Wissenschaft gewinnt, verliert sie in dem Schnürleib der Convention und des Glaubens.

Glaßbrenner, Komischer Volkskalender für 1849. Gähnereien eines Blashirten

Innerhalb der Natur steht alles, was eine Seele hat, miteinander, und in entsprechend modifizierter Weise auch mit allem Unbeseelten, in einer ursprünglichen Verbindung.

Stein, Die ontische Struktur der Person und ihre erkenntnistheoretische Problematik, 1932

An diesem entsetzlichen Gefühl eines blinden, abgeschnittenen Raums hinter allem Ausgefüllten, an dieser Hälfte, die immer noch fehlt, wenn auch alles schon ein Ganzes ist, bemerkt man schließlich das, was man die Seele nennt.

Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, 3 Bde., 1930-43

Seele und Leib sind nichtDinge, sondernVorgänge.

Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlaß, unter Mitwirkung von Manfred Schröter hg. von Anton Mirko Koktanek, C. H. Beck 1965

Die Existenz der Seele ist ferner deshalb notwendig, weil es einen Regierer (adhiṣṭhâtṛ) geben muß. Wie der ungeistige Wagen von dem mit Intelligenz begabten Lenker geleitet wird, so muß die gesamte ungeistige Materie von einem geistigen Prinzip regiert werden. […]

Garbe, Die Sâmkhya-Philosophie, 1894. Die Lehre von der Seele

Arnheim hatte unterdessen mitgeteilt, dass sich die Welt seit zwei Menschenaltern in der größten Umwälzung befinde: die Seele gehe zu Ende. … Die Seele sei schon seit dem Zerfall der Kirche, also ungefähr im Beginn der bürgerlichen Kultur, in einen Prozess der Einschrumpfung und Alterung geraten.

Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, 3 Bde., 1930-43

Die Geschichte der Seele ist keine Naturgeschichte: ihr Anfang, ihre Mitte und ihr Ausgang ist nur im Reiche der Freiheit, d.h. des Geistes, zu suchen.

Heinroth, Die Psychologie als Selbsterkenntnißlehre, 1827

Meine Seele ist so fremd Meine Seele ist so fremd allem, was als Welt sich preist, allem, was das Leben heißt. Meine Seele ist so rein – keine Scham ist ihr zu eigen. – Nackend steht sie, ohne Hemd abseits eurem Lebensreigen. – Darum nennt ihr sie gemein. Meine Seele weiß es kaum, daß ihr schmähend sie verflucht; – sie tut keiner andern wehe; – ihren fernen, fremden Traum stört nicht einmal eure Nähe! – – Meine Seele sucht. – Sie sucht.

Mühsam, E., Gedichte. Sammlung 1898-1928. Erster Teil: Verse. Erstdruck in: Die Wüste, Gedichte von Erich Mühsam, Berlin 1904