Sterben Sprüche – abschied

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Ich habe lange genug in der offenen Türe des Todes gestanden; es wird Zeit hinauszutreten und sie hinter mir zuzumachen.

Wehl, Der Ruhm im Sterben. Ein Beitrag zur Legende des Todes, 1886. Letzte Worte

Wenn ich einmal von hier mich wende, sei dies mein Abschiedswort: unübertrefflich ist, was ich gesehen.

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O wie schwer ist der Entschluss zum Sterben!

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Den Schlüssel zu meiner Tür gebe ich zurück. Nichts will ich mehr aus meinem Haus. Ich bitte nur um Eure letzten lieben Worte.

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Hast du verstanden? Halte mich nicht zurück! Meine Zeit ist gekommen, ich muss sterben!

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Ist die Zeit gekommen, bleibe ich nicht länger hier. Mein Herz lebt in diesem jungen Baum – in seinen Blüten, in seiner zarten Blätter Tanz. Meine Hoffnung auf immer neue selige Frühlinge bleibt bestehen. Ich selbst werde gehen.

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Kein Bedauern, Rufen und kein Klagen, Die weißen Blütenträume sind vorbei. Welkend muß man goldne Blätter tragen. Jung? Ich werde es nicht länger sein. So wie früher wirst du nicht mehr pochen, Herz, erfaßt vom kalten, rauen Reif, Und das Land, aus Birkenbast geflochten, Lockt nicht mehr, es barfuß zu durchstreifen. Wanderlust, dein Geist flammt immer rarer Von den weiten Lippen, bald ist Schluß. Meine Frische konnt ich nicht bewahren, Der Augen Wildheit, der Gefühle Überfluß. Geizig bin ich mit dem Wünschen heute, Du, mein Leben? träumte ich dich nur? Frühjahrshatz, und ich, der junge Reiter Auf rosenrotem Roß, verlor die Spur. Wir alle sind bestimmt, hier zu verwesen, Still rinnt Sirup übers Ahornblatt… Darum seist auf ewig du gepriesen, Daß du kamst zu blühen und dann starbst.

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Man sagt, sterben sei schwer, und doch kann es ein jeder.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929

O schwer ists, in der Fremde sterben unbeweint.

Schiller, Die Jungfrau von Orleans. Eine romantische Tragödie, 1801. 2. Akt, 7. Auftritt, Montgomery

Was vollkommen ward, alles Reife – will sterben!

Nietzsche, Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen, 1883-1885 (1. vollständige Ausgabe aller Teile 1892). Vierter und letzter Teil, 1885. Das Nachtwandler-Lied

Weinet nicht! Weinet nicht, o weinet nicht Um die Lieben, die geschieden! Wenn ein Menschenherz hier bricht, Geht es ein zum ew'gen Frieden. Gönnt ihm, daß der Kampf vollbracht, Freut euch, daß es ausgerungen; Daß aus finstrer Erdennacht Es zum Licht ist vorgedrungen! Wir, die noch im Kampfe stehn, An der Last noch müssen tragen Und den letzten Gang noch gehn, Wir sind eher zu beklagen. Laßt es Freudenthränen sein, Die an teuern Gräbern fließen! – Hoffnungsblüten, duftig, rein, Mögen aus dem Staube sprießen!

Lüttringhaus (Hg.), Lebensworte aus dem Munde guter und großer Menschen aller Zeiten und Völker für Geist und Gemüt, hg. von J. D. Lüttringhaus, Lüdenscheid, um 1880

…sonder Anker sind wir vor dem Todessturz.

Euripides, Der rasende Herakles (auch: Der Wahnsinn des Herakles), zwischen 422 und 414 v. Chr.. V. 326. Amphitryon zu König Lykos

Mit der Welt bin ich nun fertig, Gegenwärtig, Mit der Welt der Gegenwart, Einer besseren gewärtig, Reisefertig; Stör' o Welt, nicht meine Fahrt! Lass' du mich, wie ich dich lasse, 
 Ruhig gehn die eigne Straße, 
 Wir gehen besser ungepaart 
 Ich allein, und du geschart.

Rückert, Poetisches Tagebuch, 1850-1866 (aus seinem Nachlasse), 1888

Amen! Und laß' als guten Mann mich sterben! –

Shakespeare, König Richard III. (The Tragedy of King Richard the Third), Erstdruck 1597

in der Gestalt, wie der Mensch die Erde verläßt, wandelt er unter den Schatten, und so bleibt uns Achill als ewig strebender Jüngling gegenwärtig.

Goethe, J. W., Theoretische Schriften. Winckelmann. Cotta, Tübingen 1805

Der kennt diese Stimmung, der von einem liebgewordenen Ort scheiden will. Dann scheint es, als wenn alle Dinge von uns Abschied nehmen, eines nach dem anderen. Die Fäden sind gelöst, und wenn auch die leiblichen Sinne noch das Bild der Umgebung empfangen, die Seele selbst ist schon getrennt davon. So muß es sein in Stunden, die dem Tode vorangehen.

Grosse, Ein Frauenlos, 1888

Kein Freund, kein Ding wird dir ewig taugen – Alles betrachte mit Abschiedsaugen.

Vierordt, Deutsche Hobelspäne. Stoßseufzer und Stammbuchblätter, 1909

Gesittete Menschen nehmen so Abschied aus dem Leben, wie aus der Gesellschaft, gleich als wenn sie vermuteten, solche einmal wieder zu sehen.

Erdmann (Hg.), Reflexionen Kants zur Kritik der reinen Vernunft. Aus Kants handschriftlichen Aufzeichnungen (= Reflexionen Kants zur kritischen Philosophie, Band 2), hg. von Benno Erdmann, 1884

Vergilbte Blätter Weil du mir so früh entschwunden, Blieb ein unerfülltes Glück Ungenoss'ner schöner Stunden Ruhelos in mir zurück. Ungeküßte Küsse leben In getrennten Herzen fort, Und die Lippe fühlt noch beben Das zu früh verstummte Wort.

Lingg, H., Gedichte

Mancher fürchtet weit weniger den Tod, als die Operation des Sterbens. Da macht man sich die allersonderbarsten Begriffe von der letzten Todesnot, der gewaltsamen Trennung der Seele von ihrem Körper u. dgl. mehr. Aber dies alles ist völlig ungegründet. Gewiß hat noch kein Mensch das Sterben selbst empfunden, und eben so bewußtlos, wie wir ins Leben treten, eben so treten wir wieder heraus. Anfang und Ende fließen hier wieder zusammen.

Hufeland, Makrobiotik oder Die Kunst das menschliche Leben zu verlängern, 3. Auflage 1805 (EA: 1796)

Abschied Du nimmst als Strebenden Den kranken Mann, Siehst als noch Lebenden Den Todten an. O rufe nicht zur Wehr, Mich nicht zum Thun; Mir ziemt kein Kämpfen mehr, Mir ziemt nur Ruhn. Lieg ich im Bette hier Wie in der Gruft, Steigt der Gedanke mir Hoch in die Luft; Ich überschau' als Schwan Mit Vogelblick Des Lebens wirre Bahn Und mein Geschick. Nicht war, was ich geschafft, Allwege gut. Ach, bald gebrach's an Kraft Und bald an Muth. Hier von des Glückes Huld Ward ich begrüßt; Dort hab' ich eigne Schuld Wie schwer gebüßt. Das, halb im Traume, geht An mir vorbei, Mein Leben ist verweht, Und ich bin frei. Was blieb dir, Seele, nun, Als daß mit Ernst Du in dir selber ruhn? Du sterben lernst?

Strauß, D. F., Gedichte. An Rapp, 1873. Originaltext