Sterben Sprüche – abschied

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Abschied von der Erde Leb' wohl, du schöne Erde! Kann dich erst jetzt versteh'n, Wo Freude und wo Kummer An uns vorüberweh'n. Leb' wohl, du Meister Kummer! Dank dir mit nassem Blick! Mit mir nehm' ich die Freude, Dich laß' ich hier zurück. Sei nur ein milder Lehrer, Führ' alles hin zu Gott, Zeig' in den trübsten Nächten Ein Streiflein Morgenrot! Lasse sie die Liebe ahnen, So danken sie dir noch, Der früher und der später, Sie danken weinend doch. Dann glänzt das Leben heiter, Mild lächelt jeder Schmerz, Die Freude hält umfangen Das ruhige, klare Herz.

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Als der französische Schriftsteller Bernard Le Bovier de Fontenelle im Sterben lag, fragte man ihn: "Wie geht's?" – "Es geht nicht", antwortete er, "ich gehe."

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Letzter Dienst Drück' mir du die Augen zu, Wenn sie einst erblinden, Denn sie werden sich zur Ruh Nicht von selber finden. Werden starren unverwandt In des Lichtes Fließen; Keine wird wie deine Hand Sie so linde schließen.

Bosshart, J., Gedichte

Soll ich dann nicht mehr sein Wenn ich dir fern bin? Wirst du dann Erde sein Wenn ich ein Stern bin? Folgest du mir nicht mehr Wenn ich entschwunden? Wenn ich entfesselt schon bist du gebunden? – Leben und Tod ist nur Gleiches Berauschen. Sterne und Erde sind Nicht mehr zu tauschen. Sterb ich dir heute nicht Sterb ich dir morgen: Schwebend im Gleich des All Sind wir geborgen.

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Ich bin bereit, meine letzte Reise anzutreten – ein großer Sprung in die Dunkelheit.

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Begräbnis Keine Träne rührt uns an. Wer kann Tote noch beweinen? Tote sind Zahlen in einem Buch unter die Zahlen der gestern Lebenden geschrieben. Wir ziehen die Ziffern voneinander ab. Grabgeleite sind abgegriffene Dinge: Alle sind gleich. Wie bei einem Appell werden die Toten verlesen. Nur daß sie nicht antworten. Aber es fehlt keiner. Vielleicht fehlt auch einer: Von diesem begraben sie nur einen Arm mit einer zarten Hand, von jenem ein Klümpchen unkenntlich und unbenennbar. Von einem begraben sie wohl nur den Namen.

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Nun hat das Leben mir auch dich genommen… nun hab ich nichts mehr zu verlieren, nichts! du warst das Letzte, das ich einst noch lieb gewonnen… und halten wollte… halten… o mit der ganzen Sehnsucht dessen, der es noch einmal wagt, sich aufzuraffen, den Glauben seiner Jugend sich zu retten… Du warst ihr großer Sonnenuntergang… Nun hab ich nichts mehr zu verlieren, drum ich zittern müßte… nichts mehr, nichts, das mir das Haupt könnt beugen… nichts mehr, nichts, das mich noch zwänge, auf den Knien zu liegen! Nun … werd ich … siegen!

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Letztes Lied Liebte dich, liebte dich Innig und treu; Röslein im Tod verblich; Hin ist der Mai. Hin ist Hin! Tot ist tot! Lebe wohl, lebe wohl! Mein Mädchen mild. In meinem Busen soll Nie verglühn dein Bild. Hin ist Hin! Tot ist tot! Schlummre still, schlummre still, Ewig hinfür. Ich auch bald ruhen will, Ruhen bei dir. Hin ist Hin! Tot ist tot!

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Es ist auch deswegen in Ordnung, daß der Mensch endlich stirbt, er soll sich schon deswegen gern darein fügen, weil sich mit der Zeit gar zu viel Sach um ihn ansammelt. Man erfährt das beim Umzug. Nicht nur Bücher, – Briefe, Blätter, Blättchen, Zeitungsnummern, Büchsen, Schachteln, Salben, Pulver, tausend Geräte. ... Mach, geh fort, nimm Abschied auf einmal von all dem Quark!

Vischer, Auch Einer. Eine Reisebekanntschaft, 2 Bde., 1879

Lieder Mein ganzes Sein Ist eine Wunde! Gedenkst du mein Zu dieser Stunde? Fühlst du den Kuß, Den ich die sende? Den Abschiedsgruß Vor nahem Ende? Und ahnst du, sprich! Die Glut der Seele, Mit der ich dich Dem Herrn empfehle? Und weißt du auch, Was ich singe, Ein Opferhauch, Den ich dir bringe? In wilder Pein Flammt meine Wunde! Gedenkst du mein Zu dieser Stunde?

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Es geht oft so schwer zu sagen: ich bin bereit.

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Letzte Bitte Du sagst mir kalt, ich soll dich meiden, Weil ich zu hoffen nichts mehr habe – Ich fühl' es längst und will auch scheiden, Doch bitt' ich noch um eine Gabe. Gib mir dein Bild! In seine Züge Will dichten ich ein Herz hinein, Und durch der Dichtung holde Lüge Doch in der Ferne glücklich sein.

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Der Pfropfen springt, in Wehmut sei geweiht Das erste Glas und seine duftge Blume Der früh entschwundnen frohen Jugendzeit, Dem still geträumten, nie erfüllten Ruhme. Das zweite Glas dir, holdes Frauenbild, Und meiner Liebe unerloschnen Gluten, Ich sehe dich, du lächelst freundlich mild Entgegen mir aus diesen goldnen Fluten. Das letzte Glas trink ich mir selber zu, Um keine Hoffnung hab ich mehr zu werben, Ein rasches Ende, eine lange Ruh . . . Die Flasche leer – es liegt das Glas in Scherben.

Ebner-Eschenbach, Aus einem zeitlosen Tagebuch, 1916. Anmerkung von Marie von Ebner-Eschenbach: Dieses Gedicht hat Louise von François unter den Papieren ihres verstorbenen älteren Bruders, den sie sehr liebhatte und von dem sie oft sprach, gefunden. Sie vermutete, es sei von ihm.

Ach, mein Freund, ich verlasse diese Welt, in der Herzen gebrochen oder zu Stein werden.

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Ich will in die Sonne sehn Ich will in die Sonne sehn, wenn ich sterbe, wie sie in brennenden Wolken verloht… ich will mit der Sonne gehn, wenn ich sterbe, in sommerflammendem Abendrot. Die Fenster auf! dort drüben ist meine Heimat und nicht in eurer Nacht und Not! Ich will in die Sonne sehn, wenn ich sterbe, und sinken gleich ihr in strahlendem Tod.

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Du hast das schöne Paradies verlassen Du hast das schöne Paradies verlassen, Tratst ein in dieses Labyrinthes Gassen, Verlockt von lieblich winkenden Gestalten, Die Schale dir und Kranz entgegenhalten; Und unaufhaltsam zieht's dich weit und weiter. Wohl ist ein leises Ahnen dein Begleiter, Ein heimlich Graun, daß diese süßen Freuden Dich Schritt um Schritt von deiner Heimat scheiden, Daß Irren Sünde, Heimweh dein Gewissen; Doch ach umsonst! Der Faden ist zerrissen. Hohläugig faßt der Schmerz dich an und warnt, Du willst zurück, die Seele ist umgarnt. Vergebens steht ob deinem Haupt der Stern. Einsam, gefangen, von der Heimat fern, Ein Sklave, starrst du in des Stromes Lauf Und hängst an Weiden deine Harfe auf. Nun fährst du wohl empor, wenn so zuzeiten Im stillen Mondeslichte durch die Saiten Ein leises, wehmutsvolles Klagen geht Von einem Hauch, der aus der Heimat weht.

Busch, W., Gedichte. Kritik des Herzens, 1874

Abschied vom Leben Die Wunde brennt, die bleichen Lippen beben. Ich fühl's an meines Herzens matterm Schlage, hier steh ich an den Marken meiner Tage. Gott, wie du willst! Dir hab ich mich ergeben. Viel gold'ne Bilder sah ich um mich schweben; Das schöne Traumbild wird zur Totenklage. Mut! Mut! – Was ich so treu im Herzen trage, Das muß ja doch dort ewig mit mir leben. Und was ich hier als Heiligtum erkannte, Wofür ich rasch und jugendlich entbrannte, Ob ich's nun Freiheit, ob ich's Liebe nannte: Als lichten Seraph seh ich's vor mir stehen; Und wie die Sinne langsam mir vergehen, Trägt mich ein Hauch zu morgenroten Höhen.

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Augentrost O laß es gern geschehen, Daß dir dein Auge blind! Was willst du denn noch sehen, Altes, betrognes Kind? Willst du den Lenz erzwingen Durch buntgefärbtes Glas? Soll dir noch Blumen bringen Das längst verwelkte Gras? Die lichten Regenbogen, Die Schlösser in der Luft, Alter! sind fortgezogen, Du siehst nur eis'gen Duft. Lenz, Sommer sind geschieden, Nur Winter siehest du. Alter! o schließ in Frieden Die müden Augen zu.

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Dämmer-Empfindung Was treibt mich hier von hinnen? Was lockt mich dort geheimnisvoll? Was ist's, das ich gewinnen, Und was, womit ich's kaufen soll? Trat unsichtbar mein Erbe, Ein Geist, ein luft'ger, schon heran, Und drängt mich, daß ich sterbe, Weil er nicht eher leben kann? Und winkt mir aus der Ferne Die Traube schon, die mir gereift Auf einem andern Sterne, Und will, daß meine Hand sie streift?

Hebbel, F., Gedichte

Ich möchte sterben wie der Schwan, Der, langsam rudernd mit den Schwingen, Auf seiner blauen Wasserbahn Die Seele löst in leisem Singen. Und starb er, wenn der Abend schied Mit goldnem Kusse von den Gipfeln: Nachhallend säuselt noch das Lied Die ganze Nacht in Busch und Wipfeln. O würde mir ein solch Geschick! Dürft' unter Liedern ich erblassen! Könnt' ich ein Echo voll Musik Dem Volk der Deutschen hinterlassen! Doch Größern nur ward solch ein Klang, Nur Auserwählten unter vielen – Mir wird im Tode kein Gesang Verklärend um die Lippen spielen. Tonlos werd' ich hinübergehn, Man wird mich stumm zur Grube tragen, Und wenn die Feier ist geschehn, Wird niemand weiter nach mir fragen.

Geibel, E., Gedichte. Erstes Buch. Lieder als Intermezzo, 15.

Abendsprache Und geht es zu Ende, so laßt mich allein mit mir selber auf einsamer Heide sein; will nichts mehr hören und nichts mehr seh'n, will wie ein totes Getier vergeh'n. Das graue Heidemoos mein Sterbebett sei, Die Krähe singt mir die Litanei. Die Totenglocke läutet der Sturm, begraben werden mich Käfer und Wurm. Auf meinem Grabe soll stehen kein Stein, kein Hügel soll dorten geschüttet sein; kein Kranz soll liegen, da wo ich starb, keine Träne fallen, wo ich verdarb. Will nichts mehr hören und nichts mehr sehn, wie ein totes Getier, so will ich vergeh'n; und darum kein Hügel und deshalb kein Stein: spurlos will ich vergangen sein.

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