Sterben Sprüche – leben

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Liebe das Leben und fürchte den Tod nicht, das ist das Gesetz und die Propheten, die einzige wahre Seelenstimmung, um glücklich und alt zu werden.

Hufeland, Makrobiotik oder Die Kunst das menschliche Leben zu verlängern, 3. Auflage 1805 (EA: 1796)

Wir wissen ja, daß wir sterben müssen; warum wollen wir uns also nicht des Lebens freuen?

Petronius, Satyricon

Es liegt wenig daran, wie man geboren werde; aber es ist viel daran gelegen, wie man sterbe.

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Der Wege durch das Leben gehen viele, Ganz gleich ist keiner; Doch aus dem Leben und zum letzten Ziele Führt uns nur einer.

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Ein dünner Faden ist das Leben, Doch aber zäh', unendlich zäh'; Er überdauert Lust und Reben, Er überdauert Wonn' und Weh'. Darum entschlage dich des Bangens, Zieh' ruhig, frage nicht um mich! Trotz alles Hangens und Verlangens Werd' ich auch leben ohne Dich!

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Mancher fürchtet weit weniger den Tod, als die Operation des Sterbens. Da macht man sich die allersonderbarsten Begriffe von der letzten Todesnot, der gewaltsamen Trennung der Seele von ihrem Körper u. dgl. mehr. Aber dies alles ist völlig ungegründet. Gewiß hat noch kein Mensch das Sterben selbst empfunden, und eben so bewußtlos, wie wir ins Leben treten, eben so treten wir wieder heraus. Anfang und Ende fließen hier wieder zusammen.

Hufeland, Makrobiotik oder Die Kunst das menschliche Leben zu verlängern, 3. Auflage 1805 (EA: 1796)

Den Ernst aber werden sie [unsere ungläubige gebildete Welt] kennen lernen in der Todesstunde, und dann werden die Leichtsinnigen inne werden, daß sie eigentlich nur wie in einer Komödie gelebt, nur eine ihnen behagliche Rolle gespielt haben, ohne je an die Wirklichkeit außerhalb ihrer Theateratmosphäre, an die minder glücklichen Zustände der Mitmenschen und an das große Schicksal, welches draußen sich vollzieht, an das Ende aller irdischen Dinge und an ihren eigenen ewigen Beruf zu denken, auf den nicht vorbereitet zu sein sie dann plötzlich mit Schauer und Angst erfüllen wird.

Menzel, Kritik des modernen Zeitbewusstseins, 1869

Ein ruhiges Leben ist zur Hälfte nicht so viel wert, als ein ruhiger Tod!

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944. 1869

Wohin können wir denn sterben, wenn nicht in immer höheres, größeres – Leben hinein!

Morgenstern, Stufen. Eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen, 1918 (posthum). 1908

O leben, wie man wünscht zu leben, Und, seines ganzen Lebens sich bewußt, Die Freundes-Hand dem Tode geben; So sterben, das ist eine Lust!

Gleim, Die goldnen Sprüche des Pythagoras. Aus dem Griechischen von Gleim, 1786

Die Wünsche. Sterbliche sind wir und sterblich sind all’ unsere Wünsche: Leid und Freude, sie gehn oder wir gehen vorbei.

Herder, Blumen, aus der Griechischen Anthologie gesammlet (in: Zerstreute Blätter, 1. und 2. Sammlung), 1785-86. Erste Sammlung. Zweites Buch

Zu sterben ist so schwer nicht, alter Mann.

Byron, Manfred, Dramatisches Gedicht, Erstdruck als »The Prisoner of Chillon«, 1816. 3. Akt, 4. Szene, Manfred zu Abt

Wie schön ist es doch zu sterben, wie man gelebt hat!

Hugo, Der Glöckner von Notre-Dame (Notre-Dame de Paris), 1831. Worte der Figur Pierre Gringoire

… wenn ich nicht sterben will, dürfte ich nicht leben.

Leopardi, Briefe. An Pietro Giordani, Pisa, 5. Mai 1828. Übers. www.Internet

Der Tod äfft die Geburt; beim Sterben sind wir so hilflos und nackt wie neugeborne Kinder.

Büchner, Dantons Tod, 1835. Originaltext

Mein Tag war heiter, glücklich meine Nacht Mein Tag war heiter, glücklich meine Nacht. Mir jauchzte stets mein Volk, wenn ich die Leier Der Dichtkunst schlug. Mein Lied war Lust und Feuer, Hat manche schöne Gluten angefacht. Noch blüht mein Sommer, dennoch eingebracht Hab ich die Ernte schon in meine Scheuer – Und jetzt soll ich verlassen, was so teuer, So lieb und teuer mir die Welt gemacht! Der Hand entsinkt das Saitenspiel. In Scherben Zerbricht das Glas, das ich so fröhlich eben An meine übermütgen Lippen preßte. O Gott! wie häßlich bitter ist das Sterben! O Gott! wie süß und traulich läßt sich leben In diesem traulich süßen Erdenneste!

Heine, H., Gedichte. Hier: entst. 1854, ersch. im Deutschen Musenalmanach 1857

Todesgedanken Ich bin noch nicht gestorben, Und wenn ich einmal sterbe, Dann will man mich begraben, Und dann soll ich vermodern, Und nicht noch einmal tanzen. Jetzt, da ich noch nicht modre, Muß ich noch Rosen pflükken, Weil ich den Duft noch rieche; Jetzt, da ich noch nicht modre, Muß ich noch Mädchens küssen, Weil ich den Kuß noch fühle; Jetzt, da ich noch nicht modre, Muß ich den Wein verbrauchen. Werd ich im Grab auch dursten?

Gleim, J. W. L., Gedichte. Versuch in scherzhaften Liedern und Lieder, 1744. Originaltext

Der Fall ist nun klar: Es geht um Licht oder Dunkelheit, und jeder muss sich entscheiden, wo er steht.

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Die meisten unserer Brüder sterben gemeinhin in Fragezeichen, einige in Verwunderungszeichen, viele in Komma; wer stirbt im Punktum?

Hippel, Lebensläufe nach aufsteigender Linie nebst Beylagen A, B, C, 1778-81

Schlecht wird leben, wer nicht zu sterben weiß.

Seneca, Von der Gemütsruhe (De tranquillitate animi), etwa 53-54 n. Chr. 11. Kapitel. Übers. Internet Originaltext: Male vivet quisquis nesciet bene mori

Wenn man stirbt, hat man ganz andere Dinge zu tun, als an den Tod zu denken.

Svevo, Zenos Gewissen (La coscienza di Zeno), 1923. Übers. Internet.