Sterben Sprüche – leben

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Der lehrreichste Gedanke ist: ans Sterben und das heilsamste Denken: an den Tod; wenn alle sich das Bild ihres Sterbebettes und Grabes jeden Tag einmal und außerdem bei jeder wichtigen Entscheidung vorhielten, – wieviel mehr weisen Lebensläufen würden wir begegnen!

Merian (Hg.), An allem wachsen! 365 deutsche Gedanken und Gedichte, ausgewählt von Gerhard Merian, Stuttgart-Degerloch, um 1934

"Ihr seid das Salz der Erde", hast gesagt, Als auf die Erde mich entließest, Gott. Froh war ich, stolz, und habe nie geklagt. Nun muß ich bitten, denn ich bin in Not. Ich bin ein alter Mann und müder Mann. Ich möchte flehn: "Nimm mich zurück zu dir. Die Welt ist so, daß ich nicht leben kann. Ich kann nicht Salz mehr sein, was soll ich hier?" Doch eine Sünde wäre das Gebet, Denn Sünde ist es, wenn ein Mensch erschlafft, Den Gott dahin gestellt hat, wo er steht. Noch hab ich nichts, das ich gesollt, geschafft. Ich war nicht Salz bis nun. Dein Atem weht, Mein Leben geht. Gib Kraft mir, gib mir Kraft.

Ernst, Gedichte und Sprüche, 1934. Sein letztes Gedicht, St. Georgen, April 1933

Es ist kein Tod Ich glaube keinen Tod; sterb ich gleich alle Stunden, So hab ich jedesmal ein besser Leben funden.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Kämpfe Arme Seele, die sich selbst verzehrt! Sehnsucht, die ins Leben möchte greifen Und dem blühenden doch angstvoll wehrt – Arme Hand, die an dem goldnen Reifen Heimlich dreht, weil sie das Glück begehrt, Und doch nicht vermag, ihn abzustreifen – Augen, die dem Lichte abgekehrt, Ruhelos durch Nacht und Dunkel schweifen – Jene Weisheit, die »Entsagung« lehrt, Werdet ihr die bittre je begreifen?

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Ich werde mit Mut zu sterben wissen; das ist leichter, als zu leben.

Büchner, Dantons Tod, 1835

Doch wenn des Menschen Tage erfüllt sind, soll er den Tod nicht mit einem bösen Gesicht empfangen.

Balzac, Tolldreiste Geschichten (Les contes drolatiques), 1832-37 (dt. 1908)

Leben ist das nicht: die Kunst zu sterben? Oder ist dieses lange Sterben nicht der Boden für die Kunst, zu leben?

Gött, Zettelsprüche. Aphorismen, hg. von Volker Schupp und Reinhard Pietsch, Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. 1982

Die Menschheitsentwicklung – ein Wachsen der Sterbenskraft.

Kafka, Oktavhefte. Viertes Heft

Es ist auch deswegen in Ordnung, daß der Mensch endlich stirbt, er soll sich schon deswegen gern darein fügen, weil sich mit der Zeit gar zu viel Sach um ihn ansammelt. Man erfährt das beim Umzug. Nicht nur Bücher, – Briefe, Blätter, Blättchen, Zeitungsnummern, Büchsen, Schachteln, Salben, Pulver, tausend Geräte. ... Mach, geh fort, nimm Abschied auf einmal von all dem Quark!

Vischer, Auch Einer. Eine Reisebekanntschaft, 2 Bde., 1879

Fürchte dich nicht, du stirbst nur, um zu leben.

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Ja, lerne zeitig begreifen, dass Dein ganzes Leben Dich vorbereiten muss, den Tod zu bestehen.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Wer geboren wird, schreit; wer stirbt, betet.

Oesch (Hg.), Russische Sprichwörter. Ausgewählt und übersetzt von Will A. Oesch, Zürich 1945

Strebenheißt leben: vertausche zwei Buchstaben, es genügt, dass alles sich ins Gegenteil fügt:sterben.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Zum Leben stärkt Klugheit, zum Sterben Weisheit.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Wißt ihr, wo sind die Myriaden, Die waren, seit die Erde steht? Hat sie ein Gott zu sich geladen? Hat eine Windsbraut sie verweht? Ich kann nicht fordern noch ein Leben, Ein Paradies noch nach dem Tod. Was hab ich dieser Welt gegeben? Nichts gegen das, was sie mir bot. Ich kann nur stehn in stummer Wehmut Und, wenn mein Geist vom Leib sich trennt, Erwarten nur in tiefer Demut, Ob Gott ihn noch als Geist erkennt.

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Von Natur aus weiß der Mensch standhaft zu leiden und stirbt in Frieden. Die Ärzte mit ihren Verordnungen, die Philosophen mit ihren Lehrsätzen, die Priester mit ihren Ermahnungen entmutigen sein Herz und machen, daß er das Sterben verlernt.

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Ach! Welch schrecklicher Gedanke, daß wir sterben müssen und welch ewiges Wunder, daß wir das immer wieder vergessen können!

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Wichtig nehmen alle das Sterben: Aber noch ist der Tod kein Fest. Noch erlernten die Menschen nicht, wie man die schönsten Feste weiht.

Nietzsche, Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen, 1883-1885 (1. vollständige Ausgabe aller Teile 1892). Erster Teil. Die Reden Zarathustras, 1883. Vom freien Tode

Sterben heißt, initiiert zu werden.

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Erst am Ende unseres Weges stehen die Antworten.

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Sterben Denkt ihr ans Sterben voll Angst und Pein, Dann laßt euch die Weisheit offenbaren: Wir werden im Tode nicht toter sein, Als wir vor unsrer Geburt es waren.

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