Wahrheit Sprüche – klassisch

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Und so [...] gebe ich mit innigem Ernst das Buch hin, in der Zuversicht, daß es früh oder spät diejenigen erreichen wird, an welche es allein gerichtet sein kann, und übrigens gelassen darin ergeben, daß auch ihm in vollem Maße das Schicksal werde, welches in jeder Erkenntnis, also umso mehr in der wichtigsten, allezeit der Wahrheit zuteil ward, der nur ein kurzes Siegesfest beschieden ist, zwischen den beiden langen Zeiträumen, wo sie als paradox verdammt und als trivial geringgeschätzt wird.

Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819 (mehrfach ergänzt, seit 1844 in zwei Bänden). Vorrede zur ersten Auflage

Die ewige Wahrheit kann denen nur erschlossen werden, die über alles Törichte noch herzhaft lachen können.

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Der wirkliche Vorzug, der der Wahrheit eigen ist, besteht darin, daß eine Meinung, wenn sie wahr ist, einmal, zweimal, oftmals erdrückt werden kann, daß sie im Laufe der Jahrhunderte in der Regel von den einen oder anderen wieder aufgefunden werden wird, bis endlich eine solche Wiederauferstehung in eine Zeit fällt, wo sie durch günstige Umstände vor Verfolgungen geschützt, hinreichend tief Wurzel schlägt, um jeder künftigen Verfolgung Widerstand zu leisten.

Mill, Über Freiheit (On Liberty), 1859. Übersetzt von Eduard Pickford, 1860

Zur Wahrheit bringt jedwedes Ding die Zeit, die alldurchdringende.

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Das Schöne läßt sich nicht vom Wahren trennen.

Schmidt (Hg.), Künstlerworte, gesammelt von Karl Eugen Schmidt, Leipzig 1906

Die Wahrheit ist die Tochter des friedlichen Himmels, sie flieht vorm Geräusch der Leidenschaften und vor Zank. Wer sie aber von ganzem Herzen liebhat, und sich selbst verleugnen kann, bei dem kehrt sie ein, den übereilt sie des Nachts im Schlaf und macht sein Gebein und sein Angesicht fröhlich.

Claudius, Asmus omnia sua secum portans, oder Sämtliche Werke des Wandsbecker Bothen, 1774-1812. Eine Disputation

Der Mensch bleibt für die Wahrheit kalt. Für die Lüge gerät er in Feuer.

La Fontaine, Fabeln (Fables choisies, mises en vers par M. de La Fontaine), 1668

Vor einer erlebten Wahrheit, so gering sie sei, neige ich mich in Ehrfurcht; dem Paradoxon, so köstlich es schillere, lache ich unter die Nase.

Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken. Aphorismen und Fragmente, 1927

Das Wahre kann nie widerlegt werden.

Platon, Gorgias, entstanden um 390 v. Chr. 473b. Übersetzt von Friedrich Schleiermacher

Plato ist mein Freund, doch mehr Freund ist mir die Wahrheit.

Ammonius, Leben des Aristoteles. Originaltext: Amicus Plato, sed magis amica veritas.

Vergeblich Schon recht. Du willst als Philosoph Die Wahrheit dir gewinnen; Du machst mit Worten ihr den Hof, Um so sie einzuspinnen. Nur sage nicht, daß zwischen dir Und ihr schon alles richtig. Sie ist und bleibt, das wissen wir, Jungfräulich, keusch und züchtig.

Busch, W., Gedichte. Schein und Sein, 1909

Die Wahrheit, die man weiß, ist nie verderblich, nur die, welche man vermuten und sich konstruieren muß.

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Wenn einmal nur erscholl das rechte Wort, So tönt es unvertilgbar fort und fort. Und wär' es auch nach Hunderten von Jahren, Sein Tag erscheint dem ausgesprochenen Wahren.

Daumer, Andeutung eines Systems speculativer Philosophie, 1831

Dem Menschen muß etwas wahr und heilig sein! Und das muß nicht in seinen Händen und nicht in seiner Gewalt sein; sonst ist auf ihn kein Verlaß, weder für andre noch für ihn selbst.

Claudius, Asmus omnia sua secum portans, oder Sämtliche Werke des Wandsbecker Bothen, 1774-1812. Eine Korrespondenz zwischen mir und meinem Vetter

Wo und wie sollen wir die Wahrheit finden, wenn wir sie nicht aus der Quelle des Irrthums schöpfen?

Martin, Ein Buch der Weisheit und Wahrheit, 1868

Nicht dem Guten gehöret die Erde. Er ist ein Fremdling, er wandert aus Und suchet ein unvergänglich Haus. Solang er glaubt, daß dem irdschen Verstand Die Wahrheit je wird erscheinen, Ihren Schleier hebt keine sterbliche Hand, Wir können nur raten und meinen. Du kerkerst den Geist in ein tönend Wort, Doch der freie wandelt im Sturme fort.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Die Worte des Wahns, 1800

Was hat der Mensch dem Menschen Größeres zu geben als Wahrheit!

Schiller, F., Theoretische Schriften. Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? Eine akademische Antrittsrede

Was wahr ist, ist ewig an und für sich, nicht gestern und nicht morgen, sondern schlechthin gegenwärtig, »Itzt« im Sinne der absoluten Gegenwart. In der Idee ist, was auch vergangen scheint, ewig unverloren.

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Weltgeschichte, erstmals gehalten 1822/23

"Wahrheit wünsch ich, Wahrheit aus Ihrem Mund, ich hab bereits eine Ahnung." "Da haben Sie auch alles, denn die größten Gelehrten haben von der Wahrheit nie mehr als eine Ahnung gehabt."

Nestroy, Das Mädl aus der Vorstadt oder Ehrlich währt am längsten (literarische Vorlage: La Jolie Fille du Faubourg von Paul de Kock und Charles Varin), 1841

Wenn du vor den Altar der Wahrheit trittst, so wirst du dort viele auf den Knien finden. Doch auf dem Weg dahin wirst du immer allein gewesen sein.

Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken. Aphorismen und Fragmente, 1927

Die derbsten Wahrheiten muß man den Leuten in Prosa sagen; in Versen halten sie alles für Kunst und Spiel.

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