Wahrheit Sprüche – philosophisch

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Gib, dass ich in der Wahrheit lebe, mein Gott, auf dass ich in der Wahrheit sterben kann.

Tagore, Verirrte Vögel (Stray Birds), 1916; hier übersetzt von Helene Meyer-Franck. [314]

Das Wasser im Gefäß schimmert hell; das Wasser im Meer ist dunkel. Die kleine Wahrheit hat Worte, die klar und durchsichtig sind; die große Wahrheit hat unergründliches Schweigen.

Tagore, Verirrte Vögel (Stray Birds), 1916; hier übersetzt von Helene Meyer-Franck. [176]

Um gewisse Wahrheiten auszusprechen – dazu muss man schonsehrgereizt sein.

Weiß, So seid Ihr! Erste Folge, 1906

In Tatsachen gekleidet, fühlt die Wahrheit sich eingeengt. Im Gewande der Dichtung bewegt sie sich leicht und frei.

Tagore, Verirrte Vögel (Stray Birds), 1916; hier übersetzt von Helene Meyer-Franck. [140]

Es gibt Wahrheiten, aber keine Wahrheit. Ich kann ganz gut zwei völlig entgegengesetzte Dinge behaupten und in beiden Fällen recht haben.

Musil, Tagebücher. 1899-1904, Heft 4

Selbst das Wahre kann bewiesen werden.

Wertheimer (Hg.), Weisheiten von Oscar Wilde, übersetzt von Paul Wertheimer, 1921 (EA: 1907)

Die Wahrheit geht im Wasser nicht unter und verbrennt nicht im Feuer.

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Der Wahrheit bester Schmuck ist Nacktheit.

Internet

Die Wahrheit muß man betheuern, die Lüge findet von selbst Glauben.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944. 1896. Originaltext

Gewisse Schönheiten, wie gewisse Wahrheiten – wir Sterbliche halten beide noch für zweierlei – zu erblicken, muß man das Herz ebenso ausgeweitet und ausgereinigt haben wie den Kopf.

Jean Paul, Die unsichtbare Loge, 2. verbesserte Auflage 1822 (EA: 1793). Erster Teil. Vorredner

Die einfachsten Wahrheiten sind die größten. Sie sind die nötigsten, weil die vergessensten. Sie sind die schwersten, aber die segensvollsten. Und Geheimnisse macht die Wahrheit nicht, wem sie nicht selbst eines ist.

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Etwas dürfte wahr sein: Ob es gleich im höchsten Grade schädlich und gefährlich wäre; ja es könnte selbst zur Grundbeschaffenheit des Daseins gehören, dass man an seiner völligen Erkenntnis zu Grunde ginge, – so dass sich die Stärke eines Geistes danach bemäße, wie viel er von der „Wahrheit“ gerade noch aushielte, deutlicher, bis zu welchem Grade er sie verdünnt, verhüllt, versüßt, verdumpft, verfälscht nötig hätte.

Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, 1886. Zweites Hauptstück. Der freie Geist

Die Menschen mit der Wahrheit gewinnen wollen, heißt eine Festung an ihrer stärksten Seite berennen.

Fock, Sterne überm Meer. Tagebuchblätter und Gedichte, 1917 (posthum)

Es gibt keine Wahrheit, der wir nicht zustimmen, wenn man sie uns klar und deutlich darstellt.

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Die Wahrheit lässt sich nur beweisen durch ihre Evidenz, und ein Beweis ist nichts anderes als die aus Vernunftschlüssen gewonnene Evidenz.

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Der Mensch kann die Wahrheit verkennen, verachten und aufhalten; aber, wie umwegs oder verkehrt er es auch treibe, so irrt er sich nur, und mitten in solchem Treiben suchet und meinet er sie. Er kann ihr'r nicht entbehren; und es ist nicht möglich, wenn sie ihm erscheint, daß er sein Haupt nicht vor ihr beuge.

Claudius, Asmus omnia sua secum portans, oder Sämtliche Werke des Wandsbecker Bothen, 1774-1812. Sechster Teil. Briefe an Andres. Erster Brief

Die Wahrheit ist konfessionslos wie die wahre Kunst.

Hähnel, Literarische Reliquien, 1884

Es ist mir unmöglich zu glauben, daß die Wahrheit gemein sein könne; eben so unmöglich, als zu glauben, daß in der ganzen Welt auf einmal Tag sein könne.

Lessing, Der Freigeist, entstanden 1749, Erstdruck 1755. 4. Akt, 3. Auftritt, Adrast

Es gibt Wahrheiten, die man verschleiern muss, wenn man sie klar machen will.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Bei der Wahrheitssuche wie bei der Goldsuche arbeitet man nämlich nach ein und derselben Methode, das heißt, man gräbt und wühlt und rührt im Schmutz.

Fielding, Tom Jones – Die Geschichte eines Findelkindes (The History of Tom Jones, a Foundling), 1749

Nimm Dich der Wahrheit an, wenn Du kannst, und laß Dich gerne ihrentwegen hassen; doch wisse, daß Deine Sache nicht die Sache der Wahrheit ist, und hüte, daß sie nicht ineinanderfließen, sonst hast Du Deinen Lohn dahin.

Claudius, Asmus omnia sua secum portans, oder Sämtliche Werke des Wandsbecker Bothen, 1774-1812. An meinen Sohn Johannes 1799