Wahrheit Sprüche – philosophisch

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Die reine Wahrheit taugt in diese[r] Welt des Scheins nicht. Rein ist sie Gift, verdünnt Arznei. Nur ein ideales Verhältnis erträgt völlige Wahrheit und Offenheit.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929

Es ist etwas Großes um die hehre Majestät der Wahrheit. Nur muß man zittern, wenn sie hereingetreten ist. Gar leicht kann sie verscheucht werden.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Die Wahrhaftigkeit ist jene Mutter Erde, auf der feststehend der ringende Geist nicht zu besiegen und niederzuwerfen ist.

Auerbach, Das Landhaus am Rhein. Roman, 5 Bde., 1869

Man darf ganz allgemein erstaunt sein, dass der Wahrheitsdrang der Menschen soviel stärker ist, als man für gewöhnlich einschätzt.

Freud, Zur Psychopathologie des Alltagslebens, 1904

Man sagt, die Wahrheit ärgere den Menschen, und sie ärgert ihn wirklich, denn sie ist nicht vergnüglich. Die Lüge, der Mythos, die Religion sind viel tröstlicher.

Goncourt, Ideen und Impressionen (Idées et sensations), 1866 (dt. 1904)

Je mehr Idole ein Mensch hat, desto weniger ist er imstande, die Wahrheit zu finden.

Kent, Philosophische Gedanken zur Homöopathie. Aphorismen, Groma Verlag 2004. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Jede Sekte hat ihre Wahrheit und jede Wahrheit ihre Sekte.

Wyss-Vögtlin (Übers.), 700 chinesische Sprichwörter, 1965 (EA: 1942)

Zur Erkenntnis der Wahrheit bin ich vielleicht gekommen, zur Seligkeit sicherlich nicht.

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Erster Teil. Diapsalmata. Übersetzt von Alexander Michelsen und Otto Gleiß, 1885

Schwache Menschen, ihr gebt vor, es sei euch bloß um Wahrheit und Ausbreitung der Erkenntnis zu tun, in der Tat aber beschäftigt euch bloß eure Eitelkeit.

Kant, Briefe. An Christian Garve, 7. August 1783

Wahrhaftigkeit in Aussagen, die man nicht umgehen kann, ist formale Pflicht des Menschen gegen jeden.

Kant, Über ein vermeintes Recht, aus Menschenliebe zu lügen, 1797

Wo sich viele Wahrheiten treffen, da liegt die Wahrheit.

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Zwischen Ja und Nein wird die Wahrheit erforscht.

Langbehn, Der Geist des Ganzen, posthum hg. von B. M. Nissen 1930

Wer nur die Wahrheit sieht, hat ausgelebt; Das Leben gleicht der Bühne, dort wie hier Muß, wann die Täuschung weicht, der Vorhang fallen.

Uhland, L., Gedichte. Aus: In ein Stammbuch

Die Wahrheit aber wissen wir nicht ohne Erkenntnis der Ursache.

Aristoteles, Metaphysik, entstanden zwischen 348 und 322 v. Chr., Erstdruck 1498. 993b (II, 1.) Übersetzt von Hermann Bonitz (1890)

Die Wahrheit ist von Ewigkeit. Aber die Zeitlichkeit ist nicht außer der Ewigkeit. Und so ist die ewige Wahrheit wirksam in der Zeit. Die Ewigkeit erhält die Wahrheit in der Zeit, indem sie den Atem anhält. Und so erleben wir, immer wieder, die Wahrheit im Augenblick von Ewigkeit.

Schaukal, Vom unsichtbaren Königreich, 1910

Motto Wahrheit sag ich euch, Wahrheit und immer Wahrheit, versteht sich:MeineWahrheit; denn sonst ist mir auch keine bekannt.

Schiller, F., Gedichte. Xenien, 1796

Wahrheit war die Botschaft, die alle großen Männer an die Menschheit zu verkündigen hatten; Wahrheit, Verhältnis der Dinge unter einander und zu uns.

Forster, Cook, der Entdecker, entstanden 1787, Erstdruck in: Kleine Schriften, 1. Teil, Berlin 1789

Nicht jeder kann die Wahrheit sehn, aber sein.

Kafka, Oktavhefte. Drittes Heft, 1916

Ist denn nicht jede Darstellung auch von den Dingen außer uns und von dem, was man Tatsachen nennt, subjektiv? Über den aufrichtigen Willen, die Wahrheit zu sagen, kommt niemand hinaus.

Wichert, Richter und Dichter. Ein Lebensausweis, 1899

Es gibt eine Anschauung vom Leben, welche meint, daß da, wo die Menge ist, auch die Wahrheit sei, daß es der Wahrheit selber ein Bedürfnis sei, die Menge für sich zu haben.

Kierkegaard, Tagebücher. 1846

Ein jeder aber hält für Wahrheit, was er sieht, und tut so lange recht daran, als er allein steht und niemand fragen kann, ob er etwa dasselbe auch sähe. Aber so, wie ein Auge dem andern aushilft und erst durch diese gegenseitige Aushilfe ein richtiges Bild gefaßt werden kann, so kommt auch die Vernunft erst durch gegenseitige Aushilfe derer, die wirklich nach Wahrheit fragen, ganz zu sich selber und erhebt sich von der Subjektivität zur Objektivität, und das erst ist die Vernunft in ihrer Einheit, welche als das köstlichste Gut der Menschheit gepriesen wird.

Kügelgen, Lebenserinnerungen des alten Mannes in Briefen an seinen Bruder Gerhard 1840-1867, Leipzig 1923