Friedrich von Schiller (1759–1805)

366 Sprüche Klassik

Das hohe Göttliche, es ruht in ernster Stille; Mit stillem Geist will es empfunden sein.

Schiller, Die Huldigung der Künste. Ein lyrisches Spiel, Erstaufführung in Weimar am 12. November 1804. Tanz

Hilft Gott uns nicht, kein Kaiser kann uns helfen.

Schiller, Wilhelm Tell, 1802-1804. 2. Akt, 1. Szene, Rudenz

Die Götter wohnen überall! Sie anzuflehn steht schwachen Menschen schön.

Schiller, Semele, Singspiel in zwei Szenen, 1782. 1. Szene, Juno

O wie schön und wie göttlich ist die Berührung zweier Seelen, die sich auf ihrem Wege zur Gottheit begegnen.

Schiller, F., Briefe. An Gottfried Körner, 3. Juli 1785

Ihr stürzt nieder, Millionen?Ahndestdu den Schöpfer, Welt?

Schiller, F., Gedichte. Aus: An die Freude, 1785

Hymne an den Unendlichen Zwischen Himmel und Erd, hoch in der Lüfte Meer, In der Wiege des Sturms trägt mich ein Zackenfels, Wolken türmen Unter mir sich zu Stürmen, Schwindelnd gaukelt der Blick umher, Und ich denke dich, Ewiger. Deinen schauernden Pomp borge dem Endlichen, Ungeheure Natur! Du, der Unendlichkeit Riesentochter, Sei mir Spiegel Jehovas! Seinen Gott dem vernünftgen Wurm Orgle prächtig, Gewittersturm! Horch! er orgelt – Den Fels, wie er herunterdröhnt! Brüllend spricht der Orkan Zebaoths Namen aus. Hingeschrieben Mit dem Griffel des Blitzes:Kreaturen, erkennt ihr mich?Schone, Herr! wir erkennen dich.

Schiller, F., Gedichte. Anthologie auf das Jahr 1782

Die Götter leben, Erkenne sie, die furchtbar dich umgeben!

Schiller, Die Braut von Messina oder die feindlichen Brüder. Ein Trauerspiel mit Chören, 1803. Zweiter Chor

[...] Der weltregierenden Macht ist kein einzelner Mann unersetzlich.

Schiller, Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs, 1790

Wer sich über die Wirklichkeit nicht hinauswagt, der wird nie die Wahrheit erobern.

Schiller, F., Theoretische Schriften. Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen, 1793-1795. 10. Brief

Entblößt muß ich die Wahrheit sehn.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Poesie des Lebens, 1798

Die Macht des Gesanges Ein Regenstrom aus Felsenrissen, Er kommt mit Donners Ungestüm, Bergtrümmer folgen seinen Güssen, Und Eichen stürzen unter ihm; Erstaunt, mit wollustvollem Grausen, Hört ihn der Wanderer und lauscht, Er hört die Flut vom Felsen brausen, Doch weiß er nicht, woher sie rauscht: So strömen des Gesanges Wellen Hervor aus nie entdeckten Quellen. Verbündet mit den furchtbarn Wesen, Die still des Lebens Faden drehn, Wer kann des Sängers Zauber lösen, Wer seinen Tönen widerstehn? Wie mit dem Stab des Götterboten Beherrscht er das bewegte Herz, Er taucht es in das Reich der Toten, Er hebt es staunend himmelwärts Und wiegt es zwischen Ernst und Spiele Auf schwanker Leiter der Gefühle. Wie wenn auf einmal in die Kreise Der Freude, mit Gigantenschritt, Geheimnisvoll nach Geisterweise Ein ungeheures Schicksal tritt. Da beugt sich jede Erdengröße Dem Fremdling aus der andern Welt, Des Jubels nichtiges Getöse Verstummt, und jede Larve fällt, Und vor der Wahrheit mächtgem Siege Verschwindet jedes Werk der Lüge. So rafft von jeder eiteln Bürde, Wenn des Gesanges Ruf erschallt, Der Mensch sich auf zur Geisterwürde Und tritt in heilige Gewalt; Den hohen Göttern ist er eigen, Ihm darf nichts Irdisches sich nahn, Und jede andre Macht muß schweigen, Und kein Verhängnis fällt ihn an, Es schwinden jedes Kummers Falten, Solang des Liedes Zauber walten. Und wie nach hoffnungslosem Sehnen, Nach langer Trennung bitterm Schmerz, Ein Kind mit heißen Reuetränen Sich stürzt an seiner Mutter Herz, So führt zu seiner Jugend Hütten, Zu seiner Unschuld reinem Glück, Vom fernen Ausland fremder Sitten Den Flüchtling der Gesang zurück, In der Natur getreuen Armen Von kalten Regeln zu erwarmen.

Schiller, F., Gedichte. Die Macht des Gesanges, 1795

Wir gelangen nur selten anders als durch Extreme zur Wahrheit!

Schiller, F., Theoretische Schriften. Philosophische Briefe. Entstanden Anfang und Mitte der 80er Jahre, Erstdruck 1786. Vorerinnerung

Was wir als Schönheit hier empfunden, Wird einst alsWahrheituns entgegengehn.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Die Künstler, 1789

Falscher Studiertrieb O wie viel neue Feinde der Wahrheit! Mir blutet die Seele, Seh ich das Eulengeschlecht, das zu dem Lichte sich drängt.

Schiller, F., Gedichte. Hier: 1797

Er muß Mich hören. Wahrheit muß er hören – Wahrheit! Und wär er zehenmal ein Gott!

Schiller, Don Carlos (ursprünglich Dom Karlos), Infant von Spanien, 1782-1787; Erstdruck des ganzen Dramas 1787. 4. Akt, 24. Auftritt, Prinzessin von Eboli

Zucht Wahrheit ist niemals schädlich, sie straft – und die Strafe der Mutter Bildet das schwankende Kind, wehret der schmeichelnden Magd.

Schiller, F., Gedichte. Tabulae Votivae, in: Musenalmanach für das Jahr 1797

Was einer im Reiche der Wahrheit erwirbt, hat er für alle erworben.

Schiller, F., Theoretische Schriften. Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? Eine akademische Antrittsrede, 1789

Jede Fertigkeit der Vernunft, auch im Irrtum, vermehrt ihre Fertigkeit zur Empfängnis der Wahrheit.

Schiller, F., Theoretische Schriften. Philosophische Briefe. Entstanden Anfang und Mitte der 80er Jahre, Erstdruck 1786. Julius an Raphael. Gott

Die Wahrheit verliert nichts, wenn ein heftiger Jüngling sie verfehlt, ebenso wenig als die Tugend und die Religion, wenn ein Lasterhafter sie verleugnet.

Schiller, F., Theoretische Schriften. Philosophische Briefe. Entstanden Anfang und Mitte der 80er Jahre, Erstdruck 1786. Vorerinnerung

Muss ich ihn wandeln, den nächtlichen Weg? Mir graut, ich bekenn es! Wandeln will ich ihn doch, führt er zu Wahrheit und Recht.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Der Genius, Erstdruck 1795 unter dem Titel »Natur und Schule«

Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld, Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Das verschleierte Bild zu Sais, 1795