Friedrich von Schiller (1759–1805)

366 Sprüche Klassik

Gefährliche Nachfolge Freunde, bedenket euch wohl, die tiefere, kühnere Wahrheit Laut zu sagen: sogleich stellt man sie euch auf den Kopf.

Schiller, F., Gedichte. Xenien, 1796

Die Übereinstimmung Wahrheit suchen wir beide; du außen im Leben, ich innen In dem Herzen, und so findet sie jeder gewiß. Ist das Auge gesund, so begegnet es außen dem Schöpfer, Ist es das Herz, dann gewiß spiegelt es innen die Welt.

Schiller, F., Gedichte. Tabulae Votivae, Erstdruck in: Musenalmanach für das Jahr 1797

Festen Mut in schwerem Leiden, Hülfe, wo die Unschuld weint, Ewigkeit geschwornen Eiden, Wahrheit gegen Freund und Feind.

Schiller, F., Gedichte. Aus: An die Freude, 1785

Was nutzt Schädliche Wahrheit, wie zieh ich sie vor dem nützlichen Irrtum! Wahrheit heilet den Schmerz, den sie vielleicht uns erregt.

Schiller, F., Gedichte. Tabulae Votivae, Erstdruck in: Musenalmanach für das Jahr 1797

Nicht dem Guten gehöret die Erde. Er ist ein Fremdling, er wandert aus Und suchet ein unvergänglich Haus. Solang er glaubt, daß dem irdschen Verstand Die Wahrheit je wird erscheinen, Ihren Schleier hebt keine sterbliche Hand, Wir können nur raten und meinen. Du kerkerst den Geist in ein tönend Wort, Doch der freie wandelt im Sturme fort.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Die Worte des Wahns, 1800

In der Wahrheit findet man das Schöne.

Schiller, F., Gedichte. Aus: An Goethe (als er den »Mahomet« von Voltaire auf die Bühne brachte), 1800

Was hat der Mensch dem Menschen Größeres zu geben als Wahrheit!

Schiller, F., Theoretische Schriften. Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? Eine akademische Antrittsrede

Licht und Wärme Der beßre Mensch tritt in die Welt Mit fröhlichem Vertrauen, Er glaubt, was ihm die Seele schwellt, Auch außer sich zu schauen, Und weiht, von edlem Eifer warm, Der Wahrheit seinen treuen Arm. Doch alles ist so klein, so eng, Hat er es erst erfahren, Da sucht er in dem Weltgedräng Sich selbst nur zu bewahren, Das Herz in kalter stolzer Ruh Schließt endlich sich der Liebe zu. Sie geben, ach! nicht immer Glut, Der Wahrheit helle Strahlen. Wohl denen, die des Wissens Gut Nicht mit dem Herzen zahlen! Drum paart, zu eurem schönsten Glück, Mit Schwärmers Ernst des Weltmanns Blick.

Schiller, F., Gedichte. Erstdruck 1802 unter dem Titel »Die Antiken in Paris«

Mitteilung Aus der schlechtesten Hand kann Wahrheit mächtig noch wirken, Bei der Schönheit allein macht das Gefäß den Gehalt.

Schiller, F., Gedichte. Tabulae Votivae, Erstdruck in: Musenalmanach für das Jahr 1797

Ein vorzüglicher Kopf muß es immer sein, von dem die Wahrheit ohne Ohrfeige wegkommt.

Schiller, Die Verschwörung des Fiesco zu Genua, 1782. 5. Akt, 16. Auftritt, Verrina

Wahrheit Eine nur ist sie für alle, doch siehet sie jeder verschieden; Daß es eines doch bleibt, macht das Verschiedene wahr.

Schiller, F., Gedichte. Xenien und Votivtafeln.Tabulae Votivae, Erstdruck im Musenalmanach für das Jahr 1797

Und vor der Wahrheit mächtgem Siege Verschwindet jedes Werk der Lüge.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Die Macht des Gesanges, 1795

Motto Wahrheit sag ich euch, Wahrheit und immer Wahrheit, versteht sich:MeineWahrheit; denn sonst ist mir auch keine bekannt.

Schiller, F., Gedichte. Xenien, 1796

Sie geben, ach! nicht immer Glut, Der Wahrheit helle Strahlen. Wohl denen, die des Wissens Gut Nicht mit dem Herzen zahlen!

Schiller, F., Gedichte. Aus: Licht und Wärme, Erstdruck 1797

Nur dem Ernst, den keine Mühe bleichet, Rauscht der Wahrheit tief versteckter Born.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Das Ideal und das Leben, 1795 (unter dem Titel »Das Reich der Schatten«, später auch unter dem Titel »Das Reich der Formen«)

Ein Götterkind, das sie mirWahrheitnannten, Die meisten flohen, wenige nur kannten, Hielt meines Lebens raschen Zügel an.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Resignation, 1786

In der schamhaften Stille deines Gemüts erziehe die siegende Wahrheit, stelle sie aus dir heraus in der Schönheit, daß nicht bloß der Gedanke ihr huldige, sondern auch der Sinn ihre Erscheinung liebend ergreife.

Schiller, F., Theoretische Schriften. Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen, 1793-1794. Neunter Brief

Eine starke Seele bei aller feinen, zarten Fühlbarkeit ist doch das glücklichste Geschenk des Himmels.

Schiller, F., Briefe. An Wilhelm von Humboldt, 12. September 1803

Was kein Verstand der Verständigen sieht, das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Die Worte des Glaubens, 1800

Jeden ohne Unterschied reizt der nahe Gewinn, aber nur große Seelen wird das entfernte Gute bewegen.

Schiller, Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung, 1788

Doch Schönres find' ich nichts, wie lang ich wähle, Als in der schönen Form – die schöne Seele.

Schiller, Die Huldigung der Künste. Ein lyrisches Spiel, Erstaufführung in Weimar am 12. November 1804. Poesie