Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

708 Sprüche Aufklärung

Was auch als Wahrheit oder Fabel In tausend Büchern dir erscheint, Das alles ist ein Turm zu Babel, Wenn es die Liebe nicht vereint.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien 3

Wenn dir's in Kopf und Herzen schwirrt, was willst du Bessres haben! Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Epigrammatisch

Fehlst [Scheiterst] du, laß dich's nicht betrüben: Denn der Mangel führt zum Lieben; Kannst dich nicht vom Fehl befrein, Wirst du andern gern verzeihn.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827, Zahme Xenien, Kap.3

Und wer nicht liebt, wird sich des schönen Maien, So gut er kann, doch leider halb nur freuen.

Goethe, Die Romantische Poesie. Stanzen zu Erklärung eines Maskenzugs aufgeführt den 30. Januar 1810. Frühling

Ihr seufzt und singt und schmelzt und küsst Und jauchzet, ohne dass ihr's wisst, Dem Abgrund in der Nähe. Flieht Wiese, Bach und Sonnenschein, Schleicht, soll's euch wohl im Winter sein, Bald zu dem Herd der Ehe.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, hier aus: Zueignung

Das Bild der Geliebten kann nicht alt werden, denn jeder Moment ist seine Geburtsstunde.

Goethe, J. W., Theoretische Schriften. Der Sammler und die Seinigen, 6. Brief, Ich-Erzähler zu Julie

In einem Augenblick gewährt die Liebe, Was Mühe kaum in langer Zeit erreicht.

Goethe, Torquato Tasso, 1807. 2. Akt, 3. Szene, Tasso zu Antonio

Man sei erst liebenswert, wenn man geliebt sein will.

Goethe, Die Mitschuldigen, entstanden 1768/69. 2. Szene, Sophie zu Söller

Gegen große Vorzüge eines andern gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus den Wahlverwandtschaften, 1809, Aus Ottiliens Tagebuche

Forschend übersieht dein Blick Eine großgemess'ne Weite. Hebe mich an deine Seite! Gib der Schwärmerei dies Glück; Und in wollustvoller Ruh' Säh der weitverschlag'ne Ritter Durch das gläserne Gegitter Seines Mädchens Nächten zu.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, hier aus: An den Mond

Aufgezogen durch die Sonne Schwimmt im Hauch äther'scher Wonne So das leicht'ste Wölkchen nie Wie mein Herz in Ruh' und Freude. Frei von Furcht, zu groß zum Neide, Lieb' ich, ewig lieb' ich sie!

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, hier aus: Das Glück der Liebe

Und unmerkliche Betörung Macht die Liebe zur Verehrung, Die Begier zur Schwärmerei.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, hier aus: Das Glück der Liebe

Nirgends kann ich sie vergessen; Und doch kann ich ruhig essen, Heiter ist mein Geist und frei.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, hier aus: Das Glück der Liebe

Mein Gefühl wird stets erweichter; Doch mein Herz wird täglich leichter, Und mein Glück nimmt immer zu.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, hier aus: Das Glück der Liebe

Sie war nicht liebenswürdig, wenn sie liebte, und das ist das größte Unglück, das einem Weibe begegnen kann.

Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/6. 7. Buch, 7. Kap., Lothario zu Wilhelm

Trink, o Jüngling! heil'ges Glücke Taglang aus der Liebsten Blicke; Abends gaukl' ihr Bild dich ein.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, hier aus: Das Glück der Liebe

Spott vertreibt die Liebe nicht.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, hier aus: Die Liebe wider Willen

Jägers Abendlied Im Felde schleich' ich still und wild, Gespannt mein Feuerrohr. Da schwebt so licht dein liebes Bild, Dein süßes Bild mir vor. Du wandelst jetzt wohl still und mild Durch Feld und liebes Tal, Und ach, mein schnell verrauschend Bild, Stellt sich dir's nicht einmal? Des Menschen, der die Welt durchstreift Voll Unmut und Verdruß, Nach Osten und nach Westen schweift, Weil er dich lassen muß. Mir ist es, denk ich nur an dich, Als in den Mond zu seh'n; Ein stiller Friede kommt auf mich, Weiß nicht, wie mir gescheh'n.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Lieder

Ein Schleier, Halstuch, Strumpfband, Ringe Sind wirklich keine kleinen Dinge, Allein, mir sind sie nicht genug.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, hier aus: Die Reliquie

Soll ich dich gleich, Geliebte, missen, Wirst du mir doch nicht ganz entrissen: Zu seh'n, zu tändeln und zu küssen Bleibt mir der schönste Teil von dir. Gleich ist des Haar's und mein Geschicke: Sonst buhlten wir mit einem Glücke Um sie, jetzt sind wir fern von ihr.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, hier aus: Die Reliquie

Du siehst, mit diesem Trank im Leibe, Bald Helenen in jedem Weibe.

Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, 1808. Hexenküche, Mephistopheles leise zu Faust