Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

708 Sprüche Aufklärung

Ich gehe zu den liebsten besten Menschen, aber warum von Ihnen?

Goethe, J. W., Briefe. An Charlotte Buff, 11. September 1772

Laß nur füreinedich entzünden, Und ist ihr Herz von Liebe voll, So laß die Zärtlichkeit dich binden, Wenn dich die Pflicht nicht binden soll.

Goethe, J. W., Gedichte. Aus: Der wahre Genuß

Herz, mein Herz, was soll das geben? Was bedränget dich so sehr? Welch ein fremdes neues Leben! Ich erkenne dich nicht mehr. Weg ist alles, was du liebtest, Weg, worum du dich betrübtest, Weg dein Fleiß und deine Ruh – Ach, wie kamst du nur dazu? Fesselt dich die Jugendblüte, Diese liebliche Gestalt, Dieser Blick voll Treu und Güte Mit unendlicher Gewalt? Will ich rasch mich ihr entziehen, Mich ermannen, ihr entfliehen, Führet mich im Augenblick, Ach, mein Weg zu ihr zurück. Und an diesem Zauberfädchen, Das sich nicht zerreißen läßt, Hält das liebelose Mädchen Mich so wider Willen fest; Muß in ihrem Zauberkreise Leben nun auf ihre Weise. Die Verändrung, ach, wie groß! Liebe! Liebe! laß mich los!

Goethe, J. W., Autobiographisches. Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, 4. Teil, 1821-1831. 17. Buch

Sei ohne Tugend, doch verliere Den Vorzug eines Menschen nie! Denn Wollust fühlen alle Tiere, Der Mensch allein verfeinert sie.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, Aus: Der wahre Genuss

Schauer, der das Herze fühlen, Der die Seele schmelzen macht, Flüstert durchs Gebüsch im Kühlen. Welche schöne, süße Nacht! Freude! Wollust!kaum zu fassen! Und doch wollt' ich, Himmel, dir Tausend solcher Nächte lassen, Gäb mein Mädcheneinemir

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Neue Lieder, hier aus: Die Nacht

Liebe will ich liebend loben, Jede Form, sie kommt von oben.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand. 1827

Was man erfindet, tut man mit Liebe, was man gelernt hat, mit Sicherheit.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Natur und Naturwissenschaft

Das Schicksal sorgt für die Liebe, und um so gewisser, da Liebe genügsam ist.

Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/6. 1. Buch, 16. Kap.

Kein Mißbilligen, kein Schelten Macht die Liebe tadelhaft.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Inschriften, Denk- und Sendeblätter

Wer im stillen um sich schaut, Lernet, wie die Lieb' erbaut.

Goethe, J. W., Gedichte. West-östlicher Divan. Buch der Betrachtungen, hier aus: Märkte reizen dich zum Kauf

Lesebuch Wunderlichstes Buch der Bücher Ist das Buch der Liebe; Aufmerksam hab ich's gelesen: Wenig Blätter Freuden, Ganze Hefte Leiden; Einen Abschnitt macht die Trennung. Wiedersehn! ein klein Kapitel, Fragmentarisch. Bände Kummers Mit Erklärungen verlängert, Endlos, ohne Maß.

Goethe, J. W., Gedichte. West-östlicher Divan. Buch der Liebe

Meine Ruh' ist hin, Mein Herz ist schwer; Ich finde sie nimmer Und nimmermehr. Wo ich ihn nicht hab', Ist mir das Grab, Die ganze Welt Ist mir vergällt. Mein armer Kopf Ist mir verrückt, Mein armer Sinn Ist mir zerstückt. Meine Ruh' ist hin, Mein Herz ist schwer; Ich finde sie nimmer Und nimmermehr. Nach ihm nur schau' ich Zum Fenster hinaus, Nach ihm nur geh' ich Aus dem Haus. Sein hoher Gang, Sein' edle Gestalt, Seines Mundes Lächeln, Seiner Augen Gewalt, Und seiner Rede Zauberfluß, Sein Händedruck, Und ach sein Kuß! Meine Ruh' ist hin, Mein Herz ist schwer; Ich finde sie nimmer Und nimmermehr. Mein Busen drängt Sich nach ihm hin. Ach dürft' ich fassen Und halten ihn, Und küssen ihn, So wie ich wollt', An seinen Küssen Vergehen sollt'!

Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, 1808. Gretchens Stube, Gretchen mit sich allein

So ist es die allmächtige Liebe, Die alles bildet, alles hegt.

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 5. Akt, Bergschluchten, Pater Profundus

Erster Verlust Ach, wer bringt die schönen Tage, Jene Tage der ersten Liebe, Ach, wer bringt nur eine Stunde Jener holden Zeit zurück! Einsam nähr' ich meine Wunde, Und mit stets erneuter Klage Traur' ich ums verlorne Glück. Ach, wer bringt die schönen Tage, Jene holde Zeit zurück!

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand. 1827, Lieder

Flieht, Freunde, ja die Liebe nicht! Denn niemand flieht ihr Reich: Und wenn euch Amor einmal kriegt, Dann ist es aus mit euch.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. 1827, Annette, hier aus: Pygmalion,

Wer wild ist, alle Mädchen flieht, Sich unempfindlich glaubt, Dem ist, wenn er ein Mädchen sieht, Das Herze gleich geraubt. Drum seht oft Mädchen, küsset sie, Und liebt sie auch wohl gar, Gewöhnt euch dran und werdet nie Ein Tor, wie jener war.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. 1827, Annette, hier aus: Pygmalion

Oft führt' ich sie zum Haine Und war mit ihr alleine; O, wie war ich erfreut! Ist je ein Paar alleine, Ist Amor niemals weit.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. 1827, Annette, hier aus: Kunst, die Spröden zu fangen, 2. Erzählung

Niemals hat noch die Kälte der mütterlichen Lehren ein weibliches Herze so zu Eise gehärtet, dass es der alles erwärmende Hauch der Liebe nicht hätte zerschmelzen sollen.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. 1827, Annette, hier aus: Kunst, die Spröden zu fangen, 1. Erzählung

Wer sie [die Liebe] kennt, der flieht sie nicht.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. 1827, Annette, hier aus: Kunst, die Spröden zu fangen, 1. Erzählung

Die Tat allein beweist der Liebe Kraft.

Goethe, Die natürliche Tochter, 1803. 5. Akt, 9. Auftritt, Gerichtsrat zu Eugenie

Man kann niemand lieben, als den, dessen Gegenwart man sicher ist, wenn man seiner bedarf.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Literatur und Leben