Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

708 Sprüche Aufklärung

Eher wird sie bei dem Fliehen Als ich bei dem Verfolgen müd'.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlass. Annette, hier aus: Kunst, die Spröden zu fangen, 1. Erzählung

Hört von mir, was wenig' wissen, Hört's, und denket nach dabei: Daß, wenn zwei sich zärtlich küssen, Gern sich seh'n und ungern missen, Es nicht stets aus Liebe sei.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlass. Annette, hier aus: Lyde, Eine Erzählung

Wachsamkeit wird euch nichts taugen, Wenn die Töchter unser sind; Eltern, habet hundert Augen, Mädchen, wenn sie List gebrauchen, Machen hundert Augen blind.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Annette, hier aus: Lyde, Eine Erzählung

Wir stolpern wohl auf unsrer Lebensreise, Und doch vermögen in der Welt, der tollen, Zwei Hebel viel auf's irdische Getriebe: Sehr viel die Pflicht, unendlich mehr die Liebe!

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Das Tagebuch

Leicht sind Mädchen zu erquicken, Oft ist ihre Krankheit Spaß.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Annette, hier aus der Erzählung: Ziblis

Mädchen, fürchtet rauher Leute Buhlerische Wollust nie. Die im ehrfurchtsvollen Kleide Viel von unschuldsvoller Freude Reden, Mädchen, fürchtet die!

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Annette, hier aus der Erzählung: Ziblis

So ist die Liebe beschaffen, daß sie allein recht zu haben glaubt und alle anderen Rechte vor ihr verschwinden.

Goethe, Die Wahlverwandtschaften, 1809. 1. Teil, 12. Kap.

Jeder Jüngling sehnt sich, so zu lieben, Jedes Mädchen, so geliebt zu sein; Ach, der heiligste von unsern Trieben, Warum quillt aus ihm die grimme Pein?

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese, Leitspruch zu: Werther,

Ach, wie bist du mir ... Ach, wie bist du mir, Wie bin ich dir geblieben! Nein, an der Wahrheit Verzweifl' ich nicht mehr. Ach, wenn du da bist, Fühl ich, ich soll dich nicht lieben, Ach, wenn du fern bist, Fühl ich, ich lieb dich so sehr.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese, An Charlotte von Stein

Ach, ihr [geliebte Bäume] wißt es, wie ich liebe, Die so schön mich wiederliebt, Die den reinsten meiner Triebe Mir noch reiner wiedergibt.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese, An Charlotte von Stein, 1. Vers: Sag' ich euch, geliebte . . .

Gewiß, ich wäre schon so ferne, ferne, So weit die Welt nur offen liegt, gegangen, Bezwängen mich nicht übermächt'ge Sterne, Die mein Geschick an deines angehangen, Daß ich in dir nun erst mich kennelerne. Mein Dichten, Trachten, Hoffen und Verlangen Allein nach dir und deinem Wesen drängt, Mein Leben nur an deinem Leben hängt.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese, An Charlotte von Stein [ohne Titel]

Man liebt an dem Mädchen, was es ist, Und an dem Jüngling, was er ankündigt.

Goethe, J. W., Autobiographisches. Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, 1811, 3. Teil, 14. Buch

Wahre Neigung vollendet sogleich zum Manne den Jüngling.

Goethe, Hermann und Dorothea. Versepos, 1797. Polyhymnia. Der Weltbürger, Pfarrer zu Vater und Sohn

Alle Liebe bezieht sich auf Gegenwart; was mir in der Gegenwart angenehm ist, sich abwesend mir immer darstellt, den Wunsch des erneuerten Gegenwärtigseins immerfort erregt, bei Erfüllung dieses Wunsches von einem lebhaften Entzücken, bei Fortsetzung dieses Glücks von einer immer gleichen Anmut begleitet wird, das eigentlich lieben wir, und hieraus folgt, daß wir alles lieben können, was zu unserer Gegenwart gelangen kann; ja um das Letzte auszusprechen: die Liebe des Göttlichen strebt immer darnach, sich das Höchste zu vergegenwärtigen.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 6. Bandes 1. Heft, 1827

Sie geht und kommt; ich spreche, sie erwidert; Mit jedem Wort erscheint sie mir geschmückter.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Aus: Das Tagebuch

Ihr scheint ein süßes Wort, ein Kuß zu g'nügen, Als wär' es alles, was ihr Herz begehrte.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese, aus: Das Tagebuch

Da, wo wir lieben, Ist Vaterland.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese, aus: Felsweihegesang

Durch ein paar Züge aus dem Becher der Liebe hält uns die Natur für ein Leben voll Mühe schadlos.

Goethe, J. W., Theoretische Schriften. Erläuterungen zu dem aphoristischen Aufsatz: Die Natur, 1783

Nur wenn das Herz erschlossen, Dann ist die Erde schön. Du standest so verdrossen Und wußtest nicht zu seh'n.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Zahme Xenien, Kap. 8, Axiom

Vermag die Liebe alles zu dulden, so vermag sie noch viel mehr alles zu ersetzen.

Goethe, Die Wahlverwandtschaften, 1809. 2. Teil, 14. Kap.

Mitjemand leben oderinjemand leben ist ein großer Unterschied. Es gibt Menschen, in denen man leben kann, ohne mit ihnen zu leben, und umgekehrt. Beides zu verbinden ist nur der reinsten Liebe und Freundschaft möglich.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Literatur und Leben