Eher wird sie bei dem Fliehen Als ich bei dem Verfolgen müd'.
Hört von mir, was wenig' wissen, Hört's, und denket nach dabei: Daß, wenn zwei sich zärtlich küssen, Gern sich seh'n und ungern missen, Es nicht stets aus Liebe sei.
Wachsamkeit wird euch nichts taugen, Wenn die Töchter unser sind; Eltern, habet hundert Augen, Mädchen, wenn sie List gebrauchen, Machen hundert Augen blind.
Wir stolpern wohl auf unsrer Lebensreise, Und doch vermögen in der Welt, der tollen, Zwei Hebel viel auf's irdische Getriebe: Sehr viel die Pflicht, unendlich mehr die Liebe!
Leicht sind Mädchen zu erquicken, Oft ist ihre Krankheit Spaß.
Mädchen, fürchtet rauher Leute Buhlerische Wollust nie. Die im ehrfurchtsvollen Kleide Viel von unschuldsvoller Freude Reden, Mädchen, fürchtet die!
So ist die Liebe beschaffen, daß sie allein recht zu haben glaubt und alle anderen Rechte vor ihr verschwinden.
Jeder Jüngling sehnt sich, so zu lieben, Jedes Mädchen, so geliebt zu sein; Ach, der heiligste von unsern Trieben, Warum quillt aus ihm die grimme Pein?
Ach, wie bist du mir ... Ach, wie bist du mir, Wie bin ich dir geblieben! Nein, an der Wahrheit Verzweifl' ich nicht mehr. Ach, wenn du da bist, Fühl ich, ich soll dich nicht lieben, Ach, wenn du fern bist, Fühl ich, ich lieb dich so sehr.
Ach, ihr [geliebte Bäume] wißt es, wie ich liebe, Die so schön mich wiederliebt, Die den reinsten meiner Triebe Mir noch reiner wiedergibt.
Gewiß, ich wäre schon so ferne, ferne, So weit die Welt nur offen liegt, gegangen, Bezwängen mich nicht übermächt'ge Sterne, Die mein Geschick an deines angehangen, Daß ich in dir nun erst mich kennelerne. Mein Dichten, Trachten, Hoffen und Verlangen Allein nach dir und deinem Wesen drängt, Mein Leben nur an deinem Leben hängt.
Man liebt an dem Mädchen, was es ist, Und an dem Jüngling, was er ankündigt.
Wahre Neigung vollendet sogleich zum Manne den Jüngling.
Alle Liebe bezieht sich auf Gegenwart; was mir in der Gegenwart angenehm ist, sich abwesend mir immer darstellt, den Wunsch des erneuerten Gegenwärtigseins immerfort erregt, bei Erfüllung dieses Wunsches von einem lebhaften Entzücken, bei Fortsetzung dieses Glücks von einer immer gleichen Anmut begleitet wird, das eigentlich lieben wir, und hieraus folgt, daß wir alles lieben können, was zu unserer Gegenwart gelangen kann; ja um das Letzte auszusprechen: die Liebe des Göttlichen strebt immer darnach, sich das Höchste zu vergegenwärtigen.
Sie geht und kommt; ich spreche, sie erwidert; Mit jedem Wort erscheint sie mir geschmückter.
Ihr scheint ein süßes Wort, ein Kuß zu g'nügen, Als wär' es alles, was ihr Herz begehrte.
Durch ein paar Züge aus dem Becher der Liebe hält uns die Natur für ein Leben voll Mühe schadlos.
Nur wenn das Herz erschlossen, Dann ist die Erde schön. Du standest so verdrossen Und wußtest nicht zu seh'n.
Vermag die Liebe alles zu dulden, so vermag sie noch viel mehr alles zu ersetzen.
Mitjemand leben oderinjemand leben ist ein großer Unterschied. Es gibt Menschen, in denen man leben kann, ohne mit ihnen zu leben, und umgekehrt. Beides zu verbinden ist nur der reinsten Liebe und Freundschaft möglich.