Lucius Annaeus Seneca

258 Sprüche

Im Leben gibt es angenehme und unangenehme Dinge. Beides liegt außerhalb unseres Einflusses.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 92. Brief. Übers. Internet Originaltext: Commoda sunt in vita et incommoda, utraque extra nos.

Alle Dinge aber, die wir beklagen und vor denen wir uns entsetzen, sind Tributzahlungen an das Leben.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 96. Brief. Übers. Internet Originaltext: Omnia autem ad quae gemimus, quae expavescimus, tributa vitae sunt.

Wenn auch das Glück viele von Strafe befreit, von der Furcht befreit es niemanden.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 97. Brief. Übers. Internet Originaltext: Multos fortuna liberat poena, metu neminem.

Was zwischen dem ersten Tag des Lebens und dem letzten liegt, ist wechselvoll und ungewiss.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 99. Brief. Übers. Internet Originaltext: Hoc quod inter primum diem et ultimum iacet varium incertumque est.

Es lebt, wer verletzbar ist.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 99. Brief. Übers. Internet Originaltext: Vivit si laeditur.

Der größte Fehler des Lebens ist es, dass es stets unvollkommen ist.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 101. Brief. Übers. Internet Originaltext: Maximum vitae vitium est quod imperfecta semper est.

Lebt froh, solange das Schicksal es zulässt!

Seneca, Der rasende Herkules (Hercules furens). V. 177-178. Übers. Internet Originaltext: Dum fata sinunt, vivite laeti!

Ich habe angefangen, mir selbst ein Freund zu sein. – Damit ist schon viel gewonnen, denn man kann dann niemals mehr einsam sein. Wisse auch, daß ein solcher Mensch allen ein rechter Freund sein wird.

Seneca, Mächtiger als das Schicksal. Ein Brevier, übersetzt von Wolfgang Schumacher 1942. Moralische Briefe an Lucilius

Immer glücklich zu sein und ohne jede Gemütstrübung das Leben zu durchwandern, heißt nur die eine Seite der Natur kennen.

Seneca, Von der göttlichen Vorsehung (De Providentia). 4. Kapitel. Übersetzt von Otto Apelt (1923)

Wähle dir zum Bundesgenossen einen Mann, den du mehr bewunderst, wenn du ihn siehst als wenn du ihn hörst.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 52. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924) Originaltext: Eum elige adiutorem quem magis admireris cum videris quam cum audieris

Keinen stellen glückliche Umstände so hoch, dass er nicht um so mehr einen Freund brauchte, weil er sonst alles genug hat.

Seneca, Von den Wohltaten (De Beneficiis). VI, 29. Übersetzt von J. M. Moser (1829). Originaltext: Neminem tam alte secunda posuerunt, ut non illi eo magis amicus desit, quia nihil absit

Nichts aber erfreut die Seele so wie eine treue und liebevolle Freundschaft.

Seneca, Von der Gemütsruhe (De tranquillitate animi), etwa 53-54 n. Chr. 7. Kapitel. Übers. Internet Originaltext: Nihil tamen aeque oblectaverit animum quam amicitia fidelis et dulcis

Ist eine Freundschaft geschlossen, muss man vertrauen; vor dem Freundschaftsschluss dagegen muss man sein Urteil fällen.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 3. Brief. Übers. Internet Originaltext: Post amicitiam credendum est, ante amicitiam iudicandum

Bedenke lange, ob du dir jemanden zum Freund machen darfst.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 3. Brief. Übers. Internet Originaltext: Diu cogita an tibi in amicitiam aliquis recipiendus sit

Der Freundschaft entzieht ihre Größe, wer sie allein für günstige Gelegenheiten schließt.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 9. Brief. Übers. Internet Originaltext: Detrahit amicitiae maiestatem suam qui illam parat ad bonos casus

Früher verlangte man nach Freundschaft, heute ist man auf Beute aus.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 19. Brief. Übers. Internet Originaltext: Amicitia olim petebatur, nunc praeda

Mir ist der Gedanke an verstorbene Freunde süß und verlockend: Ich habe jene nämlich gehabt, obwohl ich im Begriff stand, sie zu verlieren, und ich habe sie verloren und habe ich sie gleichsam noch immer.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 63. Brief. Übers. Internet Originaltext: Mihi amicorum defunctorum cogitatio dulcis ac blanda est; habui enim illos tamquam amissurus, amisi tamquam habeam

Ich habe begonnen, mir ein Freund zu sein.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 6,7. Übers. Internet Originaltext: Amicus esse mihi coepi.

Der Weg zum Gipfel äußerer Ehre ist voller Steingeröll. Aber wenn du dich entschließt der Weisheit Höhe zu erreichen, vor der selbst das Schicksal sich beugen muss, so wirst du zwar alles, was als Erhabenstes gilt, unter dir schauen, aber gleichwohl auf hemmungsloser Bahn zum Höchsten gelangen.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 84. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924). Originaltext: Confragosa in fastigium dignitatis via est: at si conscendere hunc verticem libet, cui se fortuna summisit, omnia quidem sub te, quae pro excelsissimis habentur, aspicies, sed tamen venies ad summa per planum

Die Wirkung der Weisheit ist eine sich gleich bleibende Freude.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 59. Brief. Übersetzt von August Pauly (1833) Originaltext: Hunc esse sapientiae effectum, gaudii aequalitatem

Was sollte mich aber zu der Annahme nötigen, es könne niemand zur Weisheit gelangen, der die Buchstaben nicht kenne? Liegt doch die Weisheit nicht in den Buchstaben.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 88. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924) Originaltext: Quid est autem, quare existimemnon futurum sapientem eum, qui litteras nescit, cum sapientia non sit in litteris?