Lucius Annaeus Seneca
Das Leben teilt sich in drei Zeitabschnitte: in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Davon ist die Gegenwart, in der wir handeln, kurz und was wir zukünftig tun werden, unsicher – nur was wir getan haben, ist sicher.
Wir alle sind an das Schicksal gebunden: Die Kette der einen ist locker und golden, die der anderen kurz und verschmutzt – was aber tut das?
Das ganze Leben ist Knechtschaft.
Groß ist die Anzahl derjenigen Menschen, die vor einer Schiffsreise nicht den Sturm bedenken.
Jedem kann zustoßen, was irgendeinem zustoßen kann.
Die Einsamkeit wird die Abneigung gegen die Menge heilen, die Menge aber den Überdruss an Einsamkeit.
Ein großer Teil des Lebens vergeht, wenn man Schlechtes tut, der größte Teil, wenn man nichts tut, das ganze Leben jedoch entgleitet, wenn man irgendetwas tut.
Wir quälen uns mit Zukünftigem und Vergangenem.
Erinnerung bringt die Pein der Furcht zurück, die Voraussicht nimmt sie vorweg; niemand ist unglücklich allein wegen der Gegenwart.
Nachteilig ist der Umgang mit vielen.
Wenn du betrachtet hast, wie viele dir vorausgehen, bedenke auch, wie viele dir folgen.
Niemand aber kann viel von einem herabfallenden Tropfen vergeuden.
Das Leben darf nicht um jeden Preis erkauft werden.
Folgendes ist der einzige Grund, weswegen wir über das Leben nicht klagen können: Es hält niemanden fest.
Niemand wird Einzelnes in Ordnung bringen, wenn ihm nicht das höchste Ziel seines Lebens vor Augen steht.
Alle Dinge geschehen zu bestimmten Zeiten: sie müssen entstehen, wachsen und vergehen.
Leben willst du: vermagst du es denn auch?
Kein Leben ist nicht kurz.
Sterben wirst du, nicht weil du krank bist, sondern weil du lebst.
Schnell erstarrt das Leben in untätiger Ruhe, wenn man alles, was Anstoß erregt, aufgeben muss.
Als lebte man vor den Augen aller, muss man sicherlich leben und auf solche Weise denken, als könnte jemand ins Innerste unserer Brust sehen.