Lucius Annaeus Seneca

258 Sprüche

Unser Denkvermögen durchbricht die Bollwerke des Himmels und begnügt sich nicht, das zu wissen, was sich dem Auge darbietet.

Seneca, Von der Muße (De otio). 5. Kapitel. Übersetzt von Otto Apelt (1923)

An unseren Gedanken leiden wir mehr als an den Tatsachen.

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Einige Dinge quälen uns mehr, als sie sollten, und einige, bevor sie es sollten. Einige Dinge quälen uns sogar, obwohl sie es gar nicht sollten.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 13. Brief. Übers. Internet Originaltext: Quaedam ergo nos magis torquent quam debent, quaedam ante torquent quam debent, quaedam torquent cum omnino non debeant

Dem, der zu sterben wünscht, kann der Tod niemals fern sein.

Seneca, Phaedra (alternativer Titel auch Hippolytus). V. 878. Übers. Internet Originaltext: Mori volenti desse mors numquam potest.

Der hat die Weisheit erfasst, der eben so sorglos stirbt, als er geboren wird.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 22. Brief. Übersetzt von Albert Forbiger (1866) Originaltext: Percepit sapientiam, si quis tam securus moritur quam nascitur

Ich soll sterben? Was heißt das anders als, ich werde nicht mehr krank sein können, werde nicht mehr gefesselt werden können, nicht mehr sterben können.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 24. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924) Originaltext: Moriar: hoc dicis, desinam aegrotare posse, desinam alligari posse, desinam mori posse

Aber leben zu lernen, dazu gehört das ganze Leben, und, was du vielleicht noch wunderbarer finden wirst, sein Leben lang muss man sterben lernen.

Seneca, Von der Kürze des Lebens (De Brevitate Vitae), um 49 n. Chr. 7. Kapitel. Übers. von Otto Apelt (1923) Originaltext: Vivere tota vita discendum est et, quod magis fortasse miraberis, tota vita discendum est mori

So stirbt er allbekannt und kennt sich selber nicht.

Seneca, Thyestes. II, 402

Gesetz ist Sterben, nicht Strafe, Und von der Welt, die du siehst, wird es einst heißen: sie war.

Seneca, Epigramme aus der Verbannung. Aus: Von den Eigenschaften der Zeit. Übersetzt von J. M. Moser, 1829

Es kommt sehr viel darauf an, ob man das Leben verlängert oder das Sterben.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 58. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924) Originaltext: Plurimum enim refert, vitam aliquis extendat an mortem

Die Natur entlässt den Rückkehrenden unbekleidet, wie sie ihn unbekleidet empfängt.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 102. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924) Originaltext: Excutit redeuntem natura sicut intrantem

Es ist etwas Großes, [...] woran man lange zu lernen hat: wenn jene unvermeidliche Stunde herankommt, mit Gleichmut von hinnen zu gehen.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 30. Brief. Übersetzt von Albert Forbiger, 1866. Originaltext: Magna res est [...] haec et diu discenda, cum adventat hora illa inevitabilis, aequo animo abire.

Wer darüber klagt, daß einer gestorben sei, der klagt darüber, daß eben dieser ein Mensch gewesen sei.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 99. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924) Originaltext: Quisquis aliquem queritur mortuum esse, queritur hominem fuisse

Es gibt niemanden, der nicht anseinem Tagestürbe. Du verlierst nichts vondeinerZeit; denn die, die du noch außerdem hast, gehört eben nicht dir.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 69. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924) Originaltext: Nemo nisi suo die moritur. Nihil perdis ex tuo tempore, nam quod relinquis alienum est

Schlecht wird leben, wer nicht zu sterben weiß.

Seneca, Von der Gemütsruhe (De tranquillitate animi), etwa 53-54 n. Chr. 11. Kapitel. Übers. Internet Originaltext: Male vivet quisquis nesciet bene mori

Wer gelernt hat zu sterben, hat verlernt zu dienen.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 26. Brief. Übers. Internet Originaltext: Qui mori didicit servire dedidicit

O welch ein Unglück ist es, nicht zu wissen, wie man stirbt!

Seneca, Agamemno (Agamemnon). V. 611. Übers. Internet Originaltext: O quam miserum est nescire mori!

Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen reißt es mit sich fort.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 107. Brief. Seneca übersetzt hier Kleanthes. Originaltext: Ducunt volentem fata, nolentem trahunt.

Niemals habe ich dem Schicksal getraut, auch wenn es Frieden zu halten schien.

Seneca, Trostschrift an Helvia (De Consolatione ad Helviam matrem). 5. Kapitel. Übersetzt von Otto Apelt (1923) Originaltext: Numquam ego fortunae credidi, etiam cum videretur pacem agere

Der Gladiator sieht es als eine Schmach an, mit einem Schwächeren sich zu messen; er weiß, dass es kein Ruhm ist, den zu besiegen, der ohne Gefahr zu besiegen ist. Ebenso hält es das Schicksal: Es sucht sich die Tapfersten heraus, die ihm gewachsen sind; an manchen geht es verächtlich vorüber.

Seneca, Von der göttlichen Vorsehung (De Providentia). 3. Kapitel. Übersetzt von Otto Apelt (1923)

Das Schicksal entreißt nichts, was es nicht erst gegeben hat.

Seneca, Von der Unerschütterlichkeit des Weisen oder Von der Stärke des Weisen (De Constantia Sapientis). 5. Kapitel. Übersetzt von Otto Apelt, 1923