Lucius Annaeus Seneca
Unser Denkvermögen durchbricht die Bollwerke des Himmels und begnügt sich nicht, das zu wissen, was sich dem Auge darbietet.
Einige Dinge quälen uns mehr, als sie sollten, und einige, bevor sie es sollten. Einige Dinge quälen uns sogar, obwohl sie es gar nicht sollten.
Dem, der zu sterben wünscht, kann der Tod niemals fern sein.
Der hat die Weisheit erfasst, der eben so sorglos stirbt, als er geboren wird.
Ich soll sterben? Was heißt das anders als, ich werde nicht mehr krank sein können, werde nicht mehr gefesselt werden können, nicht mehr sterben können.
Aber leben zu lernen, dazu gehört das ganze Leben, und, was du vielleicht noch wunderbarer finden wirst, sein Leben lang muss man sterben lernen.
Gesetz ist Sterben, nicht Strafe, Und von der Welt, die du siehst, wird es einst heißen: sie war.
Es kommt sehr viel darauf an, ob man das Leben verlängert oder das Sterben.
Die Natur entlässt den Rückkehrenden unbekleidet, wie sie ihn unbekleidet empfängt.
Es ist etwas Großes, [...] woran man lange zu lernen hat: wenn jene unvermeidliche Stunde herankommt, mit Gleichmut von hinnen zu gehen.
Wer darüber klagt, daß einer gestorben sei, der klagt darüber, daß eben dieser ein Mensch gewesen sei.
Es gibt niemanden, der nicht anseinem Tagestürbe. Du verlierst nichts vondeinerZeit; denn die, die du noch außerdem hast, gehört eben nicht dir.
Schlecht wird leben, wer nicht zu sterben weiß.
Wer gelernt hat zu sterben, hat verlernt zu dienen.
O welch ein Unglück ist es, nicht zu wissen, wie man stirbt!
Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen reißt es mit sich fort.
Niemals habe ich dem Schicksal getraut, auch wenn es Frieden zu halten schien.
Der Gladiator sieht es als eine Schmach an, mit einem Schwächeren sich zu messen; er weiß, dass es kein Ruhm ist, den zu besiegen, der ohne Gefahr zu besiegen ist. Ebenso hält es das Schicksal: Es sucht sich die Tapfersten heraus, die ihm gewachsen sind; an manchen geht es verächtlich vorüber.
Das Schicksal entreißt nichts, was es nicht erst gegeben hat.