Marcus Tullius Cicero

153 Sprüche

Das schönste Geschenk, das die Götter den Menschen verliehen, ist die Freundschaft. Mögen manche auch den Reichtum, die Macht, die Ehre oder die Gesundheit preisen, ich ziehe Freundschaft und Weisheit allen anderen Gütern vor. Im Glück wie im Unglück verlangt der Mensch am meisten nach Freundschaft.

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Viel kann sich ereignen, ehe der weit entfernte Attikus helfen kann. Inzwischen kann der Südwind im Mittelmeer viel Wellen über den Leidenden wälzen.

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Die meisten wollen törichter- um nicht zu sagen unverschämterweise einen solchen Freund haben, wie sie selbst nicht sein können, und was sie selbst ihren Freunden nicht zu leisten vermögen, das verlangen sie von ihnen. Billig aber ist es, daß man zuerst selbst ein guter Mensch ist und dann einen anderen sich ähnlich sucht.

Cicero, Laelius über die Freundschaft (Laelius de amicitia), 45/44 v. Chr. XXII, 82

Ohne Freundschaft gibt es kein Leben.

Cicero, Laelius über die Freundschaft (Laelius de amicitia), 45/44 v. Chr. XXIII, 86 Originaltext: Sine amicitia vitam esse nullam

Die Freundschaft aus dem Leben wegnehmen wollen heißt, die Sonne aus der Welt verbannen; denn nichts Besseres haben uns die unsterblichen Götter geschenkt und nichts Köstlicheres.

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Fest kann die Freundschaft nur sein in der Reife des Alters und des Verstandes.

Cicero, Laelius über die Freundschaft (Laelius de amicitia), 45/44 v. Chr

Das ist also keine wahre Freundschaft, daß, wenn der eine die Wahrheit nicht hören will, der andere zum Lügen bereit ist.

Cicero, Laelius über die Freundschaft (Laelius de amicitia), 45/44 v. Chr. XXVI, 98 Originaltext: Nulla est igitur haec amicitia, cum alter verum audire non vult, alter ad mentiendum paratus est

Der sichere Freund wird im Unglück erkannt.

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Einen sicheren Freund erkennt man in unsicherer Lage.

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Wer einen wahren Freund sieht, sieht irgendwie ein Abbild seiner selbst.

Cicero, Laelius über die Freundschaft (Laelius de amicitia), 45/44 v. Chr. VII, 23. Originaltext: Verum enim amicum qui inuetur, tamquam exemplar aliquod intuetur sui

Freunde sind sich nahe, auch wenn sie getrennt sind, sie sind hilfsbereit, auch wenn sie krank sind, ja, was unmöglich zu sein scheint, sie leben auch, wenn sie schon gestorben sind.

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Freundschaft ist besser als Verwandtschaft.

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Was gibt es Erfreulicheres, als einen neben sich zu haben, mit dem du über alles sprechen darfst, wie mit dir selbst? Wie würde der Genuß bei glücklichen Einfällen so groß sein, wenn du keinen Freund hättest, der sich ebenso darüber freute, wie du selbst? Widerwärtiges aber zu ertragen, würde schwer sein, ohne einen, der es noch schmerzlicher fühlte, wie du selbst.

Cicero, Laelius über die Freundschaft (Laelius de amicitia), 45/44 v. Chr. VI, 22

Freunden sei alles gemeinsam.

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Amicorum esse communia omnia.

Bedeutsam aber ist jene Gemeinschaft, die aus dem gegenseitigen Geben und Nehmen von Wohltaten entsteht.

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Magna etiam illa communitas est, quae conficitur ex beneficiis ultro et citro datis acceptis

Ratschläge, Gespräche, Ermunterung, Tröstung, ja zuweilen auch Tadel haben in Freundschaften hohes Ansehen.

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Consilia, sermones, cohortationes, consolationes, interdum etiam obiurgationes in amicitiis vigent maxime

Und wirklich ist jene Freundschaft am angenehmsten, die eine Ähnlichkeit des Charakters geknüpft hat.

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Estque ea iucundissima amicitia, quam similitudo morum coniugavit

Die Dinge aber, die nützlich erscheinen – Ehrenpositionen, Reichtum, Vergnügungen und dergleichen Dinge mehr –, dürfen niemals der Freundschaft vorgezogen werden.

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Quae enim videtur utilia, honores, divitiae, voluptates, cetera generis eiusdem, haec amicitiae numquam anteponenda sunt

Wenn nämlich die Einsamkeit und ein Leben ohne Freunde voll von Furcht und Tücke ist, mahnt uns die Vernunft selbst, Freundschaften zu schließen.

Cicero, Vom höchsten Gut und vom größten Übel (De finibus bonorum et malorum), 45 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Nam cum solitudo et vita sine amicis insidiarum et metus plena sit, ratio ipsa monet amicitias comparare

Wenn wir wahre Freunde sein wollen, so musst du mich und nicht meinen Besitz lieben.

Cicero, Vom höchsten Gut und vom größten Übel (De finibus bonorum et malorum), 45 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Me igitur ipsum ames oportet, non mea, si veri amici futuri sumus

Freundschaft umschließt viele Dinge: Wohin man sich auch wendet, sie ist zugegen, von keinem Ort ist sie ausgeschlossen, niemals ist sie ungelegen, niemals lästig.

Cicero, Laelius über die Freundschaft (Laelius de amicitia), 45/44 v. Chr. VI, 22. Übers. Internet Originaltext: Amicitia res plurimas continet: quoquo vertis, praesto est, nullo loco excluditur, numquam intempestiva, numquam molesta est