Marcus Tullius Cicero
Freundschaft macht glückliche Umstände glänzender, Unglück aber leichter, indem sie es mitträgt und teilt.
Welch große Macht Freundschaft und Zuneigung besitzen, erkennt man aus Widersprüchen und Zwistigkeiten.
Wie wir nämlich nicht freigiebig und wohltätig sind, um Dank einzufordern, so halten wir die Freundschaft nicht aus Hoffnung auf Gewinn für erstrebenswert, sondern weil der ganze Genuss schon in der Liebe selbst liegt.
Keine Entschuldigung für ein Vergehen ist es, sich um eines Freundes willen vergangen zu haben.
Wahre Freundschaften finden sich nur sehr schwer bei solchen Personen, die in Ämtern oder im öffentlichen Leben stehen.
Nichts aber ist schändlicher, als mit demjenigen in Krieg zu geraten, mit dem man zuvor eng zusammengelebt hat.
Der Freundschaft würdig sind aber die, in denen selbst der Grund dafür liegt, geliebt zu werden.
Die Freundschaft wurde der Tugend von der Natur als Helferin beigegeben, nicht als Gefährtin der Laster.
Anders lebt man mit einen Tyrannen, anders mit einem Freund.
Nur die Weisheit ist es, welche die Traurigkeit aus dem Herzen vertreibt und die uns nicht vor Angst erstarren lässt. Unter ihrem Geleit lässt sich in Seelenfrieden leben.
Das widerfährt allein dem Weisen, dass er nichts wider Willen tut.
Darin liegt meiner Meinung nach die höchste Anerkennung, die man der Weisheit spenden kann: dass sie unabhängig ist und sich in der Beurteilung dessen, worin das gute und schlechte Leben besteht, von äußerlichen Dingen nicht beeinflussen lässt.
So nahe grenzt Wahres und Falsches, dass ein Weiser die geringste Übereilung vermeiden muss.
Die Weisheit (Philosophie) ist eine Wissenschaft göttlicher und menschlicher Dinge nebst den Ursachen, worauf sie beruhen.
Was aber die Natur verborgen hat, halten auch diejenigen, die bei Verstand sind, von den Augen fern.
Die Weisheit allein ist es nämlich, die die Trauer aus unseren Seelen vertreiben kann und die nicht zulässt, dass wir vor Furcht erschaudern.
Während sich die Dummen aber mit den Erinnerungen an üble Dinge quälen, erfreuen sich die Weisen an vergangenem Glück, das sie sich in ihrer Erinnerung vergegenwärtigen.
Den Weisen bereichert die Natur selbst.
Sehr weise ist, wem selbst einfällt, was er benötigt.