Marcus Tullius Cicero

153 Sprüche

Das Beklagenswerteste am Alter scheint mir, dass man spürt, wie sehr man in diesem Lebensabschnitt den jungen Leuten verhasst ist.

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Es gibt einen Verlauf des Lebens, der bestimmt ist, und einen einzigen, und zwar einfachen Weg der Natur, und jedem Stücke der Lebensbahn ist die ihm zukommende Zeitgemäßheit verliehen: so hat denn sowohl die Zartheit der Kinder als auch die ungestüme Kraft der Jünglinge, als auch die Würde des schon gesetzten Alters, als auch die Reife des Greisentums etwas Natürliches, was zu seiner Zeit erlebt werden muß.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übersetzt von Raphael Kühner 1864

Ich werde alt, indem ich von Tag zu Tag dazulerne.

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Gibt es etwas Schöneres, als Greisentum umringt vom Wissensdurst der Jugend?

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Alter ist nur geehrt unter der Bedingung, dass es sich selbst verteidigt, seine Rechte behält, sich niemandem unterordnet und bis zum letzten Atemzug die eigene Domäne beherrscht.

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Greise, die besonnen und weder grämlich noch unfreundlich sind, haben ein erträgliches Alter, Schroffheit aber und Unfreundlichkeit machen jedes Alter lästig.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Originaltext: Moderati enim et nec difficiles nec inhumani senestolerabilem senectutem agunt, importunitas autem et inhumanitas omni aetati molesta est

Verstand, Vernunft und Klugheit finden sich bei den Greisen, und hätte es nie Greise gegeben, so hätte es auch nie Staaten gegeben.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Originaltext: Mens enim et ratio et consilium in senibus est; qui si nulli fuissent, nullae omnino civitates fuissent

Das Alter, sagen sie, beschleiche sie schneller, als sie es gedacht hätten.

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Die besten Waffen des Alters sind immer [...] die geistigen Güter und die Betätigungen der Tugenden.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übersetzt von Raphael Kühner 1864. Originaltext: Aptissima omnino sunt [...] arma senectutis artes exercitationesque virtutum.

Vor nichts aber muss sich das Alter mehr hüten, als sich Müßiggang und Trägheit zu überlassen; ein üppiges Leben aber – schändlich für jedes Alter – ist gerade für das Alter besonders abstoßend.

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Nihil autem magis cavendum est senectuti quam ne languori se desidiaeque dedat; luxuria vero cum omni aetati turpis, tum senectuti foedissima est

Wer aber die Möglichkeit zu einem guten und glücklichen Leben nicht in sich selbst trägt, dem ist jedes Alter beschwerlich.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Quibus enim nihil est in ipsis opis ad bene beateque vivendum, eis omnis aetas gravis est

Keine Beweise wissen aber die anzuführen, die behaupten, das Alter betätige sich nicht aktiv.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Nihil igitur adferunt, qui in re gerunda versari senectutem negant

Unbesonnenheit ist offenbar ein Zeichen des Jugendalters, Erfahrung eines des Alters.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Temeritas est videlicet florentis aetatis, prudentia senescentis

Übung und Mäßigung aber können auch im Alter etwas von der früheren Stärke bewahren.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Potest igitur exercitatio et temperantia etiam in senectute conservare aliquid pristini roboris

Warum ist es bei alten Menschen sonderbar, wenn sie manchmal schwach sind, wenn sogar junge Menschen sich dem nicht entziehen können?

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Quid mirum igitur in senibus, si infirmi sint aliquando, cum id ne adulescentes quidem effugere possint

Wie eine Krankheit muss man das Alter bekämpfen: Man muss sein körperliches Befinden berücksichtigen, sich in Maßen körperlich ertüchtigen und nur soviel Speise und Trank zu sich nehmen, dass es die Kräfte erneuert und nicht etwa schwächt.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Pugnandum tamquam contra morbum sic contra senectutem: habenda ratio valetudinis, utendum exercitationibus modicis, tantum cibi et potionis adhibendum, ut refeciantur vires, non opprimantur

Derjenige nämlich, der in seinen Beschäftigungen und Arbeiten lebt, bemerkt nicht, wann das Alter sich anschleicht.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Semper enim in his studiis laboribusque viventi non intellegitur quando obrepat senectus

Es ist nicht nur kein Vorwurf, sondern vielmehr der höchste Ruhm des Alters, dass es Vergnügungen nicht mit großer Anstrengung erstrebt.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Non modo vituperatio nulla, sed etiam summa laus senectutis est, quod ea voluptates nullas magno opere desiderat

Das Alter ist von Natur aus redseliger.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Senectus est natura loquacior

Bei einem zerbrechlichen Körper fällt eine jede Widrigkeit zur Last.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: In fragili corpore odiosa omnis offensio est

Der Lohn des Alters aber ist die Erinnerung und die Fülle an zuvor erworbenem Gut.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Fructus autem senectutis est [...] ante partorum bonorum memoria et copia