William Shakespeare (1564–1616)

220 Sprüche Renaissance

Lieb' ist nicht Liebe, Wenn sie vermengt mit Rücksicht, die seitab Vom wahren Ziel sich wendet.

Shakespeare, König Lear (King Lear), Erstdruck 1608

Redet leise, wenn Ihr von Liebe redet.

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Wenn Liebe Wasser wärmt, kühlt Wasser Liebe nicht.

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Man sagt, jeder Liebhaber schwöre mehr zu vollbringen, als ihm möglich ist.

Shakespeare, Troilus und Cressida (Troilus and Cressida), Erstdruck 1610

Weiberfurcht hält Maß mit ihrem Lieben; In beiden gar nichts, oder übertrieben.

Shakespeare, Hamlet, Erstdruck 1603. 3. Akt, 2. Szene, Königin

Wo Liebe rechnet, ist sie bettelarm.

Shakespeare, Antonius und Cleopatra, Erstdruck 1623

Liebe schaut nicht mit den Augen, sondern mit der Seele, und daher wird der geflügelte Amor blind dargestellt.

Shakespeare, Ein Sommernachtstraum (A Midsummer Night’s Dream), Erstdruck 1600

Die rasche Tat der heft'gen Liebe rannte Der zaudernden Vernunft zuvor.

Shakespeare, Macbeth, Erstdruck 1623, hier übersetzt von Friedrich Schiller 1800. 2. Aufzug, 10. Auftritt, Macbeth

Er ist nichts als Tauben, Liebste, und die brüten ihm heißes Blut, und heißes Blut erzeugt heiße Gedanken, und heiße Gedanken erzeugen heiße Werke, und heiße Werke sind Liebe.

Shakespeare, Troilus und Cressida (Troilus and Cressida), Erstdruck 1610

Der Hütten kleinste hat immer Raum genug für's größte Glück.

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Liebe ist eine bloße Tollheit, und ich sage Euch, verdient ebensogut eine dunkle Zelle und Peitsche als andre Tolle; und die Ursache, warum sie nicht so gezüchtigt und geheilt wird, ist, weil sich diese Mondsucht so gemein gemacht hat, daß die Zuchtmeister selbst verliebt sind.

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Die lieben nicht, die ihre eigene Liebe nicht zeigen.

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Liebe ist ein Kobold; Liebe ist ein Teufel; es gibt keinen böseren Engel als die Liebe!

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Wie Knaben aus der Schul' Eilt Liebe hin zum Lieben, Wie Knaben an ihr Buch, Wird sie hinweggetrieben.

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Ist Lieb' ein zartes Ding? Sie ist zu rauh, Zu wild, zu tobend; und sie sticht wie Dorn.

Shakespeare, Romeo und Julia, Erstdruck 1597

Liebe ist dein Meister, denn sie meistert dich! Und der, den eine Närrin spannt ins Joch, Den kann man nicht ins Buch der Weisen schreiben.

Shakespeare, Zwei Herren aus Verona (The Two Gentlemen of Verona), Erstdruck 1623

Lied des Narren Ach Geliebte, wohin irrst du? Bleib bei mir, denn mich verwirrst du. Der ich laut singe und leis. Reis nicht weiter, sei so nett, Reisen enden stets im Bett, Wie der Jedermann gut weiß. Was ist Liebe? Nichts für morgen. Wer heut lacht, braucht sich nicht sorgen. Was mal wird, geht schnell vorbei. Warten, das ist ungesund Küß mich, Liebste, auf den Mund – Jugend, ach, good bye, good bye.

Shakespeare, Was ihr wollt (Twelfth Night, or What You Will), Erstdruck 1623

Lied der Helena Oft ists der eigne Geist, der Rettung schafft, Die wir beim Himmel suchen. Unsrer Kraft Verleiht er freien Raum, und nur dem Trägen, Dem Willenlosen stellt er sich entgegen. Mein Liebesmut die höchste Höh ersteigt – Doch naht mir nicht, was sich dem Auge zeigt. Des Glückes weitsten Raum vereint Natur, Daß sich das Fernste küßt wie Gleiches nur. Wer klügelnd abwägt und dem Ziel entsagt, Weil er vor dem, was nie geschehn, verzagt, Erreicht das Größte nie. Wann rang nach Liebe ein volles Herz und fand nicht Gegenliebe?

Shakespeare, Ende gut, alles gut (All's Well That Ends Well), Erstdruck 1623

Mottes Lied Wenn rot und weiß die Mädchen blühn, Hat Sünde nie ein Zeichen; Sonst macht ein Fehltritt sie erglühn, Die Furcht wie Schnee erbleichen, Was Schuld sei oder Schrecken nur, Wer möcht es unterscheiden, Wenn ihre Wange von Natur Die Farbe trägt der beiden?

Shakespeare, Verlorene Liebesmüh, dt. auch: Liebes Leid und Lust (Love’s Labour’s Lost), Erstdruck 1598

CXXXVIII Schwört mir die Liebste, daß sie treu: erkannt ich die Lüge, will ihr aber glauben; damit sie glaubt, ich wäre noch ein Fant, dem schlechte Welt die Unschuld nicht konnt’ rauben. So glaubend, daß sie noch für jung mich hält, obwohl sie weiß, daß ich bereits in Jahren, hab ich mich vor der Lügnerin verstellt, daß beiderseits die Wahrheit wir bewahren. Doch warum sagt sie mir nicht, daß sie lüge? Warum bekenn ich ihr nicht mein Gebrechen? Ach, Liebe liebt dergleichen Winkelzüge und liebt es nicht, vom Ältersein zu sprechen. Ich laß von ihr, sie sich von mir betrügen, umlügend unsre Fehler zum Vergnügen.

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Übersetzt von Karl Kraus, 1933

LXXXVIII Wenn Leid mir zuzufügen dich erfreute und mein Verdienst mit deinem Spott zu schmähn, so kämpf ich gegen mich auf deiner Seite, bereit, trotz falschem Eid dich treu zu sehn. Die eignen Schwächen kann ich mir nicht hehlen und will sie zeigen dir mit offnem Sinn, und kennst du all mein Fehlen und Verfehlen, so wird dir mein Verlust gar zum Gewinn. Und schließlich mach ich’s mir auch zum Geschenke: da ich an dich zu denken nur vermag, so bringt die Schmach, mit der ich selbst mich kränke, als dein Ertrag mir doppelten Ertrag. So lieb ich dich, und darf mich nicht beklagen: was Liebe einträgt, hat sie zu ertragen.

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Übersetzt von Karl Kraus, 1933