William Shakespeare (1564–1616)

220 Sprüche Renaissance

Zu Liebesboten taugen nur Gedanken, die zehnmal schneller fliehn als Sonnenstrahlen, wenn sie die Nacht von finstern Hügeln scheuchen.

Shakespeare, Romeo und Julia, Erstdruck 1597

XVIII Soll ich denn einen Sommertag dich nennen, dich, der an Herrlichkeit ihn überglänzt? Dem Mai will Sturm die Blütenpracht nicht gönnen, und Sommers Herrschaft ist so eng begrenzt. Oft leuchten seines Blickes Feuerfarben, doch bald auch hört das goldne Glänzen auf, bis seine allerletzten Spuren starben in Wechsel und natürlichem Verlauf. Dir aber soll der Sommer niemals scheiden, die Zeit sei fern, daß Schönheit dir verdirbt. Des Todes gier'ger Blick weiß dich zu meiden: mein Wort verhütet, daß dein Wesen stirbt. Solange Ohren hören, Augen sehn, besteht mein Lied, wirst du im Lied bestehn!

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Übersetzt von Karl Kraus, 1933

Liegt junger Männer Liebe Denn in den Augen nur, nicht in des Herzens Triebe?

Shakespeare, Romeo und Julia, Erstdruck 1597

Die Lieb' ist blind, das Dunkel ist ihr recht.

Shakespeare, Romeo und Julia, Erstdruck 1597

April ist dir im Aug', der Liebe Lenz, Und Tränen sind der Regen, die ihn künden.

Shakespeare, Antonius und Cleopatra, Erstdruck 1623

Die Liebe böser Freunde wird zur Furcht, Die Furcht zum Haß, und einem oder beiden Bringt Haß Gefahren und verdienten Tod.

Shakespeare, König Richard II. (The Tragedy of King Richard the Second), Erstdruck 1597

Bleibt, o bleibt, ihr Lippen ferne, Die so lieblich falsch geschworen; Und ihr Augen, Morgensterne, Die mir keinen Tag geboren! Doch den Kuß gib mir zurück, Gib zurück, Falsches Siegel falschem Glück, Falschem Glück!

Shakespeare, Maß für Maß (Measure for Measure), Erstdruck 1623

Kein steinern Bollwinkel kann der Liebe wehren, und Liebe wagt, was Liebe kann.

Shakespeare, Romeo und Julia, Erstdruck 1597

Wie Schatten flieht die Lieb, indem man sie verfolgt; sie folgt dem, der sie flieht, und flieht den, der ihr folgt.

Shakespeare, Die lustigen Weiber von Windsor (The Merry Wives of Windsor), unautorisierter Erstdruck 1602

Streitsücht'ge Liebe! Du Alles, aus dem Nichts zuerst erschaffen! Schwermüt'ger Leichtsinn! Ernste Tändelei! Entstelltes Chaos glänzender Gestalten! Bleischwinge! Lichter Rauch und kalte Glut! Stets wacher Schlaf, dein eignes Widerspiel! So fühl ich Lieb' und hasse, was ich fühl'!

Shakespeare, Romeo und Julia, Erstdruck 1597

Eine Frag' ist's, die zu lösen bliebe, Ob Lieb' das Glück führt oder Glück die Liebe.

Shakespeare, Hamlet, Erstdruck 1603

Und wie liebt' er meine Mutter! Des Himmels Lüfte schienen ihm zu rauh, um ihr Gesicht zu streifen.

Shakespeare, Hamlet, Erstdruck 1603

Liebe ist nicht Liebe, wenn sie sich mit Nebenrücksicht vermengen kann.

Shakespeare, König Lear (King Lear), Erstdruck 1608

Die Lieb' ist bettelarm, die meßbar ist.

Shakespeare, Antonius und Cleopatra, Erstdruck 1623

Der Liebe leichte Schwingen trugen mich; kein steinern Bollwerk kann der Liebe wehren; und Liebe wagt, was irgend Liebe kann.

Shakespeare, Romeo und Julia, Erstdruck 1597

Wohn ich denn nur in der Vorstadt eurer Zuneigung?

Shakespeare, Julius Cäsar, Erstdruck 1623

Wer ist glücklicher? Der, der viel geliebt hat oder der, welcher viel geliebt wurde?

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Wann Lieb' und Einfalt sich zu reden nicht erdreisten, dann, dünkt mich, sagen sie im Wenigsten am meisten.

Shakespeare, Ein Sommernachtstraum (A Midsummer Night’s Dream), Erstdruck 1600

Man könnte ebensogut Feuer im Schnee entzünden wie den Versuch machen, das Feuer der Liebe mit Worten zu löschen.

Shakespeare, Zwei Herren aus Verona (The Two Gentlemen of Verona), Erstdruck 1623

Der Liebe Vernunft ist ohne Vernunft.

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Wer mäßig liebt, der liebt um desto länger; Trägheit und Hast sind beide schlechte Gänger.

Shakespeare, Romeo und Julia, Erstdruck 1597