Amor ist ein mächt'ger Fürst Und hat mich so gebeugt, daß ich bekenne, Es gibt kein Weh, das seiner Strafe glich', Doch gibt's nicht größ're Lust, als ihm zu dienen.
Veschloss'ne Glut ist's, die am tiefsten wühlt.
Wenn du dich nicht der Verrücktheiten erinnern kannst, zu denen dich die Liebe genötigt hatte, hast du in Wahrheit nie geliebt.
Sonett 116 Nichts kann den Bund zwei treuer Herzen hindern, Die wahrhaft gleichgestimmt. Lieb' ist nicht Liebe, Die Trennung oder Wechsel könnte mindern, Die nicht unwandelbar im Wandel bliebe. O nein! Sie ist ein ewig festes Ziel, Das unerschüttert bleibt in Sturm und Wogen, Ein Stern für jeder irren Barke Kiel, – Kein Höhenmaß hat seinen Werth erwogen. Lieb' ist kein Narr der Zeit, ob Rosenmunde Und Wangen auch verblühn im Lauf der Zeit – Sie aber wechselt nicht mit Tag und Stunde, Ihr Ziel ist endlos, wie die Ewigkeit. Wenn dies bei mir als Irrthum sich ergiebt, So schrieb ich nie, hat nie ein Mann geliebt.
Weiß ich doch, wenn das Blut kocht, wie das Gemüt der Zunge freigiebig Schwüre leiht.
Ach, daß der Liebesgott, so mild im Scheine, So grausam in der Prob' erfunden wird!
XXV Mag, wen ein günstiges Geschick erschuf, an Titeln sich und äußrer Ehre laben. mir, der sich fern fühlt solcherlei Beruf, ward der Gewinn, ein andres Glück zu haben. Von Gunst besonnt, der Höfling fett gedeiht und tut sich auf wie eine Dotterblume; ein laun’scher Zufall endet seine Zeit, ein zorn’ger Blick begegnet seinem Ruhme. Der nie besiegte Sieger, der zuletzt doch einmal seinen Sieger hat gefunden, wird aus der Ruhmestafel ausgeätzt, und tausend Siege sind dahingeschwunden. Welch andres Glück: ich lieb und bin geliebt, ein Glück, an dem es keinen Wandel gibt!
Ist's wirklich Liebe, sag mir denn, wie viel?
O lerne lieben! Leicht ja ist die Müh' Und kannst du's einmal, du verlernst es nie!
O, allmächtige Liebe! die auf gewisse Weise das Vieh zum Menschen macht, und auf andre den Menschen zum Vieh!
Nach allem, was ich jemals las Und jemals hört' in Sagen und Geschichten, Rann nie der Strom der treuen Liebe sanft […].
XXIII Wie auf der Szene oft ein Dilettant, durch Schüchternheit gehemmt in seinem Spiel; wie der, der rast, vom Wüten übermannt, durch Übermaß geschwächt wird vor dem Ziel: ganz so verfehle ich, von Angst beklommen, zu tun, was Liebessitte sonst begründet, und alle Leidenschaft erscheint verglommen, weil sie zu heftig in mir angezündet. Drum soll mein Lied für meine Liebe zeugen und leise künden meinen lauten Drang, den schüchtern meine Lippe muß verschweigen, der mancher kühne Ausdruck doch gelang. O laß, was stumme Liebe schrieb, gewähren: sie wird dich lehren, mit dem Aug zu hören.
LVII Dein Sklave bin ich, harrend der Befehle, und deinem Winke folg ich unbedingt, und keinen andern Dienst ich mir erwähle als dir zu dienen, wenn du nur gewinkt. Verspätet sich der Wink, will ich nicht schelten, ob mir die Uhr auch allzu langsam ging, und Trennungsweh laß ich dich nicht entgelten, wenn ich verschwinden muß auf deinen Wink. Ich suche nicht mit eifersücht’gem Sinn mich in dein Tun und Wollen zu vergraben – doch denk ich an die andern, die Gewinn von deiner holden Gegenwart nun haben. Ein solcher Sklav ist Liebe: ihr ist’s Pflicht, was du auch tust, zu sehn im hellsten Licht.
So lieb ich dich, und darf mich nicht beklagen: was Liebe einträgt, hat sie zu ertragen.
Mag, wer zu prahlen liebt, mit Liebe prahlen; ich will nicht preisen, was nicht zu bezahlen.
Gedanke, der in Todestrauer führt: zu denken, daß man hat, was man verliert!
Wir sind von solchem Stoff wie Traumgebild, und unser kleines Leben umgibt ein Schlaf.
So bringt ein Zufall der Liebe Schwingen über alle, manche trifft der Pfeil und manche fängt die Falle.
Ihr nehmt mein Haus, wenn ihr die Stütze nehmt, worauf mein Haus beruht; ihr nehmt mein Leben, wenn ihr die Mittel nehmt, wodurch ich lebe.