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26202 Sprüche gefunden

Wer nie im Zorn erglühte, Kennt auch die Liebe nicht. Die Lieb' ist süße Blüthe, Die bitterm Zorn entbricht. Wie Rosen blühn aus Dornen Und wunderlieblich stehn, So steht auf scharfen Zornen Auch Liebe wunderschön.

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Entrückt und Nah Entrückt und nah, belebend und doch Schein, So seh ich, Liebste, dich vor mir errichtet. Ein Umriß, der vor meinen Blicken flüchtet Und dem es doch bestimmt ist, Bild zu sein. Die Hände haben längst darauf verzichtet Zu fassen nach Gestalt von Fleisch und Bein. Genug zu wissen, daß du Brot und Wein Und zartes Feuer bist, das mich belichtet. Die Augen werden einst in Moder fallen. Was war ich ohne dich? Ein irres Lallen, Ein Dunkel und ein Rausch der Bitternisse. Laß wehen durch mein Wort die lichten Küsse. Laß sinken in mein dämmerndes Gedicht Vom Brunnenrande her dein Angesicht.

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Die jugendliche Liebe harrt immerwährend auf Wunder, auch nachdem sie entsagt zu haben wähnt. Wunder jedoch zergliedert man nicht wie gewöhnliche Begebenheiten, sonst wären sie keine Wunder. Man erwartet sie eben. – Nur daß sie meist ausbleiben.

Holtei, Der letzte Komödiant, 1863. Erster Teil

Liebe läßt sich nicht lehren, nicht von außen beibringen, wenn sie nicht von selbst im Herzen sich entfaltet – sie ist eine Blume, die, wie eine jede, den rechten heimischen Boden und Sonnenglanz und Wärme braucht, um in ihrer ganzen Schönheit und Größe erblühen zu können.

Otto-Peters, Der Genius des Hauses, 1869

Du und ich Wunschlose Seligkeit Strömt deine Nähe über mich. Der Alltag wird zur Sonntagszeit, Unsterblich schlingt das Leben sich Um uns. Und Menschengöttlichkeit Fühl' ich bei dir durch dich. Was einst gewesen, weiß ich kaum. Die enge Welt wird weiter Raum. Und Holz wird Eisen, Eisen Holz Und Stolz wird Demut, Demut Stolz. Gar wunderbare Weisen Singt dann bei seinem Kreisen Mein Blut im Paradies für mich. Es haben alle Wünsche Ruh', – Ich weiß nicht mehr, wer bist dann du. Ich weiß nicht mehr, wer bin dann ich.

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Das Tragische im Liebesleben des Menschen ist, daß mit Ausnahme der ganz jungfräulichen, jede neue Liebe eine alte zerstört oder an die Stelle einer zerstörten tritt.

Hagemann, Aphorismen zur Liebesweisheit, 1921

Wie macht das Gefühl bloßen Sichnaheseins Liebende schon glücklich.

Morgenstern, Stufen. Eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen, 1918 (posthum). 1907

Wer rief dich denn? Wer hat dich herbestellt? Wer hieß dich kommen, wenn es dir zur Last? Geh zu dem Liebchen, das dir mehr gefällt, Geh dahin, wo du die Gedanken hast. Geh nur, wohin dein Sinnen steht und Denken! Daß du zu mir kommst, will ich gern dir schenken. Geh zu dem Liebchen, das dir mehr gefällt, Wer rief dich denn? Wer hat dich herbestellt?

Tommaseo, Toskanische Volkslieder (Canti popolari toscani), 1841/42

Trifft Liebesnot auf Müßiggang, so verschlimmert sie sich.

Gottfried von Straßburg, Tristan, um 1210 (Fragment)

Wir reden viele Sprachen mit Worten, Augen, Händen, Zeichen; viele, viele, und Liebe spricht sie alle.

Pauly, Aphorismen, 1905

Die ersten Ergüsse gegenseitiger Neigung sind gewiß die lieblichste Quelle von allen denen, die wir auf unserer langen Reise durch die Wüste des Lebens begegnen.

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Nichts stört im Liebeszimmer so sehr wie ein Bett. Die Begriffe schließen sich aus. Im Bett schläft man. Nachher.

Hagemann, Aphorismen zur Liebesweisheit, 1921

Unter den Bäumen, unter den Bäumen Ruht das Mädchen tief in Träumen. Voll von liebendem Verlangen Träumt sie von der Liebe golden, Träumt sie sich zu ihrem Holden, Träumet doch nicht schlafbefangen. Denn ein Mädchen voll Verlangen Unter den Bäumen Schlummert nicht bei Liebesträumen. Ihre Brust wallt in die Höhe Bei dem süßen Traumgesicht; Sieht sie, was sie träumt, auch nicht, Träumt sie doch, was gern sie sähe. Ach, es ist ein schlimmes Wehe, Unter den Bäumen Nie zu sehen, was wir träumen!

Geibel/Heyse, Spanisches Liederbuch, 1852

Begegnung Eine Silberlichterspur folgt dem Kahn In der stillen Nacht auf seiner Bahn – So ließ dein Erscheinen eine helle Spur in meines Lebens dunkler Welle. Jene Spur, die in den Wassern ruht, Wird verschwinden mit der nächsten Flut; Doch die schöne Lichtspur im Gemüte Tilgt fürs Leben keines Sturms Gewüte.

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Das Wort »Lieben« wird durch jeden Zusatz schwächer. "Ich liebe dich wie mein Leben!" – oder "Ich liebe dich sterblich!" – ist lange nicht so viel, wie das einfache: "Ich liebe dich!"

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Laßt uns helle denken, so werden wir feurig lieben.

Schiller, F., Theoretische Schriften. Philosophische Briefe, 1786. Theosophie des Julius. Gott

Niemals erkennt die Sehnsucht. Das tut nur die Liebe. Aber sie erlischt im Augenblick des Erkennens.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Der Liebe hat Gott in jedem menschlichen Herzen einen Altar aufgerichtet, das Lämplein auf demselben zugerichtet und zu demselben gestellt als Gott geweihte Priesterin die Mutter – sie brennt die heilige Flamme an.

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Das Tiefste und Heiligste des Herzens bleibt unausgesprochen und wird doch von dem anderen liebenden Herzen verstanden.

Verena, Über Alles die Pflicht. Roman, 1870

Alle Philosophie ist Selbstbespiegelung.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Weißt du noch? Weißt du noch, wie ich am Felsen Bei den Veilchen dich belauschte, Weißt du noch den Fliederstrauch, Wo der Strom vorüberrauschte? Weißt du noch den Bergespfad, Wo ich um den Strauß dich bat, Weißt du noch? Ach, es war ein süßes Bild, Als du da errötend standest, Und zur Erde all' die Blumen Fielen, die zum Strauß du wandest, Deine kleine, liebe Hand Spielte mit dem blauen Band, Weißt du noch? Und es sahen Fels und Strom Dein Erröten und dein Beben, Sahen auch den ersten Kuß, Halb genommen, halb gegeben! Und des Himmels goldner Strahl Überflog Gebirg und Thal, Weißt du noch?

Roquette, O., Gedichte. 3. Auflage, Stuttgart 1880