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26202 Sprüche gefunden

Wer auf der Erde ohne Bestimmung lebt, gleicht einem Schiff auf dem trockenen Land. Und wer nicht in das große Rad der Menschheit mit eingreift, der gleicht den zinnernen Taschenuhren der Kinder, die wohl Zeiger und Zifferblätter, aber im Inneren hohl sind.

Müller (Hg.), Beyträge zur Beförderung des guten Geschmacks, zur Bildung des Verstandes und Veredlung des Herzens. Versuch einer neuen prosaischen Anthologie von Johann Georg Christoph Müller, Verlag der Zeh'schen Buchhandlung, Nürnberg, o.J. [1815]

Wir leben in einer Zeit, wo Verborgenheit mehr schützt als das Gesetz und sicherer macht als Unschuld.

Rivarol, Maximen und Gedanken, in: Die französischen Moralisten. Verdeutscht und hg. von Fritz Schalk, Leipzig 1938. Politik

Mirabeau aber, der stark darin war, schlagende Blitze der Wahrheit und des Spottes zu schleudern, antwortete [...], er kenne nur drei Mittel in der Gesellschaft zu existieren: Stehlen, Betteln und Gehalt ziehen.

Thiers, Geschichte der französischen Revolution (Histoire de la Révolution française), 10 Bde., 1823-27. Mündliche Äußerung Mirabeaus gegenüber dem versammelten Klerus

Auch des Lebens Strom fließt schneller, wenn er abwärts geht.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Selige Sehnsucht Sagt es niemand, nur den Weisen, Weil die Menge gleich verhöhnet, Das Lebend'ge will ich preisen, Das nach Flammentod sich sehnet. In der Liebesnächte Kühlung, Die dich zeugte, wo du zeugtest, Überfällt dich fremde Fühlung, Wenn die stille Kerze leuchtet. Nicht mehr bleibest du umfangen In der Finsternis Beschattung, Und dich reißet neu Verlangen Auf zu höherer Begattung. Keine Ferne macht dich schwierig, Kommst geflogen und gebannt, Und zuletzt, des Lichts begierig, Bist du, Schmetterling, verbrannt. Und solang du das nicht hast, Dieses: Stirb und werde! Bist du nur ein trüber Gast Auf der dunklen Erde.

Goethe, J. W., Gedichte. West-östlicher Divan, 1814-1819. Buch des Sängers

Man lebt nicht einmal einmal.

Kraus, Sprüche und Widersprüche, 4. Auflage 1924 (EA: 1909). IX. Sprüche und Widersprüche

Die Menschheit hat einen größeren Gewinn, wenn sie jeden nach seinem Gutdünken leben lässt, als wenn sie jeden zwingt, nach dem Gutdünken der andern zu leben.

Mill, Über Freiheit (On Liberty), 1859. Übersetzt von David Haek, 1896

Aussicht Komm zum Garten denn, du Holde! In den warmen, schönen Tagen Sollst du Blumenkränze tragen, Und vom kühl kristallnen Golde Mit den frischen, roten Lippen, Eh ich trinke, lächelnd nippen. Ohne Maß dann, ohne Richter, Küssend, trinkend singt der Dichter Lieder, die von selbst entschweben: Wunderschön ist doch das Leben!

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Am Abend und am Morgen ist der Himmel rot. Am Abend und am Morgen ist die Luft kühler als am Tag, singen die Vögel heller, ist der Wald frischer. So auch in den Morgenstunden und in der Abendzeit des einen flüchtigen Tages, der das Menschenleben heißt. Abend und Morgen sind einander näher verwandt als dem Tage. Ihr Gemeinsames ist, daß der Mensch an seinem Morgen in sein Leben hineinwächst, das ihm noch fremd ist, und am Abend langsam einem anderen Leben sich naht, das er nicht kennt.

Keller, P., Gedichte und Gedanken, 1933

In Deinem Leben musst du unerreichbar sein für die, die nicht wissen, was sie an dir haben und erreichbar für die, die wissen, wie wichtig du für sie bist!

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Die Güter des Lebens scheinen oft ungenießbar, bloß darum, weil sie oft eine rauhe Hülse tragen und tragen müssen, aber der Kern ist darum denn doch auch gewährt.

Hölderlin, F., Briefe. An die Schwester 1800

Ich sage dieses nur in Beziehung auf deutsche mediatisierte Fürsten. Diesen Leuten ist in der letzten Zeit ein großes Unrecht geschehen, indem man sie einer Souveränetät beraubte, wozu sie ein ebenso gutes Recht haben wie die größeren Fürsten, wenn man nicht etwa annehmen will, daß dasjenige, was sich nicht durch eigene Kraft erhalten kann, auch kein Recht hat zu existieren.

Heine, Reisebilder und Reisebriefe. Reisebilder. Zweiter Teil. Die Nordsee. 1826. Dritte Abteilung

Ach, menschliches Leben Geht schneller dahin Als Räder am Wagen! Wer weiß es, ob morgen Noch lebend ich bin?

Schmidt/Lautsch (Hg.), Klamer Eberhard Karl Schmidt's Leben und auserlesene Werke hg. von dessen Sohne Wilhelm Werner Johann Schmidt und Schwiegersohne Friedrich Lautsch, 3 Bde., 1826-1828

Malen ist eine Kunst, Dichten auch, und gar Musik; die größte Kunst aber ist Leben. Am eigenen Leben ein Künstler werden, ist allein wert, Zahnschmerzen zu dulden und Geld zu entbehren.

Villers, Briefe eines Unbekannten, hg. von Margarete Gideon, Manesse Verlag, o.J. [1881]. An die Gräfin Eleonore Hoyos, 1877

Ach, unser Dasein rühmst du vergebens: Wir leben nicht, wir harren des Lebens.

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Ein guter Nachbar ist besser als ein ferner Freund.

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Einige leben vor ihrem Tode, andere nach ihrem Tode. Die meisten Menschen leben aber weder vor noch nach demselben; sie lassen sich gemächlich in die Welt herein und aus der Welt heraus vegetieren.

Seume, Apokryphen, 1806/07; erster vollständiger Druck in: Prosaische und poetische Werke, Berlin 1869

Leben heißt hinunterschweben (Wehe, wer verwegen rennt!) Trocknen Fußes auf dem Strom, Der im fernen Weltmeer mündet.

Ibsen, Peer Gynt, 1867

Leben heißt andere schlagen und geschlagen werden.

Oesch (Hg.), Russische Sprichwörter. Ausgewählt und übersetzt von Will A. Oesch, Zürich 1945

Was ist denn Leben? Ein ewiges Zusichnehmen und Vonsichgeben.

Ringelnatz, J., Gedichte. Turngedichte, 1923. Aus: Kniebeuge

Du lebst dahin, die Tage weben Zu Jahren sich, du merkst es kaum; Doch was du lebst, ist’s auch ein Leben? Ist’s nur des Alltags Wellenschaum?

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899