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26202 Sprüche gefunden
Wie selten, daß im Druck und Drang des Lebens ein Menschenherz dem andern sich erschließt, der tiefste Born geheimnisvollen Webens in gottgeweihter Stunde überfließt! Denn was wir Heiligstes im Innern tragen, wie Wenigen gönnen wir's mit banger Scheu, wir kennen ja den Spott auf unsre Klagen, Gleichmut und Selbstsucht, die sich ewig treu. So bergen neidisch wir, was echt uns eigen, und überschau'n wir, was das Leben gab, ein Wandern war's in Einsamkeit und Schweigen, und unser Bestes deckt mit uns das Grab!
Jedes Leben ist ein neues, und was der Jüngling fühlt und tut, ist ihm zum ersten Male auf der Welt ... – denn jeder wirkt sich das Wunder seines Lebens aufs neue.
Wir gehen tausendmal den nämlichen Weg, aber nimmer wieder denselben.
Und wenn du dreitausend Jahre lebtest, selbst dreißigtausend, so erinnere dich dennoch, daß keiner ein anderes Leben verliert als das, was er wirklich lebt, und kein anderes lebt, als das, was er verliert.
Auch wenn wir ein Leben lang am selben Ort sind, legen wir doch jeden Abend an anderer Stelle unseren Kahn an.
War man viel geplagt, ermüdet durch seine eigenen Empfindungen, so merkt man, daß man in den Tag hinein leben muß, viel vergessen, das Leben auspressen in dem Maß, als es verfließt.
Ich bin geboren mit dem Wunsche, zu sterben. Nichts dünkte mich dümmer als das Leben, nichts schmachvoller, als darin zu verweilen.
Ob man am Ende mit unsäglicher Plackerei in seinem Fache etwas genützt hat, das trägt doch wenig aus; weit besser ist es, den Geliebten lieb gewesen zu sein und nach eigener Phantasie gelebt zu haben.
Lebenslied Den Erben laß verschwenden An Adler, Lamm und Pfau Das Salböl aus den Händen Der toten alten Frau! Die Toten, die entgleiten, Die Wipfel in dem Weiten Ihm sind sie wie das Schreiten Der Tänzerinnen wert! Er geht wie den kein Walten Vom Rücken her bedroht. Er lächelt, wenn die Falten Des Lebens flüstern: Tod! Ihm bietet jede Stelle Geheimnisvoll die Schwelle; Es gibt sich jeder Welle Der Heimatlose hin. Der Schwarm von wilden Bienen Nimmt seine Seele mit; Das Singen von Delphinen Beflügelt seinen Schritt: Ihn tragen alle Erden Mit mächtigen Gebärden. Der Flüsse Dunkelwerden Begrenzt den Hirtentag! Das Salböl aus den Händen Der toten alten Frau Laß lächelnd ihn verschwenden An Adler, Lamm und Pfau: Er lächelt der Gefährten. – Die schwebend unbeschwerten Abgründe und die Gärten Des Lebens tragen ihn.
Ich vergleiche das Leben mit den Saiten der Musikinstrumente, die gestrafft und wieder lockergelassen werden müssen, für einen besseren Klang.
Unser Leben ist ein Geschäft, das damalige [im Mittelalter] war ein Dasein; das Gesamtvolk existierte kaum, das Volkstümliche aber blühte.
Wir beklagen uns unaufhörlich, daß unserer Tage so wenige seien, und wir betragen uns trotzdem so, als ob sie nie enden würden.
Ich nähr' mich nur von dem, was glüht und brennt und leb' von dem, von dem die andern sterben.
Zum Leben gehört Kraft und Mut, man mag auf dem Thron sitzen, in der Hütte wohnen oder an dem Eckstein sein Brot erbetteln.
Ist denn nicht unser ganzes Dasein meistens ein Kopf-weg-Stecken vor dem Unvermeidlichen, vor dem armseligen Verdruß der nächsten Viertelstunde wie vor dem furchtbaren Jäger, dem Tode, der, gleichfalls in eine Staubwolke gehüllt, am Horizont der Wüste erscheint und hinter und über uns ist, während wir noch einen Spaß über ihn machen oder ihn in das Netz eines Dogmas oder eines philosophischen Systems verwickelt haben?