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26202 Sprüche gefunden

Jeder Tag mag so gestaltet werden, als ob er die Reihe der Tage beende und das Leben restlos erfülle. Wenn Gott uns dazu noch das Morgen schenkt, so wollen wir es frohen Herzens hinnehmen.

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Nicht jede Zeit findet ihren großen Mann, und nicht jede große Fähigkeit findet ihre Zeit. Vielleicht sind jetzt sehr große Männer vorhanden für Dinge, die nicht vorhanden sind.

Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen, 1905 (posthum). V. Das Individuum und das Allgemeine

Der Raum (die Welt) ist allen gemeinsam – es ist nicht meine, sondern unsere Welt. Aber jeder hat seine Zeit.

Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlaß, unter Mitwirkung von Manfred Schröter hg. von Anton Mirko Koktanek, C. H. Beck 1965

Es liegt etwas Neckendes, Foppendes in der Zeit; das Jetzt, das doch das einzig Reale ist gegenüber der Vergangenheit, die nicht mehr ist, und der Zukunft, die noch nicht ist, entwischt uns, sobald wir es zu fassen meinen, unter den Händen. Wer sich in den Zeitbegriff vertieft, wird zu keinem anderen Resultate kommen.

Volkelt, Das Unbewusste und der Pessimismus, 1873

Man kann die Zeit nur vergessen, indem man sich ihrer bedient.

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Willst Du den Werth der flüchtigen Zeit erkennen, so suche sie durch Deinen Fleiß mit einem Inhalte zu erfüllen und Du wirst sehen, wieviel die Minute wiegt.

Aachener Kritische Revue, 1891-94

XXVII Giebt es wirklich die Zeit, die zerstörende? Wann, auf dem ruhenden Berg, zerbricht sie die Burg? Dieses Herz, das unendlich den Göttern gehörende, wann vergewaltigts der Demiurg? Sind wir wirklich so ängstlich Zerbrechende, wie das Schicksal uns wahr machen will? Ist die Kindheit, die tiefe, versprechliche, in den Wurzeln – später – still? Ach das Gespenst des Vergänglichen, durch den arglos Empfänglichen geht es, als wär es ein Rauch. Als die, die wir sind, als die Treibenden, gelten wir doch bei bleibenden Kräften als göttlicher Brauch.

Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Die Sonette an Orpheus, 1922. Originaltext

Das war, wie die Zeit noch keinen Bart hatte.

Lichtenberg, Sudelbuch F, 1776-1779. [F 342]

Die Zeit hat kein Gestade: Sie flieht und wir mit ihr.

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Ich habe Zeit, wie denn jedermann Zeit hat, wenn er nur will.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 106. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924) Originaltext: Vaco, et omnes vacant qui volunt

Bis zur Vollführung einer furchtbar'n Tat Vom ersten Antrieb ist die Zwischenzeit Wie ein Phantom, ein grauenvoller Traum.

Shakespeare, Julius Cäsar, Erstdruck 1623. II, 1, Julius Cäsar

Die Zeit verläuft doch nicht leer, sie bringt und nimmt und läßt zurück. Man wird durch sie immer reicher, nicht gerade an Genuß, aber an etwas Höherem.

Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 4. Januar 1831

So viel von unserer Zeit ist Vorbereitung, so viel ist Schlendrian und so viel Zurückblicken, daß die geistige Schöpferkraft jedes Menschen auf sehr wenige Stunden zusammenschrumpft.

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Häßlich ist sie, die Zeit. Aber wahr. Sie läßt sich nicht malen, sondern photographieren. Ob sie wahr ist, weil sie häßlich ist? Oder häßlich, weil wahr?

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Es wird einmal die Stunde kommen, wo alles Gegenwart sein wird, was jetzt noch vage Zukunft ist, wo die Zeit selber von uns Rechenschaft fordern wird, was wir all die Jahre getan haben.

Ossietzky, in: Monatliche Mitteilungen des Deutschen Monistenbundes. Ein Wort über Aktivismus, 1. März 1918

Außer der Gesundheit wird durchaus nichts häßlicher verschwendet als ihr Surrogat, die Zeit.

Jean Paul, Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch (Erstdruck in: Komischer Anhang zum Titan, Band 2), 1801. Zehnte Fahrt

Du fragst, was ist die Zeit? Und was die Ewigkeit? Wo hebt sich Ew'ges an und hebet auf die Zeit? Die Zeit, sobald du sie aufhebst, ist aufgehoben, Wo dich das Ewige zu sich erhebt nach oben. Die Zeit ist nicht, es ist allein die Ewigkeit, Die Ewigkeit allein ist ewig in der Zeit. Sie ist das in der Zeit sich stets gebärende, Als wahre Gegenwart die Zeit durchwährende. Wo die Vergangenheit und Zukunft ist geschwunden In Gegenwart, da hast du Ewigkeit empfunden. Wo du Vergangenheit und Zukunft hast empfunden Als Gegenwart, da ist die Ewigkeit gefunden.

Rückert, Gedichte. Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839

Des Menschen Engel ist die Zeit, weil sie uns die Möglichkeit bietet, unsere Sünden zu bereuen.

Lüttwitz, Wo ist das Glück? Aphorismen, 1911

Der Kaufpreis der Ewigkeit ist die Zeit.

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Ja, so groß ist die Torheit der Menschen, daß, während sonst auch das Kleinste und Unbedentendste, wenn es nur überhaupt ersetzbar ist, von dem Empfänger als Schuldposten anerkannt wird, niemand sich als Schuldner fühlt dem gegenüber, der ihm seine Zeit gewidmet hat, während doch gerade dies das Einzige ist, was auch der Dankbare nicht wiedererstatten kann.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 1. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924)

Willst du dir über die wahre Beschaffenheit eines Dinges klar werden, so lass nur die Zeit walten: im flüchtigen Vorüberströmen lässt sich nichts genau erkennen.

Seneca, Vom Zorn oder Über den Zorn (De Ira). III, 12. Übersetzt von Otto Apelt (1923)