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Zweiundsiebzig Jahre auf der Erde, das bedeutet neunundsechzig Jahr lang gelogen, Empfindungen versteckt, geheuchelt, gegrinst, statt zu beißen, geschimpft, wo man geliebt hat. Manchmal dämmert eine Ahnung auf, das vielleicht doch lieber zu unterlassen.
Länder und Seen durchschwommen Brünstig allen Fernen. Wittre nun in den Nächten Nach Ländern über Sternen. Als ich ein Kind war, Glänzte so weit mein Teich, Hinter jedem Wipfel Grünte ein Zukunftsreich. Stützt zu Berg mich, Söhne, Dicht in meine Nähe, Daß ich noch einmal Die kleine Erde sehe.
Man lacht nicht, weil du alt, glaub mir, man lacht allein, weil du, die doch so alt, durchaus nicht alt willst sein.
Das wäre gut… Ich liebe den Herbst! Meinen eigenen jedoch sehe ich mit gemischten Gefühlen so selbstverständlich davon gehen, so sanft wie die fallenden Blätter und zuvor noch ein paar Stürme erleben, das wäre gut.
Läßt mich das Alter im Stich? Bin ich wieder ein Kind? Ich weiß nicht, ob ich oder die andern verrückt sind.
Über allen Leben weh'n Kühl des Todes Schauer. Edle Menschen altern seh'n, Ist die größte Trauer.
Ein Greis sagte: "Mag's einer noch so weit gebracht haben – wenn er siebzig Jahre alt geworden, ist sein Leben verpfuscht."
Die grauen Haare sind nicht immer der Schnee des Alters, sondern öfters auch der Reif der Jugend.
Wer lange lebt, hat viel erfahren, Nichts Neues kann für ihn auf dieser Welt geschehn.
In grauen Haaren steckt auch ein guter Hengst.
Im hohen Alter, in dem man wirklich das Recht hätte zu sagen: »Ich kann nicht mehr warten«, wie geduldig wird man da!
Die Jugend ist außerordentlich gut gegen mich, und ich erkenne es mit größter Dankbarkeit an. Manchmal komme ich mir aber doch vor wie der ur-uralte Papagei, den niemand mehr verstand, weil er eine tote Sprache sprach.
Die Wirklichkeit wenig bekannt ist. Der Frühling ist Winters arglistiger Trug, Im Wein steckt nicht Wahrheit noch Rebe, Das Weibergeschlecht ist auch heuttags zu klug, Daß Herz gegen Herze es gebe! Die Jungen sprechen: Verehrter Kollege, Ihr selber nur schwärmt: Ihr schmähet den Lenz, weil Ihr kalt seid, Den goldenen Wein, der Euch nimmer erwärmt, Die Frauen, für die Ihr zu alt seid! Wir beugen ergebenst uns mit Reverenz Vor solcher erhabener Tugend, Doch singen die Liebe, den Wein und den Lenz Wir fürder der fröhlichen Jugend. Ei, lasset's in rüstigern Tagen doch auch, Zu müh'n Euch um Nachwuchs an Jungen; Wenn er einmal abstirbt der löbliche Brauch, So haben wir bald ausgesungen! Der Alte: Ei, merktet ihr denn nicht am zwinkernden Aug', Daß ich euch nur schraubte, ihr Herren, Und anderes besser zu predigen taug' Als wie der Enthaltsamkeit Lehren?! Wenn ringsum die Lande im sonnigen Schein, Dann lasset in fächelnder Lauben Mich sitzen, den funkelnden Römer voll Wein, – Doch sei es ein Trank auch aus Trauben! – Und schafft mir ein Mädchen an Seite, das lacht Zum Kusse von bärtigem Munde, Und wenn mich das alles nicht jung wieder macht, Mögt ihr mich begraben zur Stunde!
Die Jugend gleicht einem ergötzlichen Traum, das Alter einer beschwerlichen Nachtwache.
Die Jugend spricht vom Alter wie von einem Unglück, das sie nie treffen kann.
Wenn die Erinnrung an die Jugend nicht wäre, so würde man das Alter nicht verspüren, nur, daß man das nicht mehr zu tun vermag, was man ehmals vermochte, macht die Krankheit aus. Denn der Alte ist gewiß ein eben so vollkommnes Geschöpf in seiner Art als der Jüngling.
Alt werden und einsam werden scheint dasselbe, und ganz zuletzt ist man wieder nur mit sich zusammen und macht andre durch unsern Tod einsamer.
Alter Geschlagen Hat mich das Alter und ich verstehe, Was ich sonst nur obenhin verstand, Wie es gemeint ist, wenn man redet Von müden Greisen. Müde vor allem sind mir die Beine Und nach wenig Morgenbewegung Freu ich mich auf das Mittagsschläfchen. Nicht gelüstet mich's, mitzueilen, Wenn, von Trompetenschmettern gelockt, Nach des festlichen Aufzugs Schauspiel Neugierselig die Menge strömt, Wenn sie am Felsberg atmend aufklimmt, Wo auf dem Gipfel die Rundsicht winkt. Und der Geist, wie steht es um ihn? Müd ist geworden, müd auch er, Müde der Täuschung. Eine nur, eine noch ist geblieben. Nimmer so lang ich noch Atem hole, Nimmer, nimmer schwinde sie mir, Die hohe Täuschung, der wahrheitsvolle, Heilige Wahn, daß Götter leben!